Die Schlussgänge
Auf der Schwägalp ist der Schlussgang vorbei, kaum hat er angefangen. Obwohl Fabian Staudenmann auch ein Gestellter reicht, geht er gegen Lars Zaugg sofort in die Offensive. Und legt ihn nach elf Sekunden aufs Kreuz.
Deutlich länger dauerts in der Nordwestschweiz. Auch Nick Alpiger muss nicht gewinnen, tut es aber trotzdem. Nach achteinhalb Minuten legt er Lars Voggensperger auf den Rücken.
Die Siegerstimmen
Fabian Staudenmann: «Es ist sehr cool und bedeutet mir sehr viel. Ich wusste, ein Gestellter reicht. Aber ich habe gesehen, wie Lars heute geschwungen hat – sehr stark, ein Riesenkompliment. Beim ersten Griff habe ich mich wohl gefühlt und gedacht, wer nicht wagt der nicht gewinnt. Man leidet bisschen weniger wenn es so kurz dauert. Das Gefühl vor und während dem Schlussgang habe ich nicht so gerne, deswegen bin ich froh, hats nicht so lange gedauert.»
Nick Alpiger: «Es ist super. Ich trainiere seit einiger Zeit mit Lars. Er ist so eine Maschine, so ein Fighter. Ich muss mich beim Schwingklub Binningen bedanken, dass sie mich aufnehmen. Was ich heute zeigen konnte, ist auch wegen euch. Ich habe mit Lars immer harte Fights – in der Regel gewinnt er. Dieses Mal dachte ich alles oder nichts und konnte gewinnen.»
Die Schlussranglisten
Die Premiere
Vor dem Schlussgang ist klar: Beim Nordwestschweizer gibts einen Premierensieger. Entweder gewinnt Lars Voggensperger sein erstes Kranzfest überhaupt oder Nick Alpiger triumphiert erstmals bei seinem Teilverbandsfest. Letzteres tritt ein. Für Alpiger, der schon zweimal im NWS-Schlussgang stand, ein emotionaler Moment.
Der historische Sieg
Fabian Staudenmann feiert auf der Schwägalp den sechsten Festsieg in dieser Saison. Besonders beeindruckt: Es ist der fünfte Triumph in Serie. Letztmals wurde er Ende Juni am Nordostschweizer nicht als Sieger geschultert. Am Fusse des Säntis schreibt er auch noch ein Stück Schwing-Geschichte. Nach 2024 gewinnt er zum zweiten Mal auf der Schwägalp. Damit ist er der erste Nicht-Nordostschweizer, der mehr als einmal triumphiert. Im Siegerinterview darauf angesprochen meint er: «Das wusste ich nicht, aber das ist natürlich sehr cool – auch mit dem Stein, wo der Name drauf kommt. Das bedeutet mir sehr viel.»
Die Titelverteidiger
Letztes Jahr haben Marcel Räbsamen und Samuel Giger auf der Schwägalp gejubelt. Sie wären wohl zur Titelverteidigung angetreten – hätte ihnen die Verletzungshexe keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Räbsamen hat sich im Mai das Kreuzband gerissen und ist als Betreuer vor Ort. Giger laboriert seit Anfang Juni an einer Schulterverletzung. Am Nordwestschweizer triumphierte letztes Jahr Damian Ott. Er steigt an diesem Sonntag auf der Schwägalp in die Zwilchhosen.
Das Wiedersehen
Auf der Rigi standen sich Lars Zaugg und Fabian Staudenmann gegenüber – mit dem besseren Ende für letzteren. Nun gibts im Schlussgang auf der Schwägalp das Wiedersehen. Schlägt Zaugg dieses Mal zurück? Für ihn gehts um den ersten Festsieg seiner Karriere. Und der muss weiter warten. Innert weniger Sekunden liegt er auf dem Rücken. Im zwölften Duell mit Staudenmann ist es die zwölfte Niederlage.
Die Abwesenden
Samuel Giger ist mit sieben Triumphen der Rekordsieger auf der Schwägalp. Dieses Mal muss er das Fest auslassen. Er hat sich noch nicht genug von seiner Schulterverletzung erholt. Auch die Berner müssen eine kurzfristige Absage hinnehmen. Matthias Aeschbacher fehlt wegen eines Muskelfaserrisses.
Das SRF-Wirrwarr
Wer im Fernsehen Schwingen schaut, der weiss, dass oben eine Uhr für die Gangdauer eingeblendet wird. Diese dient als Referenz, zeigt nicht die effektive Gangdauer an. Dennoch sorgt das SRF damit für Verwirrung. Denn man geht davon aus, dass die Gangdauer im 5. Gang auf sieben Minuten erhöht wird und passt die Grafik entsprechend an. Doch dann beendet der Kampfrichter das Duell Armon Orlik gegen Michael Moser nach sechs Minuten. Hat er zu früh eingegriffen? Die Richter am Tischchen reagieren nicht – und plötzlich fragt man sich beim SRF, ob die Gangdauer überhaupt erhöht wurde. Vorsichtshalber geht man auf sechs Minuten zurück. Ein Kampfrichter sagt gegenüber Blick, dass sie nichts wussten von einer Erhöhung auf sieben Minuten. Der Fehler liegt beim SRF.
