Der Schlussgang
Joel Wicki weiss, er muss das Duell mit Matthias Aeschbacher für sich entscheiden, will er endlich auf dem Brünig triumphieren. Entsprechend entschlossen schreitet der König zur Tat. Ein erster Angriff läuft noch ins Leere. Dann setzt Wicki zu einem Wyberhaken an und legt Aeschbacher aufs Kreuz. Nur rund 45 Sekunden braucht er dafür. Damit feiert er den langersehnten ersten Brünig-Sieg.
Die Schlussrangliste
Die Siegerstimme
Joel Wicki: «Ich habe es mir schon oft gewünscht. Im vierten Anlauf hats jetzt geklappt. Ich bin unheimlich stolz, denn es ist nichts selbstverständlich. Ich habe so mit meinen Kameraden mitgefiebert. Wir haben ein sehr gutes Team, der Zusammenhalt ist sehr gut und ich mag jedem den Kranz gönnen. Dass ich den Sieg erreichen konnte, freut mich extrem. Ich wusste, mir reicht ein Gestellter nicht, ich muss angreifen und Gas geben. Das habe ich versucht und musste mit dem Wyberhaken viel Risiko nehmen. Den Sieg zu feiern, ist ein grosses Karriere-Ziel, das ich nun erreicht habe.»
Der besiegte Fluch
Joel Wicki will den Brünig-Sieg unbedingt. Denn er fehlt noch in seinem ohnehin schon eindrücklichen Palmarès. Mehrfach war der König nah dran. Er stand dreimal im Schlussgang. Aber dieser endete dreimal gestellt und dreimal war Wicki der erste Gratulant. Wiederholt sich die Geschichte in diesem Jahr? Denn erneut steht Wicki im Schlussgang. Und wieder würde seinem Gegner ein Gestellter reichen. Aber dieses Mal lässt es Wicki nicht so weit kommen. Entschlossen schreitet er zur Tat und braucht keine Minute, um seinen Gegner zu bodigen. Damit bricht er endlich seinen Brünig-Fluch.
Der Titelverteidiger
Im letzten Jahr standen sich im Schlussgang Pirmin Reichmuth und Joel Wicki gegenüber. Die beiden gingen über die volle Distanz. Dieses Resultat reichte Reichmuth, um das Fest nach 2019 zum zweiten Mal zu gewinnen. Beide stehen auch in diesem Jahr auf dem Brünig im Einsatz.
Die Absagen
Drei namhafte Absagen gibts unter der Woche für die Organisatoren. Sinisha Lüscher, der sich auf dem Weissenstein den Finger ausgerenkt hat, kann nicht in die Zwilchhosen steigen. Adrian Walther und Curdin Orlik müssen wegen einer Grippe forfait geben. Schon länger klar gewesen ist, dass Marcel Bieri den Brünig verpassen wird. Er laboriert an einer Oberschenkelverletzung.
Die Premiere
Der Brünig-Schwinget ist zwar schon das fünfte Bergfest in diesem Jahr, aber trotzdem gibts eine Premiere. Denn mit Joel Wicki bestreitet erstmals ein Innerschweizer den Schlussgang. Und er sichert seinem Teilverband auch gleich den Sieg.
Die ESAF-Schlussgang-Neuauflage
Das Schlussgang-Duell ist das zwölfte Aufeinandertreffen von Matthias Aeschbacher und Joel Wicki. Die Bilanz des Berners sieht alles andere als rosig aus. Erst zweimal konnte er Wicki bezwingen – 2014 und 2015, als der Sörenberger am Anfang seiner Karriere stand. Danach gab es nur noch einmal einen Gestellten – 2022 am Innerschweizer Schwingfest. Ansonsten hat sich jedes Mal Wicki durchgesetzt. Den wichtigsten Sieg feierte Wicki vor rund zwei Jahren, als er sich im ESAF-Schlussgang damit zum Schwingerkönig krönte. Und nun gelingt ihm ein weiterer Triumph gegen Aeschbacher, dank dem er einen ihm wichtigen Sieg einfährt.
Der König gegen das Talent
Beim Anschwingen kommts zum Duell zwischen König Joel Wicki und dem dreifachen Saisonsieger Michael Moser. Es ist das vierte Aufeinandertreffen der beiden, das zweite auf dem Brünig. Die Zuschauer hoffen auf Spektakel, denn beide sind offensive Schwinger. Doch diesem Ruf werden sie nicht gerecht. In den ersten vier Minuten neutralisieren sie sich über weite Strecken. Dann sorgt eine Moser-Aktion für Raunen im Publikum. Er greift mit Übersprung, Wicki kann sich erst im letzten Moment noch ausdrehen. Am Ende ist das die gefährlichste Aktion. Wie schon 2023 stellen die beiden auf dem Brünig. Die anderen beiden Duelle – 2023 am Oberaargauischen und 2024 am Seetaler Schwinget – hat Wicki für sich entschieden.
