Ein schwerer Sturz, Behandlungsfehler und ein vermeintlich letztes Telefon mit seiner Partnerin: Was Radprofi Damien Touzé im Februar auf der vierten Etappe der Tour of Oman erlebte, ähnelt einem Horrortrip.
«Die Teamärztin war ehrlich zu mir, dass ich vielleicht nie wieder aufwachen würde», erzählt der 29-jährige Franzose zwei Monate nach seinem Rennunfall in einem Gespräch mit der französischen «L'Équipe» vom Moment, als er sich im Oman einer Operation wegen eines Milzrisses unterziehen musste. Sie habe ihm deshalb geraten, vor dem Eingriff noch seine Freundin anzurufen. «Also nahm ich mein Telefon und verabschiedete mich von ihr.»
Ein Schock für seine Partnerin, die gar nichts vom Sturz gewusst habe: «Er sagte zu mir: ‹Ich werde sterben. Sag unserem Kind, dass ich es liebe.›» Ehe sie selbst in den Nahen Osten reisen konnte, habe sie deshalb die schlimmste Nacht ihres Lebens durchlebt. «Ich begann zu glauben, dass ich mein Kind ganz allein grossziehen müsste», teilt sie ihre damaligen Gedanken mit «L'Équipe».
«Organe lagen direkt auf der Haut auf»
Mit ein Grund für Touzés Todesangst: die prekären medizinischen Verhältnisse vor Ort. Bei der ersten Anlaufstelle habe es nicht einmal ein Röntgengerät gehabt. «Dort konnten sie nichts tun, ausser ein paar Stiche am Oberschenkel zu nähen», erklärt er. Und auch im grösseren Spital hätten teils schockierende Bedingungen geherrscht. So habe ein Pfleger den Schnitt, durch den der Eiter in Touzés Bauch ablaufen sollte, einfach mit einer Schere vollzogen.
Nach seiner Rückkehr nach Europa sei dann festgestellt worden, dass die Ärzte im Oman die Bauchdecke nicht richtig geschlossen hätten. Touzé: «Meine Organe lagen direkt auf der Haut auf. Als sie mir also die Schere in den Bauch stachen, berührten sie die Organe, es waren Messerstiche.»
Mittlerweile hat Touzé wieder in seine Heimat an der belgisch-französischen Grenze zurückkehren können. Ob er auch den Weg zurück in den Sport findet, ist höchst fraglich. «Selbst wenn ich den Vertrag verlängere, werde ich bis im März keine Rennen fahren. Die Verträge werden immer früher unterschrieben und wenn ich das nur mache, um ins Feld zurückzukehren, aber das Niveau nicht habe... das wäre nett, aber würde nicht meinen Vorstellungen entsprechen», schätzt Touzé seine Situation ein. Vielleicht müsse er eine Entscheidung treffen, ohne zu wissen, ob er je wieder Radfahren könne.