Schwingerkönig Orlik ganz privat
«Nachwuchs käme mir im Moment eher ungelegen»

Schwingerkönig Armon Orlik kommt nur selten zum Pedalofahren auf dem Zürcher Obersee. Aber Aktivitäten wie diese liebt er als Ausgleich. Er erklärt, weshalb er noch keine Familie will, und wovon er nach der Karriere träumt.
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Andrea Butorin (Text), Linda Käsbohrer (Fotos)
Glückspost

Es war ein Bild für die Sport-Annalen: Der legendäre und wichtige Brünigschwinget brachte jüngst gleich vier Sieger hervor. Unter ihnen der amtierende Nordostschweizer Schwingerkönig Armon Orlik (31). Ausser Atem und mit dem Gesicht voller Sägemehl sass er auf den Schultern seiner Kollegen. Und lächelte zufrieden.

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Zwei Tage später erscheint Orlik gut gelaunt um 10 Uhr morgens im Hafen seines Wohnorts Rapperswil SG. «Mir geht es gut!», sagt er. Er sei zwar körperlich noch etwas müde, habe aber zum Glück keine Schmerzen. Obwohl er noch mitten in der Schwingsaison steckt, nimmt er sich Zeit, um für die Sommerserie mit der Glücks-Post in den See zu stechen. Genauer gesagt, zu pedalen. «Pedalo fahren wäre etwas!», meinte er auf die Frage, was er am oder im Wasser besonders gern tut.

«Ich fühle mich wohl in Rapperswil», sagt Schwingerkönig Armon Orlik auf dem Pedalo. «Ich werde oft gegrüsst und finde das etwas Schönes.»
Foto: Linda Käsbohrer

Heimisch geworden

Auf dem Obersee, dem südöstlichen Teil des Zürichsees (siehe Box) ist es, abgesehen von einigen aufgeregten Wasservögeln, überaus friedlich. Armon Orliks Blick gleitet in Richtung der Schwyzer und Glarner Alpen. Etwa vor einem Jahr sei er zum letzten Mal von Rapperswil aus Pedalo gefahren: «Mit Kollegen und Musik an Bord ist das ein gutes Programm für einen schönen Samstag- oder Sonntagnachmittag.»

In Landquart GR geboren und in Maienfeld GR aufgewachsen, lebt er seit vier Jahren in Rapperswil. «Ich fühle mich sehr wohl hier und bin oft im Dorf unterwegs.» Dass er von «Dorf» spricht, wenn er den alten Ortskern meint, zeigt, wie heimisch er unterdessen geworden ist. «Ich werde oft gegrüsst. Seit dem Königstitel noch mehr.» Diese spontanen Kontakte auf der Strasse oder beim Einkaufen störten ihn gar nicht: «Ich finde es etwas Schönes, gegrüsst zu werden.» Doch auch wenn er Ruhe sucht, wird er in der Umgebung fündig: So geht er zum Schwimmen an ein ruhiges Plätzchen am Obersee. Den nahen Wald schätzt er ebenso: sei es zum Spazieren oder für den Vita-Parcours. Und im Winter geht es als Höhepunkt nach einem Training ab und zu in die Sauna direkt am See.

Die Liebe will er privat halten

Seit einem Dreivierteljahr geht Armon Orlik nicht mehr allein durchs Leben. Kürzlich haben er und die Thunerin Magdalena Erni (22) bestätigt, dass sie ein Paar sind. Erni arbeitet hauptberuflich als Kampagnerin bei einer verkehrspolitischen Umweltorganisation. Sie politisiert zudem für die Grünen und ist vor wenigen Tagen als Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz zurückgetreten – sie freue sich auf mehr freie Wochenenden, verkündete sie. Nun wird sie vermehrt Zeit haben, ihren Armon auf dem Schwingplatz anzufeuern, während er sie auch schon in die TV-Sendung «Arena» begleitete. «Wir kennen uns seit einem Jahr, aber mehr verraten wir der Öffentlichkeit nicht über uns, das haben wir miteinander vereinbart», sagt Orlik.

Die Thunerin Magdalena Erni ist seit einem Dreivierteljahr die Frau an der Seite des Schwingerkönigs.
Foto: Philippe Rossier

Träumt er, der mit drei Brüdern aufgewachsene Schwingerkönig, auch davon, selber eine Familie zu haben? «Momentan nicht», antwortet er. Vielleicht werde es irgendwann einmal zum Thema. «Aber jetzt ist gerade noch sehr viel anderes, Schönes los, das ich auch ausgiebig geniessen möchte.» Seit seinem Königstitel sei sein Leben sehr intensiv, sodass es schon schwierig genug sei, alles im Griff zu haben. «Nachwuchs käme mir im Moment deshalb eher ungelegen.»

Und wie reagierte die als eher konservativ geltende Schwing-Szene darauf, dass Orlik mit einer Grünen-Politikerin zusammen ist? «Mir sind keine blöden Sprüche zu Ohren gekommen», meint er und zieht den Vergleich zu seinem Bruder Curdin Orlik (33). Dieser ist ebenfalls ein aktiver Schwinger und machte vor sechs Jahren seine Homosexualität öffentlich. «Da rechneten auch einige damit, dass er Ressentiments erfahren werde. Das war zum Glück überhaupt nicht der Fall!» Dies sei sehr schön und zeige, dass man die Schwingerwelt keiner bestimmten politischen Orientierung zuordnen könne: «Es sind wie bei anderen Sportarten primär einfach Fans. Mehr noch: Es ist eine Familie.»

Im Moment ordnet Armon Orlik fast alles seiner Schwingerkarriere unter. Später aber will er auf längeren Reisen die Welt entdecken.
Foto: Linda Käsbohrer

Seinem Bruder Curdin gehe es übrigens zum Glück wieder etwas besser: Er hatte sich im Juni beim Schwarzsee-Schwinget schwer an der Schulter verletzt, was das vorzeitige Saisonende bedeutete. «Er musste starke Schmerzen aushalten», erklärt Orlik. Doch seine Operation sei gut verlaufen.

«Königstitel als Türöffner»

Als Schwingerkönig geniesst Armon Orlik nicht nur die gestiegene Achtung im Sägemehl, sondern auch die eine oder andere Einladung. Zum Beispiel an ein Spiel des Schlittschuhclubs Rapperswil-Jona Lakers inklusive Abendessen und Garderobenbesuch, ans Pferderennen in Maienfeld oder ans Zürcher Sechseläuten. «Der Königstitel ist sicher ein Türöffner», meint der sympathische Hüne.

Mit dem Eidgenössischen Schwingfest in Mollis GL vom letzten Jahr verbindet der Bündner nur tolle Erinnerungen: «Das war so emotional – ein richtig schöner, grosser Sieg. Ein Eidgenössisches zu gewinnen, war immer schon mein grosses Ziel, dem ich alles untergeordnet habe.» Orlik denkt an die vorhergehenden Eidgenössischen, an denen er sich zwar gut gefühlt, es ihm aber nicht gereicht habe. Insbesondere 2016, als er im Schlussgang Matthias Glarner (40) unterlag.

Der frischgekrönte Armon Orlik mit Siegermuni Zibu am ESAF 2025 in Mollis GL.
Foto: keystone-sda.ch

Auch in der laufenden Saison erlebte er Hochs und Tiefs. «Welche Ziele ich mir Anfang Saison gesteckt hatte, darf ich nicht sagen – ich habe sie nicht erreicht», sagt er und schmunzelt zerknirscht. Trotzdem sei er glücklich über das Erreichte. So gewann er bislang drei Kranzfeste und insgesamt sieben Kränze. Nur am Bernisch-Kantonalen lief es mit gleich drei verlorenen Gängen gar nicht nach Wunsch.

Ziele fürs Schwingen und für danach

Nun stehen mit dem Schwägalp-Schwinget und dem Kilchberger Schwinget – der nur alle sechs Jahre stattfindet – noch zwei Feste an. Seine Mannschaft, der Nordostschweizer Schwingerverband, will den Kilchberger Schwinget unbedingt wieder gewinnen. Doch das Fest steht auch ganz oben auf Orliks persönlicher Wunschliste.

Seinen Zielen ordnet er alles unter: Nie würde er das Montagabend-Training auslassen, selbst nach einem strengen Schwingfest nicht. Während es da noch locker zugeht, folgt am Dienstag bereits die harte Einheit. «Ich brauche meinen täglichen Rhythmus und meine Routine», sagt er. Er schätzt es, wenn alles nach Plan läuft. Zudem bereitet er akribisch jedes Training vor und nach.

Mit Freunden und guter Musik aufs Pedalo ist für Orlik ein schönes Wochenendprogramm.
Foto: Linda Käsbohrer

Er betont aber auch: «Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben!» Klar seien die Trainings oft sehr hart, aber er könne sein Leben so gestalten, wie er sich das wünsche: «Ich fühle mich wohl und bin mir bewusst, wie viel Glück ich habe.» Solche Dankbarkeit verspüre er immer wieder, nicht nur nach einem Sieg wie jüngst auf dem Brünig. Zufrieden ist er auch in seinem Beruf. Denn trotz aller Zielstrebigkeit ist er auch als Schwingerkönig nicht Profisportler geworden: Er arbeitet unverändert zu 50 Prozent in einem Ingenieurbüro. «Das gibt mir viel und hilft mir, dass ich nicht pausenlos am Schwingen rumstudiere. Ausserdem bleibe ich so in meinem Beruf auf dem Laufenden», sagt er.

Er geniesst die kurze Pause

Aktuell steht eine dreiwöchige Pause zwischen den grossen Schwingfesten an. Eine Auszeit gönnt er sich dennoch nicht. Umso mehr freut er sich auf mindestens eine Woche Strandferien nach der Saison. Auch grössere Reiseträume hegt er: «Gerne möchte ich einmal länger verreisen.» Süd- oder Mittelamerika, China oder Zentralasien – all das würde er gerne sehen. Doch das brauche Zeit und liege aktuell nicht drin.

Er werde sicher nicht bis 40 aktiv schwingen. Aber mindestens bis zum nächsten Eidgenössischen, das 2028 in Thun, der Heimat seiner Liebsten, stattfinden wird. «Vielleicht auch etwas länger. Denn ich habe schon noch ein paar weitere Ziele, die ich erreichen möchte.»

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