Der strittige Entscheid
Armon Orlik müht sich im 4. Gang gegen Remo Rutsch ab. Egal was er probiert, der König findet das richtige Rezept nicht. In der Schlussphase hat er den Berner am Boden, Rutsch wehrt sich nach Kräften über die Brücke – bis der Kampfrichter das Resultat gibt. Nur: Das war wohl eher keines, Rutsch war nicht weit genug unten. Ein strittiger Entscheid. Orlik hat Glück, er hätte sich nicht beklagen dürfen, hätte er da den Sieg nicht bekommen.
Der verpasste Kranz
Achtmal hat Domenic Schneider die Schwägalp schon mit einem Kranz verlassen. Eichenlaub Nummer 9 kommt in diesem Jahr nicht dazu. Er stellt zum Auftakt, verliert vor der Mittagspause gegen den späteren Schlussgänger Lars Zaugg. Da am Nachmittag zwei weitere Gestellte folgen, verpasst er die Kranzränge.
Der perfekte Morgen
Joel Strebel zeigt am Nordwestschweizer einen beeindruckenden Auftritt. Die ersten vier Gänge gewinnt er allesamt mit der Maximalnote. Der Schlussgang ist zum Greifen nah. Doch er verpasst ihn. Weil er im 5. Gang nicht mehr siegreich ist, sondern von Lars Voggensperger platt aufs Kreuz gelegt wird. Dieser schnappt ihm damit das Schlussgang-Ticket weg. Auch zum Abschluss landet Strebel noch einmal auf dem Rücken.
Das Warten auf den Bergkranz
Marco Good ist seit 2022 Eidgenosse. Etwas fehlt ihm aber noch in der Sammlung: ein Bergkranz. Das soll sich auf der Schwägalp endlich ändern. Im 6. Gang hat ers in den eigenen Händen. Mit einem Sieg ist ihm Eichenlaub sicher. Aber er kommt gegen Lario Kramer nicht über einen Gestellten hinaus. Und verpasst den Kranz um einen Viertelpunkt.
Der Heimsieg
Vor einem Jahr hat Damian Ott gewonnen, vor zwei Jahren war es Marcel Bieri. Nun jubeln die Nordwestschweizer wieder bei ihrem Teilverbandsfest – dank Nick Alpiger.
Das Déjà-vu
Fabian Staudenmann nimmt zum dritten Mal in seiner Karriere am Schwägalp-Schwinget teil. Und erlebt erneut ein Déjà-vu. Wie schon bei den ersten beiden Teilnahmen trifft er im 1. Gang auf Werner Schlegel. Und weil aller guten Dinge drei sind, gewinnt er auch das dritte Aufeinandertreffen auf der Schwägalp.
Berner Dominanz
Auf der Schwägalp geben die Berner von Anfang an den Tarif durch. Denn ab der ersten Rangliste ist immer mindestens einer von ihnen auf Platz 1 klassiert. Sie sind derart dominant, dass der Einteilung nichts anderes übrig bleibt, als ab dem 4. Gang auch Berner aufeinander loszulassen. Zweimal trifft es Staudenmann, der auch im Schlussgang auf einen Teamkollegen trifft, im 6. Gang bekommt dann auch Michael Moser einen Berner vorgesetzt. Am Ende belegen sie die Ränge 1 bis 3.
Der Abbruch
Werner Schlegel gelingt der Start ins Fest nicht. Er landet im 1. Gang auf der Schwägalp auf dem Rücken. Danach gibts zwei Plattwürfe, ehe er nach der Mittagspause nicht über einen Gestellten hinaus kommt. Danach tritt er nicht mehr an. Schlegel bricht das Fest ab. Die Gründe dafür sind bisher nicht bekannt.
Der Pechvogel
Christian Arnold ist aus Kanada angereist, um am Nordwestschweizer Schwingfest teilzunehmen. Und dann wird er im 1. Gang zum grossen Pechvogel. Er wird hochgehoben, versucht den Bodenkontakt wieder herzustellen und dann bekommt er die volle Wucht des Gegners zu spüren. Mit schmerzverzerrtem Gesicht bleibt er nach der Niederlage im Sägemehl liegen. Sanitäter eilen herbei, kümmern sich um ihn. Die Trage kommt nicht zum Einsatz, gestützt und humpelnd verlässt er den Platz. Das Publikum spendet aufmunternden Applaus.
Die Bedingungen
Auf der Schwägalp startet das Fest bei bewölktem Himmel, während beim Nordwestschweizer von Anfang an die Sonne scheint. Gegen Mittag wirds in Mümliswil bewölkter, Wind zieht auf. Auch auf der Schwägalp ändert das Wetter. Zwischenzeitlich kommen die Pelerinen zum Einsatz weils regnet.
So gehts weiter
Mit dem Schwägalp-Schwinget und dem Nordwestschweizer sind die letzten beiden Kranzfeste der Saison über die Bühne gegangen. Noch ist das Highlight ausstehend: der Kilchberger Schwinget am 5. September.