Der Schlussgang
Schon bevor Fabian Staudenmann (24) mit Lukas Döbeli zusammen greift, ist klar, dass er das Oberaargauische gewinnen wird. Der Grund: Staudenmann liegt 1,25 Punkte vor seinem Gegner. Trotzdem lässt er nichts anbrennen und greift nach rund zwei Minuten entscheidend an. Er bringt Döbeli zu Boden und lässt ihn dort nicht mehr entwischen. Staudenmann gewinnt alle sechs Gänge und feiert seinen 13. Kranzfestsieg.
Die Siegerstimme
Fabian Staudenmann im Platzinterview: «Es ist ein cooles Fest und eine coole Arena. Der Tag war cool. Das Wetter war mit viel Gepäck verbunden – man musste für alles gewappnet sein. Für Schwinger ists noch okay, man ist ja nur immer rund 20 Minuten dem Wetter ausgesetzt und danach in der Garderobe. Aber ich schwinge schon lieber bei schönem Wetter ohne Regen. Das ist auch für die Zuschauer angenehmer.»
Die Schlussrangliste
Die vereitelte Premiere
18 Kränze hat Lukas Döbeli in seiner Karriere gewonnen. In Burgdorf zieht er etwas überraschend in den Schlussgang ein. Unter anderem auch, weil er im 5. Gang Matthias Aeschbacher bodigt. Gegen Fabian Staudenmann kämpft er so um den ersten Festsieg seiner Karriere. Und verpasst diesen, weil er von Staudenmann gebodigt wird. So fällt Döbeli in der Rangliste auf Platz 5 zurück. Kranz Nummer 19 ist ihm damit dennoch sicher.
Die nicht mehr Nicht-Kranzer
David Maurer (25) hat beim Oberländischen seinen ersten Kranz um 0,75 Punkte verpasst. Nun unternimmt er in Burgdorf den nächsten Anlauf, um seinen Namen endlich mit Sternchen zu schmücken. Der Start ins Fest gelingt ihm. Nach drei Gängen stehen bei ihm zwei Maximalnoten und ein Gestellter zu Buche. Damit liegt er zur Halbzeit auf Rang 3 – vor Schwingern wie den Eidgenossen Domenic Schneider oder Curdin Orlik.
Auch ein anderer ohne Sternchen überzeugt: Janis Iseli (21). Er liegt nach fünf Gängen auf Platz 2 – und kommt als Schlussgang-Gegner von Fabian Staudenmann infrage. Allerdings hat er das Nachsehen, ihm und Orlik wird Lukas Döbeli vorgezogen. Trotzdem darf er sich über ein starkes Fest freuen – denn er gewinnt seinen ersten Kranz. Gleiches gilt für Maurer, die beiden sind am Ende auf Platz 6 klassiert. Punktgleich mit den beiden gibts mit Michael Heim noch einen dritten Neu-Kranzer.
Der Auftakt
2013 wurde Matthias Sempach (38) in Burgdorf Schwingerkönig. Elf Jahre später sind erneut alle Augen auf die Gemeinde im Emmental gerichtet. Der Grund: Innert elf Tagen finden gleich drei Schwingfeste statt. Den Auftakt macht das Oberaargauische, ehe am Samstag das Emmentalische und zum Abschluss am 11. August das Bernisch-Kantonale folgen.
Die dritte Titelverteidigung
Schwinger nehmen nicht jedes Jahr an exakt den gleichen Festen teil – dies liegt etwa daran, dass sie nicht jede Saison zu den Festen anderer Teilverbände eingeladen sind oder dass sie im eigenen Verband nicht immer bei den gleichen teilnehmen wollen. So kommt es oft vor, dass der Titelverteidiger nicht dabei ist. In Burgdorf ist das anders. Vorjahressieger Fabian Staudenmann tritt an und steigt als Topfavorit in die Zwilchhosen. Er wird dieser Rolle gerecht und holt sich den Festsieg, sein vierter in diesem Jahr. Und zum dritten Mal verteidigt er einen Titel. Denn auch das Oberländische und das Mittelländische hat er 2023 und 2024 gewonnen.
Die Nicht-Eidgenossen
Fabian Staudenmann wird von Anfang an seiner Favoritenrolle gerecht und liegt schon zur Halbzeit in Führung. Trotzdem reibt sich wohl der eine oder andere beim Blick auf die Mittags-Rangliste die Augen. Von den acht Schwingern, die auf den ersten drei Rängen liegen, sind nur drei Eidgenossen. Neben Staudenmann auch Matthias Aeschbacher und Philipp Roth. Daneben haben sich Severin Staub (2.; Kantonal- bzw. Gauverbandskranzer), sowie auf Platz 3 David Maurer (Nicht-Kranzer), Dominic Annen (Kantonal- bzw. Gauverbandskranzer) sowie Reto Thöni und Josias Wittwer (jeweils Teilverbands- oder Bergkranzer) ganz vorne klassiert. Und lassen so arrivierte Schwinger wie Domenic Schneider oder Curdin Orlik (zur Halbzeit auf dem 5. Platz) hinter sich.
Die Überraschung
Vier Kränze hat Severin Staub (21) zu Hause, als er an diesem Morgen nach Burgdorf reist: drei vom Bern-Jurassischen (2021, 2023 und 2024) und einen vom Seeländischen (2024). In Burgdorf zieht er einen sackstarken Tag ein. Er gewinnt seine ersten vier Gänge. Im 3. Gang jubelt er ausgelassen, nachdem er Eidgenosse Patrick Schenk aufs Kreuz gelegt hat. Im 4. Gang gelingt ihm gegen Reto Thöni ein herrlicher Konter zum Erfolg. Erst im 5. Gang wird er gestoppt. Er unterliegt Curdin Orlik und verpasst den Schlussgang. Am Ende wird er aber starker Zweiter und holt sein fünftes Eichenlaub.
Die Bedingungen
In Burgdorf spielt das Wetter verrückt. Während den Spitzenpaarungen des 1. Ganges öffnet Petrus die Schleusen. Der Regen wird zwischenzeitlich richtig stark. Und verschwindet dann so schnell wieder, wie er gekommen ist. Über den Mittag scheint die Sonne, es wird auch wärmer, Jacken und Pelerinen verschwinden. Und kommen Mitte Nachmittag wieder zum Einsatz, als erneut Regen einsetzt. Und wie! Es regnet derart in Strömen, dass man auf den Fernsehbildern nicht mehr viel erkennt. Einmal mehr müssen Schwinger wie Zuschauer beweisen, dass sie wetterfest sind. Immerhin: Als die Entscheidung naht, lässt der Regen wieder nach und der Schlussgang geht bei trockenen Bedingungen über die Bühne.
So gehts weiter
Nach dem Fest in Burgdorf ist vor dem Fest in Burgdorf. Am Samstag steigt in der gleichen Arena das Emmentalische Schwingfest.