Die Schlagzeile löst im ersten Moment vielleicht ein Schmunzeln aus. «Drohnen-Vorfall bei Training der Neuseeländerinnen», schreit ja auch nicht sofort nach Eklat. Das Beispiel der Schweizer Nati während der EM hat zudem gezeigt, wie sich so eine Drohne verirren kann und obwohl die Polizei eingeschaltet wird, unklar bleibt, woher die Drohne stammt.
Im Fall der Drohne, die am 22. Juli das Training der Neuseeländerinnen beobachtet hat, ist das nicht der Fall. Im Gegenteil: Mit jeder neuen Entwicklung wurde der Vorfall zum waschechten Spionage-Skandal.
Analyst und Co-Trainerin müssen abreisen
Nachdem das neuseeländische Olympia-Komitee den Vorfall gemeldet hatte, reagierte die kanadische Seite umgehend mit einer Entschuldigung und sprach davon, dass der Bediener der Drohne ein «nicht akkreditiertes Mitglied des kanadischen Fussballteams» gewesen sei. In einem zweiten Statement nach weiterer Untersuchung wird aber klar: Kanada versuchte, den Gegner systematisch auszuspionieren.
Neben dem Vorfall am 22. Juli wurde Neuseelands Training bereits am 19. Juli von einer Drohne aufgenommen. Joseph Lombardi, ein Analyst im Team, habe der Assistenztrainerin Jasmine Mander Bericht erstattet. Beide Personen wurden umgehend nach Hause geschickt.
«Sportsgeist soll gewahrt werden»
Als weitere Konsequenz hat die kanadische Cheftrainerin Bev Priestman angekündigt, dem Spiel gegen Neuseeland fernzubleiben. Sie sei letztendlich für das Verhalten ihres Teams verantwortlich und habe sich, «um den Sportsgeist» für das Spiel gegen Neuseeland zu wahren, freiwillig zu diesem Schritt entschieden. «Ich entschuldige mich im Namen unseres Teams. Das repräsentiert nicht die Werte, für die unser Team steht», wird Priestman in der Mitteilung zitiert.
Ausserdem wird der ganze Staff der kanadischen Mannschaft ein obligatorisches «Ethik-Training» absolvieren müssen.
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