Die Verwirrung
Im 4. Gang sorgt der Kampfrichter beim Duell zwischen Adrian Odermatt und Fabian Stucki für Verwirrung. Als er die vermeintlich letzte Minute anzeigt, ist die SRF-Uhr – welche nicht die offizielle Zeit liefert, aber als Orientierung für die TV-Zuschauer dient – bereits abgelaufen. Prompt reagieren seine Kollegen am Tischchen. Er geht zu ihnen, sie diskutieren kurz. Dann wird der Kampf wieder aufgenommen – allerdings nur für ein paar Sekunden. Er endet gestellt, beide Schwinger bekommen Note 9,00. Und sorgt bei Odermatt für Kopfschütteln. Natürlich ist es alles andere als optimal, wenn die letzte Minute nicht angesagt wird. Schliesslich ist dies das Zeichen für die Schwinger, noch einmal alles für den Sieg zu versuchen. Aber Odermatt bleibt nichts anderes übrig, als das Ganze zu akzeptieren. Immerhin funktioniert die Zusammenarbeit des Kampfrichter-Trios einwandfrei.
Der Bild-Ausfall
Plötzlich sehen die Fernsehzuschauer schwarz. Kaum hat der 5. Gang begonnen, hat das SRF mit einer Störung zu kämpfen. Diese dauert zum Glück nur ein paar wenige Minuten. Schuld daran ist aber nicht der wieder einsetzende Regen auf dem Brünig, sondern ein heftiges Gewitter, das sich zu diesem Zeitpunkt über Zürich entlädt. Diese Erklärung liefert Kommentator Stefan Hofmänner, als das mit der Übertragung wieder klappt.
Das Stängeli
Am Dienstag hat Michael Moser seinen 20. Geburtstag gefeiert. Nun ist er kein Teenager mehr. Seine Unbekümmertheit, wenn er sich einem Eidgenossen gegenüber sieht, hat er damit aber nicht verloren. Denn auf dem Brünig bezwingt er Nummer 10 in dieser Kranzfest-Saison und macht so das Stängeli voll. Im 4. Gang legt er Joel Ambühl platt aufs Kreuz. Daneben hat er in diesem Jahr auch schon Patrick Gobeli, Christian Gerber, Severin Schwander, Samir Leuppi, Bernhard Kämpf, Fabian Staudenmann, Adrian Walther, Nick Alpiger und Domenic Schneider bezwungen. Gegen Staudenmann und Kämpf hat er sogar zweimal gewonnen.
Die Nummer 79
Niederlage gegen Bernhard Kämpf und ein Gestellter gegen Nicolas Zimmermann – der Start ins Fest ist Sven Schurtenberger alles andere als geglückt. Und trotzdem verlässt er den Brünig mit einem Lachen im Gesicht. Denn nach diesem Fehlstart dreht er auf und gewinnt viermal in Serie. Zum Abschluss gibts gegen Jan Wittwer die erste Maximalnote. Und damit sichert sich Schurtenberger seinen fünften Brünig-Kranz. Es ist der insgesamt 79. seiner Karriere.
Der Zaungast
Bis letzten Winter hat Stefan Abplanalp bei SRF die Skirennen als Experte begleitet. Nun hat er die Rolle wieder gewechselt und ist als Trainer der Speed-Frauen zu Swiss-Ski zurückgekehrt. Den Brünig-Schwinget lässt er sich als Berner Oberländer nicht entgehen. «Das gehört dazu und ist immer ein schöner Anlass – für Einheimische sowieso», sagt er ins SRF-Mikrofon. Er werde auch künftig schauen, dass dieser Sonntag im Trainingsplan frei bleibe. Ob sich die Skifahrerinnen auch fürs Schwingen interessieren? «Ja», verrät Abplanalp. «Zum Beispiel Jasmina Suter. Sie ist auch hier, ich habe sie am Morgen getroffen.»
Die Bedingungen
«Nachem Rägne, chunnts go schiffe, nachem Schiffe, da seichts, in der Schweiz …», sang einst Peach Weber. Es könnte das Motto für den Brünig-Schwinget sein. Denn es herrscht Huddelwetter. Zwar zeigt sich zwischendurch auch mal die Sonne, mehrheitlich ist es aber nass. Immer wieder sind die Schleusen so richtig offen und es regnet nicht nur etwas, sondern in Strömen. Auf dem Rasen um die Sägemehlringe herum bilden sich Tümpel, die Schwinger müssen je länger je mehr durch tiefen Matsch laufen. Aber sie trotzen den Bedingungen ebenso wie die Zuschauer. Denn die füllen schon frühmorgens die Ränge fast komplett. Und auch danach ist während den Gängen kaum einmal ein leerer Platz zu sehen.