Die Schlussgänge
Beim Urner Kantonalen zeigt Lukas Bissig (21) eine einwandfreie Leistung. Er gewinnt alle sechs Gänge. Im Schlussgang braucht er rund sechs Minuten, um sich gegen Roger Bürli (26) durchzusetzen.
Auch beim St. Galler Kantonalen jubelt ein Einheimischer. Marco Good (27) setzt sich nach rund vier Minuten gegen Jeremy Vollenweider (26) durch. Für ihn wie für Bissig ist es der erste Kranzfestsieg.
Die Sieger-Stimme
Marco Good im Platz-Interview: «Das hätte ich heute Morgen nicht gedacht. Das Ziel war der Kranz. Heute hat alles zusammengepasst. Das Glück war auch noch auf meiner Seite und so ist es zustandegekommen. Ich habe aus dem Publikum viele Marco-Rufe gehört – das ist geil, danke vielmals. In der Stube habe ich keinen Platz für den Siegermuni, deshalb werde ich ihn hier lassen.»
Die langersehnten Heimsiege
13 Jahre ist es her, seit letztmals ein Urner das Urner Kantonale gewonnen hat. Andi Imhof (39) triumphierte 2011 in Flüelen. Und feierte damals den ersten Kranzfestsieg seiner Karriere. Mit Matthias Herger (29) und Lukas Bissig (21) stellen die Gastgeber gleich zwei Teilnehmer mit Sieg-Ambitionen. Herger bestreitet allerdings sein erstes Kranzfest in diesem Jahr. Er erlitt in der Saisonvorbereitung eine Rippenprellung und weist deswegen noch etwas Trainingsrückstand auf. Trotzdem mischt er vorne mit. Bissig zieht in den Schlussgang ein – mit fünf Siegen. Was dann folgt, ist die Wiederholung der Geschichte. Denn Bissig lässt sich den Triumph nicht mehr nehmen und feiert wie vor 13 Jahren Imhof seinen ersten Kranzfestsieg im Heimatkanton. Und das ist nicht nur deswegen speziell, sondern auch, weil er nur wenige hundert Meter von der Schwing-Arena wohnt.
Auch beim St. Galler Kantonalen geht das Warten zu Ende. Erstmals seit Oswald Haltiner (59) im Jahr 1995 gewinnt mit Good ein Rheintaler das Fest – und das in Werdenberg-Grabs im Rheintal. An beiden Festen gibt es damit einen Überraschungssieger. In Uri gehörten Marcel Bieri (29) und Mike Müllestein (35) zu den Favoriten, in St. Gallen Werner Schlegel (21) und Damian Ott (24).
Die Titelverteidiger
Beim Urner Kantonalen hat vor einem Jahr König Joel Wicki (27) triumphiert. Er verzichtet auf die Titelverteidigung, ist stattdessen am Samstag beim Oberländischen Schwingfest angetreten. Anders Damian Ott (24), der Vorjahressieger tritt erneut beim St. Galler Kantonalen an.
Die Halbzeit-Führenden
Reto Oettli (19) und Tobias Signer (19) haben eines gemeinsam. Sie gehen als Nichtkranzer beim St. Galler Kantonalen an den Start. Und schwingen sich abseits der Spitzenpaarungen zur Halbzeit an die Ranglistenspitze. Oettli holt das Punktemaximum, Signer liegt einen Viertelpunkt dahinter. Im Kampf um den Festsieg hat das Duo dann aber kein Wörtchen mehr mitzureden. Beide verlieren die Gänge 4 und 5. Weil Signer das Fest mit der Maximalnote beendet, holt er dennoch seinen ersten Kranz. Oettli hingegen reicht der abschliessende Gestellte dafür nicht.
Der ärgerlichste Sieg
Obwohl Werner Schlegel seinen 5. Gang gewinnt, ärgert sich der Topfavorit. Für seinen Sieg gegen Shane Dändliker erhält er nur die Note 9,75. Er hätte jedoch die Maximalpunktzahl gebraucht, um als Schlussgang-Kandidat infrage zu kommen. Schlegel schreitet mit diesem Wissen ins Sägemehl, deshalb nimmt er Dändliker noch einmal vom Boden auf und knallt ihn auf den Rücken. Das Problem: Die Kampfrichter geben das Resultat schon davor. So muss der Topfavorit für einmal einem anderen den Vortritt lassen.
Das erfolgreiche Comeback
Das Nordostschweizer Talent Gian Maria Odermatt (19) ist zurück – endlich! Nachdem er in der letzten Saison mit Rückenproblemen gekämpft hatte, warf ihn in diesem Frühling das Pfeiffersche Drüsenfieber aus der Bahn. Nun geht es wieder bergauf. Der Grundbauer aus Uster muss sich nur Damian Ott geschlagen geben und sichert sich so den Kranz. Für Furore sorgte Odermatt am Nordostschweizer Schwingfest 2022. Als 17-Jähriger gewann er damals den Kranz.
Das Stehaufmännchen
Jeremy Vollenweider hat schon einiges durchgemacht. Mit 18 Jahren erlitt er aus dem Nichts einen epileptischen Anfall, während einer Minute stand sein Herz still. Er wurde erfolgreich reanimiert – und erlebte vier Jahre später den nächsten gesundheitlichen Rückschlag. Diagnose: Hodenkrebs. Neben Amputation eines Hodens und Chemotherapie musste er sich auch einer grösseren Bauch-OP unterziehen, da der Krebs bereits zu viele Ableger gebildet hatte. Ans Aufgeben dachte Vollenweider, der neben Schwinger auch Ringer und einer der besten Nationalturner des Landes ist, nie. Auch nicht, als er im Frühling 2022 einen Kreuzbandriss erlitt.
Stattdessen beweist er, dass er ein Stehaufmännchen ist. Kürzlich konnte er den grössten Erfolg seiner Schwing-Karriere feiern. Er gewann am Pfingstmontag mit dem Unterland-Schwinget sein erstes Fest bei den Aktiven. Und doppelte am Samstag nach. Im Nationalturnen triumphierte er bei einem Zehnkampf. Beflügelt von diesen Erfolgen tritt er beim St. Galler an und zieht in den Schlussgang ein.
So gehts weiter
Eine volle Ladung Schwingen gibts am kommenden Wochenende. Am Samstag findet das Jurassische Kantonalschwingfest statt, am Sonntag die Kantonalen in Zürich, Luzern und im Aargau.