«Das stört mich gewaltig»
König Wicki spricht vor Rigi-Klassiker Klartext

Wer hat ihn überzeugt? Was sorgt für Ärger? Und wie beurteilt er die bisherigen Auftritte seines Nachfolgers Armon Orlik? König Joel Wicki teilt seine Gedanken zur Schwing-Saison.
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Nicola AbtReporter Sport

Joel Wicki (29) ist seit gut einem halben Jahr Schwing-Rentner. Doch wer glaubt, der König habe mit dem Nationalsport abgeschlossen, irrt sich. «Ich studiere die Ranglisten jeweils ganz genau», erzählt der Luzerner. Vor dem Bergklassiker auf der Rigi zieht Wicki eine Bilanz der bisherigen Saison. 

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Michael Moser (oben) begeistert nicht nur die Schwingfans, sondern auch den König von 2022.
Foto: keystone-sda.ch

Zwei Schwinger hebt der Landwirt dabei besonders hervor. Zunächst spricht der König jedoch über ein Thema, das ihn ärgert. «Die überharte Gästeeinteilung stört mich gewaltig.» Beispiele dafür habe es in dieser Saison einige gegeben.

«Schade für die Zuschauer»

Da wäre zum einen der Auftritt von Samuel Giger am Luzerner Kantonalen. Der Thurgauer stellte im Anschwingen gegen Eidgenosse Sven Schurtenberger. Im dritten Gang bekam der Unspunnen-Sieger mit Samuel Schwyzer einen Verteidigungskünstler vorgesetzt.

Weil sich Schwyzer erfolgreich wehrte, fiel Giger schon zur Halbzeit aus dem Schlussgangrennen. «So nimmt man die Spannung aus dem Fest», moniert Wicki. «Das ist schade für die Zuschauer. Bis und mit dem vierten Gang sollte man den Gästen eine faire Chance geben.»

Für Wicki sind sie das Salz in der Suppe eines Schwingfests. Sie bereichern den Wettkampf nicht nur, sondern bringen auch Fans mit. Ein ähnliches Bild wie am Luzerner bot sich am Nordostschweizer Schwingfest.

Forderung nach attraktiveren Paarungen

Fabian Staudenmann musste vor dem Mittag gegen den bis dahin führenden Eidgenossen Domenic Schneider antreten. Der zweite Gestellte warf den Berner weit zurück. Im Gegensatz dazu bekamen die einheimischen Mitfavoriten deutlich leichtere Aufgaben zugeteilt. «Warum darf ein Gast nicht auch einmal ein Fest gewinnen?», fragt Wicki.

Der Schwingerkönig hat noch ein weiteres Anliegen. «Ich wünsche mir mehr Paarungen, bei denen beide Athleten schwingen wollen. Damit wäre auch den Zuschauern gedient, die attraktiven Sport sehen möchten.»

Gleichzeitig betont der König, dass die Einteilung anspruchsvoll sei. «Es ist schwierig, und teilweise gibt es auch Feste mit sehr ausgeglichenen Notenblättern.» Nicht der Fall war dies am Berner Kantonalen. Dort räumte Werner Schlegel einen starken Einheimischen nach dem anderen aus dem Weg.

Moser? «Er begeistert mich»

Der Toggenburger bodigte gleich vier Eidgenossen. «Das muss zuerst einmal jemand nachmachen», sagt Wicki. «Schade, dass er das Fest nicht gewonnen hat. Er hätte den Sieg verdient gehabt.» 

Für Wicki ist Schlegel denn auch einer von zwei Schwingern, die in dieser Saison herausragen. «Er und Michael Moser sind für mich aktuell die stärksten Schwinger. Sie sind den anderen einen Schritt voraus.»

Angesprochen auf das Supertalent aus dem Bernbiet gerät der König ins Schwärmen. «Mich begeistert, dass er immer angreift. Seine Kombinationen sind gewaltig. Er wirkt derzeit sehr locker und unbeschwert.» Für Wicki ist Moser auf der Rigi deshalb der Top-Favorit. 

Das Warten auf den Exploit

Mit Sinisha Lüscher wird ein weiteres Talent auf der Königin der Berge antreten. Die Einstellung des Nordwestschweizers gefällt Wicki. «Er hat ein riesiges Kämpferherz.» Zum endgültigen Durchbruch fehlt dem Bankkaufmann aber noch ein Exploit. «Es braucht einen Sieg gegen ein ganz grosses Kaliber. Das haben ihm Moser oder ein Schlegel voraus.»

Die nächste Chance dazu bietet sich Lüscher am Sonntag. Die Innerschweizer ihrerseits wollen auf der Rigi einen Gästesieg verhindern. «Sie haben Athleten, die zu vielem fähig sind. Ein Michael Moser in Top-Form kann aktuell jedoch alle bezwingen.» In die Zukunft geschaut, sieht Wicki aber viel Positives.

Ein mentales Problem im Wankdorf

Schwinger wie Luc Bissig, Lukas Bissig, Marc Lustenberger, Martin Schönbächler oder Samuel Schwyzer machen ihm Hoffnung. «Sie gefallen mir gut. In den nächsten Jahren werden sie noch einige Schritte vorwärtsmachen.» Bis sie aber das Niveau von Schwingern wie Moser oder Schlegel erreichen, wird es noch dauern.

Armon Orlik ist bereits ganz oben angekommen. Der Bündner gewann im vergangenen Spätsommer den Königstitel, erlebt als Titelträger bislang aber eine schwierige Saison. Besonders sein missglückter Auftritt am Berner Kantonalen sorgte für Schlagzeilen.

Wicki weiss, wie schwierig es ist, als König aufzutreten. «Du wirst vom Jäger zum Gejagten. Plötzlich wollen dich alle schlagen. Damit musst du zuerst klarkommen.» Die drei Niederlagen im Wankdorf kann sich Wicki nur so erklären: «Das war eine mentale Sache. Armon kann schwingen, das weiss jeder.»

Voller Fokus auf die Rigi

Gezeigt hat er das eine Woche später auf dem Weissenstein mit Rang 2. «Wie er dort zurückgeschlagen hat, war stark.» Orliks nächster Auftritt folgt in einer Woche beim Brünig-Schwinget – jenem Bergfest, das Wicki im vergangenen Jahr zum ersten Mal gewann.

Er wird das Spektakel aus der Distanz verfolgen. Zuvor richtet sich sein Blick aber auf die Rigi. Die Rangliste vom Sonntag wird Wicki einmal mehr ganz genau studieren.

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