Alpiger bodigt im Weissenstein-Schlussgang Lüscher
0:41
Nach gut vier Minuten:Alpiger bodigt im Weissenstein-Schlussgang Lüscher

Mit Premiere und schöner Geste
Alpiger beendet Nordwestschweizer Durststrecke

Auf dem Solothurner Hausberg gibts endlich wieder einmal Nordwestschweizer Jubel. Dafür verantwortlich ist Nick Alpiger. Er gewinnt auf dem Weissenstein.
Kommentieren
1/22
Jubelt auf dem Weissenstein: Nick Alpiger.
Foto: keystone-sda.ch

Der Schlussgang

Nick Alpiger liegt einen Viertelpunkt hinter Sinisha Lüscher und weiss, dass er gewinnen muss, um am Ende geschultert zu werden. Entsprechend geht er einen Tick offensiver in den Schlussgang. Nach zwei Minuten hat er Lüscher am Boden, kann ihn aber nicht auf den Rücken drehen. DIe beiden greifen noch einmal neu. Und dann ist es ein Gammen, der Alpiger den Sieg bringt. Er feiert auf dem Weissnestein seinen 15. Kranzfestsieg und holt seinen 80. Kranz.

Die Siegerstimme

Nick Alpiger: «Dass mein Name zuoberst steht, ist schön. Ich habe es schon realisiert, denn ich wusste, es geht um alles. Sinisha und ich haben es in den Schlussgang geschafft, haben beide top geschwungen. Ich durfte das bessere Ende für mich haben. Ich möchte ihm aber herzlich gratulieren. Sinisha du bist top trainiert, super fit, mach weiter so. Es macht richtig Freude. Ich ging einfach auf tutti und es hat gerade gut gepasst. Es ist aufgegangen, das ist schön für mich. Aber ich weiss auch, wie sich Sinisha fühlt. Ich weiss, er wird weitermachen und weiter kämpfen. Ich brauche ihn. Gross feiern werde ich nicht, morgen früh um 8 Uhr hab ich Training.»

Die Schlussrangliste

Foto: Screenshot ESV

Der Titelverteidiger

Fabian Staudenmann hat vor einem Jahr auf dem Weissenstein gejubelt. Da die Berner dieses Mal nicht zu Gast sind, kann er seinen Titel auch nicht verteidigen.

Das lange Warten

Zwölf Jahre ist es her, seit mit Christoph Bieri letztmals ein Nordwestschweizer auf dem Weissenstein gejubelt hat. Er triumphierte damals gemeinsam mit den Berner Königen Matthias Sempach und Kilian Wenger. Dieses Mal stehen die Chancen gut, dass das Warten ein Ende hat. Denn mit Sinisha Lüscher und Nick Alpiger ziehen gleich zwei Gastgeber in den Schlussgang ein. Und tatsächlich, erlösen sie die Gastgeber. Sowieso zeigen die Nordwestschweizer ein starkes Resultat. Von den 16 Kränzen holen sie die Hälfte. Eine derartige Ausbeute ist ihnen letztmals vor 16 Jahren gelungen – auch damals hat mit Christoph Bieri ein Nordwestschweizer gewonnen.

Die schöne Geste

Nick Alpiger und Sinisha Lüscher sind Verbandskollegen. Entsprechend speziell ist das Schlussgang-Duell. Als die Entscheidung gefallen ist, kommt es deswegen zu einer emotionalen Szene. Noch bevor Alpiger richtig jubelt, umarmt er Lüscher und sagt ihm wohl tröstende Worte ins Ohr. Erst danach stehen die beiden auf und Alpiger jubelt. Was für eine schöne Geste.

Die Premiere

Achtmal hat es auf dem Weissenstein bisher einen Schlussgang mit Nordwestschweizer Beteiligung gegeben. Was bisher nie der Fall war: zwei Gastgeber im Schlussgang. Bis jetzt. Denn nun sorgen Sinisha Lüscher und Nick Alpiger für diese Premiere.

Die Rekordweite

Mit dem Weissenstein findet auf dem Weissenstein auch ein Steinstoss-Wettkampf statt. Traditionell geht der Final zwischen dem 5. und 6. Gang in der Arena über die Bühne. Den Sieg schnappt sich Urs Hutmacher aus Weisslingen ZH. Und er gewinnt nicht nur, sondern stellt mit 4,61 Metern auch noch einen neuen Rekord auf. So weit wurde der Stein in der Weissenstein-Arena noch nie gestossen.

Der missglückte Schlungg

Letztes Wochenende ist Marcel Bieri am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest ein Schlungg missglückt – das hat ihn letztlich die Qualifikation für den Schlussgang gekostet. Auch auf dem Weissenstein geht dieser spektakuläre Angriff in die Hose. Mario Schneider zeigt ihn schon im 1. Gang gegen Paul Tornare – und legt sich damit selber auf den Rücken.

Die Rekordsieger

Armon Orlik hat schon zweimal auf dem Weissenstein triumphiert. Mit einem dritten Triumph hätte er zum Co-Rekordsieger werden können. Das gelingt nicht. So bleibt die Bestmarke weiter in den Händen von zwei anderen Königen: Christian Stucki und Matthias Sempach.

