Das darf doch nicht wahr sein! Nach Marlen Reussers viertem Platz im WM-Strassenrennen ist auch Mauro Schmid (26) unterwegs zu einer Medaille. Vier Kilometer vor dem Ziel wuchtet der Zürcher die letzte Steigung hoch, liegt auf Rang zwei. Er hat den richtigen Moment für die Attacke gewählt.
Doch hinter ihm wird reagiert. Schmid gibt alles, hat aber sein Pulver verschossen. Am Ende bleibt Rang elf, neun Sekunden fehlen zu Bronze. Ein bitterer Lohn? Vorwerfen muss sich der Zürcher nichts. Er hat genau das gemacht, was er angekündigt hatte: aggressiv fahren. Lange ist er im Rennen kaum zu sehen. Doch je länger es dauert, desto stärker wird er.
Im SRF sagt er: «Wir wussten, dass wir Aussenseiter waren. Aber jeder Einzelne hat alles für das Team gegeben. Sieben oder acht Runden vor Schluss hatte ich Mühe, musste mein Tempo fahren. Aber ich gab nie auf.» Und er hat unvermittelt die Chance aufs Podest. «Ich musste etwas probieren, hatte Krämpfe. Leider wurde ich eingeholt.»
Kranker Hirschi muss aufgeben
Als einziger weiterer Schweizer kommt Stefan Küng (32) ins Ziel. Er kämpft stundenlang wie ein Löwe und wird 14. Die anderen geben früh auf: Stefan Bissegger (28) und Fabio Christen (24), nachdem sie vorne Tempo gemacht haben. Jan Christen (22) und Marc Hirschi (28) sind kaum einmal zu sehen. Hirschi sagt: «Ich war etwas krank, hatte die Beine nicht. Ich war nicht gut genug.»
Gold geht an Brandon McNulty (28, USA). Er gewinnt solo – eine Überraschung, eine Sensation gar. Unter Tränen sagt er: «Ich weiss gar nicht, was ich sagen soll. In der letzten Steigung war ich am Sterben, aber ich habe weitergemacht. Das ist ein Wunder.»
Speziell: Das Regenbogentrikot bleibt damit bei UAE Emirates – trotz der Absenz von Rad-Superstar Tadej Pogacar (28, Slo). Im Ziel flippt der Tessiner Ex-Profi und UAE-Manager Mauro Gianetti vor Freude aus und herzt McNulty.
13 Sekunden hinter ihm sprintet Michael Matthews (36, Aus) zu Silber, Mathieu van der Poel (31, Ho) holt Bronze. Der meistgenannte Favorit, Remco Evenepoel (26, Be), schwächelt immer wieder und wird hinter Schmid Zwölfter.
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