Der Schlussgang
Die Favoritenrolle ist im Schlussgang klar verteilt. Alles andere als ein Sieg von Domenic Schneider (29) gegen Teenager Niklas Lötscher (vor vier Tagen 18 geworden) wäre eine faustdicke Überraschung. Und die bleibt aus. Gleich im ersten Zug macht Schneider alles klar und holt sich den Festsieg. Drei Sekunden dauert das einseitige Duell mit zwei Schwingern aus ganz unterschiedlichen Gewichtsklassen. Schneider bringt 145 Kilo auf die Waage, Lötscher gerade mal 85. Es ist der siebte Festsieg in Schneiders Karriere und der dritte nach 2015 und 2021 beim Glarner-Bündner. Für Lötscher gibts am Ende Rang 5 – und den ersten Kranz seiner Karriere.
Das Siegerinterview
Domenic Schneider gegenüber Swiss 1: «Ich konnte heute einen Super-Tag einziehen. Ich hatte das Glück, dass meine Konkurrenz Punkte hat liegen lassen. Es war klar, dass ich den Schlussgang gewinnen muss. Aber man weiss es nie, gestolpert ist jeder schon einmal. Lötscher hat sich mit dem 5. Gang den Schlussgang verdient und durfte dann gegen mich in die Hosen. Mal sehen, was wir nun machen. Wahrscheinlich essen wir hier noch etwas und dann schauen wir, wie es weiter geht.»
Der Titelverteidiger
Vor einem Jahr hat Samuel Giger (26) das Glarner-Bündner gewonnen – mit fünfmal Maximalnote 10,00 und einem gestellten Gang. Zur Titelverteidigung tritt der Unspunnen-Sieger nicht an. Er hat sich Mitte April am Toggenburger Verbandsschwingfest an der Schulter verletzt. Wann er in die Kranzfest-Saison starten wird, ist offen. Allerdings wäre selbst ein gesunder Giger nicht nach Glarus gereist. Denn das Fest taucht in seiner Saisonplanung nicht auf.
Die Niederlagen-Serie
Im 1. Gang steigen Domenic Schneider und Roger Rychen (32) gemeinsam ins Sägemehl. Für die beiden ist es das insgesamt neunte Aufeinandertreffen – und eines, das Rychen so gar nicht liegt. Der Glarner konnte dem Thurgauer einzig bei ihrer Premiere 2014 einen Gestellten abtrotzen. Danach hat er siebenmal in Folge verloren. Und kann die Serie auch in Glarus nicht stoppen. Zum achten Mal hintereinander wird er von Schneider aufs Kreuz gelegt.
Der junge Glarner
Nach vier Gängen träumen die Glarner von einem Einheimischen im Schlussgang. Patrik Feldmann führt punktgleich mit Domenic Schneider. Der 18-jährige Zimmermannlehrling zeigt bisher eine starke Saison. Beim Thurgauer Kantonalen Anfang Mai gewann er seinen ersten Kranz – und war damit der erste Glarner Neukranzer seit drei Jahren. Nun bestätigt er diese Leistung. Und das ist keine Selbstverständlichkeit, hat er doch die letzte Saison wegen einer Knieverletzung gepasst. Für den Schlussgang reichts nicht – weil er im 5. Gang von Domenic Schneider auf den Rücken gelegt wird. Am Ende gibts als Vierter den nächsten Kranz.
Das Kranzfest-Comeback
Vor rund drei Monaten brach sich Marcel Räbsamen (23) den Mittelfussknochen. Nun bestreitet er sein erstes Kranzfest in diesem Jahr. Und das mit einem Triumph im Rücken. Vor neun Tagen gewann er den Abendschwinget in Mörschwil SG. Daran kann er nicht ganz anknüpfen. Er reist als Sechster mit einem Kranz im Gepäck nach Hause.
Der Zaungast
Unter den zahlreichen Zuschauern ist auch eine der bekanntesten Glarnerinnen: Ex-Skistar Vreni Schneider (59). Sie ist begeistert von der Kulisse und der Stimmung und hat schon während ihrer Karriere das Schwingen mitverfolgt. «Ich bewundere vor allem das Bodenständige und die Fairness», sagt sie gegenüber Swiss 1. «Ich habe immer versucht, das in meine Karriere mitzunehmen, dass man fair miteinander umgeht, egal wie hart das Duell ist.» Nicht nur, weil das Fest in Glarus stattfindet, ist Schneider vor Ort. Sie tritt auch als Botschafterin des Eidgenössischen 2025 in Mollis auf. Eine Aufgabe, auf die sie stolz ist.
So gehts weiter
Am nächsten Wochenende gibts an beiden Tagen Schwing-Action. Am Samstag steigt das Oberländische und am Sonntag dann die beiden Kantonalen in St. Gallen und Uri.