Die Schlussgänge
Berner Kantonales: Matthias Aeschbacher weiss: Legt er Martin Hersche platt auf den Rücken, ist er mindestens Co-Festsieger. Er erfüllt die Pflicht, holt sich die Zehn ab. Und setzt die Schlussgang-Teilnehmer Kilian Wenger und Fabian Staudenmann unter Druck. Denn für sie ist klar: Nur wer den Gegner bodigt, wird Co-Festsieger. Entsprechend attraktiv ist das Duell. Beide suchen die Entscheidung, finden sie lange nicht. Doch dann, die drittletzte Minute ist gerade angebrochen, gelingt Staudenmann der entscheidende Wurf. Er triumphiert gemeinsam mit Aeschbacher am Berner Kantonalen.
Armon Orlik muss nicht gewinnen, ein Gestellter reicht ihm für den Festsieg. Trotzdem hält er sich nicht zurück, sucht immer mal die Entscheidung. Gleiches gilt für Domenic Schneider. Das Duell ist spannend, kann auf beide Seiten kippen. Und endet kurz vor Schluss mit dem Sieg von Orlik. Er gewinnt das Nordostschweizer zum vierten Mal nach 2016, 2018 und 2019. Schon vor vier Jahren bodigte er im Schlussgang Schneider.
Nach etwas mehr als einer halben Minute hat Nick Alpiger Sinisha Lüscher am Boden. Der 17-Jährige stemmt sich mit dem Kopf gegen die Niederlage, kann sich so über die Brücke noch gut eine Minute wehren. Doch dann geht die Kraft aus, er muss sich auf den Rücken legen lassen. Und Nick Alpiger gewinnt wie schon im Vorjahr das Solothurner Kantonale.
Die Jubiläen
Obwohl Domenic Schneider den NOS-Schlussgang verliert, darf er sich freuen. Er gewinnt zum 70. Mal einen Kranz. Auch für Armon Orlik ists ein Jubiläum, er feiert seinen 20. Kranzfestsieg.
Die Mega-Serie
Wer soll diesen Fabian Staudenmann (23) nur stoppen? Der Berner ist in unglaublicher Form. Und gewinnt auch das fünfte Kranzfest, zu dem er in diesem Jahr antritt. Dabei steht er noch immer ohne Niederlage da. Inklusive Regionalfesten hat er 54 Gänge bestritten. Mit den fünf Siegen und einem Gestellten in Tramelan steht er nun bei 47 Siegen und sieben Gestellten. Beeindruckend.
Die Hauptprobe
In 798 Tagen oder 114 Wochen krönt die Schweiz ihren nächsten König. Das ESAF 2025 findet in Mollis statt. Mit der erstmaligen Durchführung des Nordostschweizer Schwingfests kommts in der Glarner Gemeinde zur Hauptprobe für den Grossanlass. Kulisse, Stimmung und Wetter – alles passt perfekt. Mollis ist zwei Jahre vorher schon bereit für das grosse Highlight.
Die Premiere
Sein grosses Talent hat Sinisha Lüscher schon öfter bewiesen. Etwa mit dem Triumph beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag ENST 2021. Oder vor drei Wochen beim Aargauer Kantonalen mit dem Sieg gegen Eidgenosse Patrick Räbmatter. Nun erlebt der 17-Jährige beim Solothurner eine Premiere. Erstmals in seiner noch jungen Karriere steht er im Schlussgang eines Kranzfestes. Und wird trotz Niederlage nach dem Basellandschaftlichen, dem Baselstädtischen und dem Aargauer auch das Solothurner mit Eichenlaub auf dem Kopf verlassen.
Der Teilverbandskranzer
Reto Landolt (31) schreibt zu Hause ein Schwing-Märchen. Der Glarner aus Näfels bodigt im 6. Gang Jeremy Vollenweider. Und holt sich dank dieses Sieges den Kranz. Es ist sein erster bei einem Teilverbandsfest, entsprechend emotional ist das Ganze für ihn.
Die Rückkehrer
Kilian von Weissenfluh (26) hat sich Ende April beim Bern-Jurassischen verletzt, musste wegen eines Rippenbruchs pausieren. Nun kann er beim Berner Kantonalen wieder ins Geschehen eingreifen. Gleiches gilt für Pirmin Reichmuth (27), der seine Rückenbeschwerden überwunden hat und beim Nordostschweizer ins Sägemehl zurückkehrt.
Der Muskelfaserriss
Am Pfingstmontag (29. Mai) feierte Samuel Giger (25) beim Glarner-Bündner seinen bisher einzigen Kranzfestsieg in diesem Jahr. Ein weiterer wird vorerst nicht dazu kommen. Denn wenige Tage nach dem Triumph verletzte sich der Thurgauer im Training. Zunächst liess er offen, um was für eine Verletzung es sich handelt. Nun, nachdem er nach dem St. Galler Kantonalen und dem Stoos-Schwinget auch für das Nordostschweizer absagen musste, verrät er, dass es sich um einen Muskelfasserriss handelt. «Ich hoffe auf eine schnelle Genesung, sodass ich wieder in meiner Leidenschaft Vollgas geben kann», schreibt Giger auf Instagram. Er wäre in Mollis Titelverteidiger gewesen. Ob er am Innerschweizer (2. Juli) oder am Rigi-Schwinget (9. Juli) ins Sägemehl zurückkehrt, ist offen. Bei beiden Festen steht er aktuell noch auf der Teilnehmerliste.
Der verdrehte Fuss
Am Bündner-Glarner Kantonalen sorgte Curdin Orlik (30) letzten Sonntag für einen Schreckmoment. Im 1. Gang verdrehte er sich den Fuss und musste das Sägemehl für eine kurze Pause humpelnd verlassen. Zwar konnte er das Fest fortsetzen und letztlich die Heimreise mit einem Kranz antreten. Doch der Zwischenfall blieb nicht ohne Folgen. «Das untere Sprungbein erlitt einen Bruch», schrieb er vor wenigen Tagen auf Instagram und sagte damit die Teilnahme am Berner Kantonalen ab. «Wann genau ich wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen werde, kann ich momentan noch nicht sagen.»
So gehts weiter
Am kommenden Sonntag steht nur ein Fest auf dem Programm. In Dagmersellen LU findet das Innerschweizer Schwingfest statt. (bir)