Die starke Reaktion

Letztes Wochenende hat Armon Orlik im Wankdorf ein Debakel erlebt. Dreimal ist der König auf dem Rücken gelandet, hat so die Heimreise ohne Kranz angetreten. Ein Resultat, das ihm zu denken gegeben hat. Auf dem Weissenstein präsentiert sich Orlik ganz anders. Er schwingt variantenreich, zeigt ein ums andere Mal Angriffe, in denen er verschiedene Schwünge kombiniert. Mit vier Siegen (dreimal platt) und zwei Gestellten belegt er Platz 2 und holt seinen 19. Bergkranz – den vierten auf dem Weissenstein.

Neues Klubmitglied

Am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest hat Domenic Schneider den 99. Kranz seiner Karriere geholt. Nun hat er auf dem Weissenstein die Chance, die 100 vollzumachen. Der Auftakt misslingt dem Thurgauer, er landet im 1. Gang auf dem Rücken. Danach lässt er drei Plattwürfe und einen Gestellten mit Note 9,00 folgen – und hat im 6. Gang die Chance, die 100 vollzumachen. Die nutzt er. Als 35. Schwinger der Geschichte knackt er diese magische Marke. Und ist nun gleichauf mit Christian Bieri, Karl Oberholzer, Toni Rettich und Josef Sutter. Schneider ist nicht der erste Schwinger, der auf dem Weissenstein die 100 voll macht. Vor vier Jahren ist dies auch schon Kilian Wenger an gleicher Stätte gelungen. 

Wiese oder Sägemehl?

Normalerweise hebt sich der Sägemehlring deutlich von der Wiese ab, auf der er liegt. Denn hellbraun und grün lassen sich gut unterscheiden. Nicht so auf dem Weissenstein. Die Trockenheit macht dem Untergrund zu schaffen, anstatt grün ist die Wiese braun. Und so ist es für die Zuschauer oft gar nicht so einfach, zu erkennen, ob sich die Schwinger noch im Sägemehl oder schon daneben befinden. Die Kampfrichter haben da den besseren Blick, sie stehen näher und können das besser einschätzen.

Der Schwerstarbeiter

So hat sich Adrian Odermatt seinen Auftritt auf dem Weissenstein nicht vorgestellt. Denn in den ersten vier Gängen wird er zum Schwerstarbeiter. Sowohl gegen den Eidgenossen Romain Collaud als auch gegen die Normalkranzer Martin Egli, Patrick Rüegg und Sandro Balimann kommt er nicht über einen Gestellten hinaus. Und steht so 24 Minuten im Sägemehl. Die Erlösung kommt erst im 5. Gang, als er gegen Stepan Tsirkin den ersten Sieg einfährt. Zum Abschluss fällt Odermatt dann ins alte Muster zurück und stellt auch noch gegen Teilverbandskranzer Andrin Habegger. Für einen Kranz reicht diese Leistung nicht. 

Bergkranz-Premiere

Daniel Bachmann hat einst 63 Kränze gewonnen. Auch auf dem Weissenstein hat er sich 2003 – ein Jahr vor seinem Karriereende – Eichenlaub gesichert. Von der Gesamtzahl ist sein Sohn Janos Bachmann noch weit entfernt. Aber in Sachen Weissenstein-Kränze zieht der 21-Jährige nun mit seinem Vater gleich. Denn Bachmann holt sich nach neun kantonalen und zwei am Nordostschweizer Teilverbandsfest zum ersten Mal auch einen Kranz bei einem Bergfest.

Das ungewohnte Accessoire

Nanu – das dürfte sich so mancher Zuschauer am Morgen gedacht haben, als Damian Ott erstmals zur Tat schreitet. Der Grund: Ott trägt einen Ohrenschutz. Wieso er plötzlich auf dieses ungewohnte Accessoire zurückgreift, erklärt er gegenüber SRF. Er habe sich am Nordostschweizer Schwingfest das Ohr aufgeschlagen, so Ott. Das habe er an jenem Tag gut ausblenden können, in den Trainings dann aber nicht mehr. Denn das Ohr habe sich zwar gut erholt, sei aber immer wieder angeschwollen. Deswegen setzt Ott als Vorsichtsmassnahme auf einen Ohrenschutz. Ob er diesen künftig immer tragen wird? «Nein, definitiv nicht», meint Ott lachend. «Ich bin froh, wenn ich ihn möglichst schnell wieder ablegen kann.»

Die Bedingungen

Am Morgen ist der Himmel über dem Weissenstein bewölkt, trotzdem ist es schon warm. Im Verlauf des Festes lichten sich die Wolken, der Himmel wird blauer. Und es wird immer heisser. Die Zuschauer wie die Schwinger sind der prallen Sonne ausgesetzt.

So geht es weiter

Auch am kommenden Wochenende steht ein Bergfest auf dem Programm. Am Sonntag findet der Rigi-Schwinget statt.

Der Festticker

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen