Darum gehts
- Chiara Bättig fährt beim F4-Finale in Brands Hatch dreimal in die Top 10
- Teamchefs ehren die Red-Bull-Juniorin mit dem Jake-Cook-Award
- Nach Gesamtrang 13 dürfte Red Bull 2027 weiter auf sie setzen
Ihre erste Saison in der britischen Formel 4 endet für Nachwuchs-Rennfahrerin Chiara Bättig (16) in Brands Hatch mit drei Top-Ten-Fahrten. Bestes Ergebnis beim Finale: Rang 6 am Sonntag. Eine Trophäe gibts für Bättig nach ihrer ersten Saison als Juniorin von F1-Team Red Bull Racing aber dennoch.
Der Grund: Das Talent aus Wettswil am Albis ZH bekommt den Jake Cook Memorial Award. Das ist eine Auszeichnung, die es nur in England gibt. Und zwar aus einem traurigen Grund. Der namensstiftende Brite Jake Cook (†30) war selber ein talentierter Nachwuchsrennfahrer, der den ganz grossen Sprung aber nicht schaffte und stattdessen als Fahrer-Coach der Formel 4 treu blieb – bis zu seinem tragischen Tod vor drei Jahren.
Der tragische Hintergrund des Awards ist ein Todesfall
Cook litt an Depressionen, er hinterliess seine Frau und zwei Kinder. Cooks Frau heisst Eve Lake-Grange, sie hat ebenfalls Benzin im Blut und arbeitet bis heute in der Rennorganisation der britischen Formel 4 mit.
Auf ihre Initiative hin führte die Junioren-Serie ab 2024 dann in Gedenken an ihren viel zu früh verstorbenen Ehemann den Jake Cook Memorial Award ein. Wer ihn gewinnt, bestimmen alle Teamchefs gemeinsam. Die Kriterien? Der Preis geht an einen Piloten oder eine Pilotin, der oder die im Laufe der Meisterschaft grosse Fortschritte zeigte, der oder die auch in schwierigen Situationen Reife bewies und der oder die den Gegnern gegenüber auf und neben der Strecke respektvoll begegnet ist – die Teamchefs wählten Bättig.
Die Red-Bull-Juniorin erhielt die Auszeichnung aus den Händen von Cooks Witwe. Es ist eine sehr emotionale Zeremonie. Lake-Grange: «Es bedeutet mir sehr viel, dass ich hier in diesem Fahrerlager, wo er so viele schöne Momente erleben durfte, über Jakes Leben sprechen darf.»
Bättig ist die dritte Trägerin dieses Awards. «Chiara hat den Award absolut verdient. Es war sehr bewegend zu sehen, wie aufrichtig dankbar sie für die Auszeichnung war», sagte die Ehefrau gerührt.
Bättig selber sagt: «Eine riesige Ehre!» Für sie ist der Award nicht zuletzt ein sichtbares Zeichen, dass ihre Auftritte im äusserst kompetitiven F4-Feld voller junger Wilden von den Insidern registriert worden sind. Das Bullen-Talent fuhr in ihrem ersten Jahr in England zweimal aufs Podest und holt unter 46 Fahrerinnen und Fahrern Platz 13 in der Abschlusstabelle. Dazu kommt ihr viel beachteter Gastauftritt in der Frauen-Serie F1 Academy in Silverstone, wo sie die Pole-Position holte und im Rennen Zweite wurde.
Der neue F4-Meister gilt als künftiger F1-Pilot von McLaren
Die grosse Frage nun: Wie sehr sind die Red-Bull-Bosse vom Premierenjahr der einzigen Frau in ihrem Nachwuchsprogramm beeindruckt? Das F4-Debüt der dreifachen Schweizer Kart-Meisterin war mehr als beachtlich, sie wurde von den 21 F4-Neulingen im Feld Viertbeste. Aber handkehrum fällt der Vergleich mit Dries van Langendonck (Bel, 16) gnadenlos aus. Der gleich alte McLaren-Junior holte souverän den Meistertitel, er gilt als Ausnahmetalent mit vorgezeichnetem Weg in die F1.
Aber im Fahrerlager gilt es als fix: Red Bull setzt auch 2027 auf Bättig, sie wird weiterhin Formel 4 fahren.