Zwei Siege in 24 Stunden
Vollenweider mit emotionaler Premiere in Davos

Der eine Favorit ist abwesend, der andere zieht in den Schlussgang ein. Dort kann sich Domenic Schneider nicht durchsetzen. So gibts am Bündner-Glarner Kantonalen einen lachenden Dritten, der den Sieg erbt.
Kommentieren
1/11
Jeremy Vollenweider jubelt in Davos.
Foto: keystone-sda.ch

Der Schlussgang

Domenic Schneider (30) und Martin Hersche (33) schenken sich über die zwölf Minuten nichts. Doch die Entscheidung fällt nicht. Beide schaffen es nicht, ihren Gegner auf den Rücken zu legen. So endet das Duell gestellt. Und beide verpassen den Festsieg. Stattdessen gibts eine Premiere. Jeremy Vollenweider (26) feiert den ersten Kranzfestsieg seiner Karriere.

Die Siegerstimme

Vollenweider gegenüber Swiss 1: «Ich glaube, ich muss immer zwei Wettkämpfe am Wochenende machen, denn dann läufts mir am besten. Als ich am Morgen herkam, habe ich nicht mit dem Sieg gerechnet. Mein Ziel war der Kranz. Der Start war verhalten, doch dann ist es immer besser geworden. Dass sie im Schlussgang stellen, ist mein Glück. Ich glaube, der Muni bleibt, wo er hingehört. Ich bin kein Bauer, und in den Garten oder auf den Balkon stellen ist schwierig.»

Die Schlussrangliste

Foto: RMS

Die Doppelbelastung

Jeremy Vollenweider hat Energie für zwei. Er ist nicht nur Schwinger, sondern auch Ringer und Nationalturner – und bestreitet erst am Freitag noch einen Wettkampf im Nationalturnen. Er holt in der Kategorie A am Bündner-Glarner Kantonalturnfest den Sieg, wenige Tage nachdem er schon Schweizer Meister im Nationalturnen wurde und feiert 24 Stunden nach diesem Triumph den ersten Kranzfestsieg seiner Karriere. Und dieser ist besonderes emotional für ihn. Denn Vollenweider hat schon einiges durchgemacht.

Mit 18 Jahren musste er nach einem epileptischen Anfall wiederbelebt werden, vier Jahre später erhielt er die Diagnose Hodenkrebs, musste sich einer Chemo und wegen Ablegern auch einer grossen Bauch-OP unterziehen. Und liess sich deswegen nicht bremsen. Auch nicht, als er 2022 von einem Kreuzbandriss zurückgeworfen wurde. Nachdem er am Pfingstmontag mit dem Unterland-Schwinget sein erstes Fest bei den Aktiven gewinnen konnte, feiert er nun seine Kranzfest-Premiere. Emotionale Stunden für den Schaffhauser.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Der abwesende Topfavorit

Im Vorjahr hat Armon Orlik (29) das Bündner-Glarner Kantonale zum fünften Mal gewonnen. Keiner hat öfter triumphiert. Nun macht der Rücken dem Titelverteidiger einen Strich durch die Rechnung. «Leider muss ich infolge kleinerer Beschwerden im Rückenbereich meine Teilnahme am Bü-Gla in Davos zurückziehen», schreibt er am Donnerstagabend auf Facebook. Nicht nur Orlik fehlt, auch sein letztjähriger Schlussgang-Gegner Roger Rychen (32) gibt Forfait. Wegen körperlicher Beschwerden macht er bis voraussichtlich Ende Juni eine Pause.

Der Gabentempel

In Davos wird in unmittelbarer Nähe des Eisstadions geschwungen. Der Heimstätte des HC Davos kommt deswegen eine wichtige Rolle zuteil. Sie dient den Organisatoren als Gabentempel. Bei den garstigen Bedingungen von Vorteil. Zudem für die Zuschauer die Gelegenheit, dem Nass zu entkommen und zumindest vorübergehend im Trockenen zu sein. Wer Hockey-Fan ist, hat zudem die Chance auf einen besonderen Preis. Der HCD sponsert einen VIP-Tisch für acht Personen am Spengler Cup.

Foto: RMS

Die bittere Niederlage

Nach drei Gängen hat Christian Biäsch als einziger Schwinger drei Siege auf dem Notenblatt. Er lässt das Publikum von einem Heimsieg träumen. Und dann das. Zum Start in den Nachmittag trifft er auf Domenic Schneider. Im ersten Zug lanciert dieser den entscheidenden Angriff – und Biäsch liegt nicht nur erstmals auf dem Rücken, sondern verdreht sich bei der Niederlage auch noch den linken Fuss. Mit schmerzverzerrtem Gesicht bleibt er liegen, humpelt anschliessend aus dem Sägemehl. Endet das Fest vorzeitig für ihn? Nein. Er bestreitet den 5. Gang und liegt nach diesem punktgleich mit Martin Hersche auf Platz 2. Bei der Einteilung hat er anschliessend das Nachsehen, er wird nicht für den Schlussgang aufgeboten. Und beendet das Fest nach einem Gestellten im 6. Gang auf Platz 3.

Die Bedingungen

Schwinger und Fans müssen in Davos zeigen, dass sie wetterfest sind. Zwar beginnt das Anschwingen noch trocken, dafür ist es kühl. Die Temperaturen sind auf 1560 m.ü.M. knapp im zweistelligen Bereich. Kaum beginnen im 1. Gang die Spitzenpaarungen, öffnet Petrus seine Schleusen. Es regnet teils in Strömen und fast durchgehend während des restlichen Festes. Nicht nur die Schwinger trotzen dem Nass, auch viele Zuschauer bleiben auf ihren Plätzen. Und müssen rund eine halbe Stunde weniger lang bei diesen Bedingungen ausharren, denn die Organisatoren streichen den Festakt, damit das Ganze früher endet.

Die Zaungäste

Unter den Zuschauern in Davos ist auch ein Vize-Weltmeister. Andres Ambühl ist mit seinem Vater, der ebenfalls Andres Ambühl heisst, auf dem Schwingplatz. Das HCD-Urgestein hat erst kürzlich mit der Hockey-Nati den WM-Final verloren. Gegenüber Swiss 1 verrät er, dass er gern schwingen schaut. Das könnte auch familiär bedingt sein. Denn sein Vater stieg einst selber in die Zwilchhosen – und gewann 1980 und 1983 einen Kranz am Eidgenössischen. Auch Ex-Skistar Marc Berthod lässt sich das Fest nicht entgehen.

Foto: Screenshot

So gehts weiter

Am Sonntag stehen die nächsten beiden Kranzfeste auf dem Programm. In Lausen steigt das Nordwestschweizer und in Täuffelen das Seeländische.

Das Fest zum Nachlesen im Ticker

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen