Jeder schwingerische Grossanlass hat seine Charakteristik. Das königliche Eidgenössische überstrahlt alles und ist das Fest der Feste. Der Unspunnen-Schwinget in Interlaken BE ist eine Wiege des Schwingsports und lebt von der Tradition.
Und der Kilchberger-Schwinget über dem Zürichsee, an einem Ort, in dem weit über hundert Einkommensmillionäre wohnen, lebt von der einzigartigen Dichte an Topathleten. Es ist auch diesmal ein Fest der Superlative ohne Verschnaufpause.
In einer Region, die nicht zu den Kerngebieten der schwingerischen Arbeit gehört. Und trotzdem erfreut sich dieser Anlass auf dem Gutsbetrieb Uf Stocken ungebrochener Popularität. Ja, auch der Kilchberger hat eine reiche Tradition und feiert im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag. Und ja, auch diesmal hat der Anlass die grossen Erwartungen erfüllt.
Zwischen Scheunen, Eseln, Pferden und Hühnern feiert Samuel Giger auf dem Bauernhof des Schwingsports einen historischen Triumph. Zum ersten Mal seit dem legendären Karl Meli gelingt einem Schwinger in Kilchberg die Titelverteidigung. Sein letzter Ernstkampf liegt drei Monate zurück. Frischer als alle anderen marschiert Giger zum Triumph.
Er, der sich als erster Schwinger zum Profitum bekannt hat und nach diesem «Tabubruch» auch Kritik einstecken musste. Wenn ein Fussballer in der dritten Liga Profi ist, interessiert das niemanden. Im Schwingen wird da gestänkert.
Das ist nicht nachvollziehbar, weil der Schwingsport an der absoluten Spitze enorm professionell betrieben werden muss. Und wenn man die Sponsoringeinnahmen aller Schwinger von jährlich insgesamt 3,6 Millionen betrachtet, dann wird es in Kilchberg den einen oder anderen Steuerzahler geben, der allein so viel verdient.
Giger, seit mehr als zehn Jahren der kompletteste und stärkste Schwinger, ist ein verdienter Sieger. Trotz allem bleibt der Makel, dass er nach wie vor ein König ohne Krone ist.
Das wird ihn in der Stunde dieses grossen Triumphs nicht belasten. Ändern kann er das sowieso erst 2028 beim Eidgenössischen Schwingfest in Thun BE.