Kopfsteinpflaster, platte Reifen, Defekte und Stürze – der Klassiker Paris-Roubaix hält auch bei seiner 123. Ausgabe, was er verspricht. Und der grosse Triumphator ist Wout van Aert (31). Der Belgier gewinnt das Rennen in der Hölle des Nordens zum ersten Mal und verhindert im Sprint den historischen Triumph von Tadej Pogacar (27).
Denn der Slowene wäre mit einem Sieg der vierte Rad-Profi in der Geschichte gewesen, der alle fünf Monumente (Mailand-Sanremo, Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Lombardei-Rundfahrt) mindestens einmal gewonnen hätte. Bislang gelang dieses Kunststück nur Eddy Merckx (80), Roger De Vlaemick (78) und Rik Van Looy (†90). Was Pogacars Sieg noch historischer gemacht hätte: Mit dem Sieg bei Paris-Roubaix hätte er alle fünf Monumente innerhalb von zwölf Monaten gewonnen.
Aber es bleibt beim Konjunktiv, Van Aert entscheidet das Duell für sich und gewinnt sein zweites Monument. Dieses verläuft für ihn und seinen Gegner Pogacar ähnlich. Nach rund 186 Kilometern haben beide einen Defekt und müssen das Velo wechseln – für Pogacar ist es sogar der zweite Zwischenfall. Schnell schliessen sie aber wieder zur Spitzengruppe, in der der Thurgauer Stefan Bissegger (27) über weite Strecken des Rennens mitfährt, auf.
Bissegger stark, van der Poel im Pech
Gut 50 Kilometer vor dem Ziel verschärft der Strassenweltmeister das Tempo, nur van Aert kann die Pace mitgehen. Da danach niemand mehr aufschliessen kann, kommts im Velodrom von Roubaix zum Sprint. Van Aert lauert und greift an, als sich Pogacar kurz umblickt. Das reicht zum Sieg.
Bissegger, der im Vorjahr Siebter wurde, fährt am Schluss auf den 8. Rang. Mitfavorit Mathieu van der Poel (31), der die letzten drei Ausgaben in der Hölle des Nordens gewonnen hat, hat bei Rennhälfte gleich zweimal Probleme mit seinem Velo und fällt weit zurück. Der Holländer holt zwar nochmals mächtig auf, ans Spitzenduo kommt er aber nicht mehr heran und wird Vierter.