Und wieder eine Absage. Der Asian Cup im Fussball wird um ein Jahr verschoben. Nun startet der in Saudi-Arabien geplante Grossanlass – der Asian Cup ist die Fussball-EM für Asien – erst am 23. Dezember 2027.
Wieder eine Verschiebung im Krisenherd Naher Osten. Zuletzt zog auch die Rallye Dakar die Reissleine. Statt im Januar durch die saudischen Wüsten zu rasen, findet die Etappen-Rallye nun kurzfristig in Portugal und Marokko statt.
Im Tennis soll das hochdotierte Einladungsturnier Six Kings Slam mit den besten Spielern der Welt nun Ende dieses Jahr stattfinden statt wie geplant Ende Oktober – so schlug Superstar Novak Djokovic in Basel statt in Saudi-Arabien auf.
Swiss Cycling entschied sich früh gegen Saudi-Trip
Aber auch kleinere Veranstaltungen sind betroffen. Im Radsport hätte vom 3. bis 7. November die WM für BMX Freestyle und Trial in der Saudi-Hauptstadt Riad stattfinden sollen. Ersatzlos gestrichen. Aus der Schweiz hätte es aber ohnehin keine Delegation gegeben. Swiss Cycling entschied bereits im August, kein offizielles WM-Team zu entsenden. Ein Sprecher zu Blick: «Insbesondere aufgrund der volatilen Sicherheitslage konnten wir diese Verantwortung nicht übernehmen.»
Spätestens Mitte Oktober bekam Swiss Cycling auf traurige Weise recht, als bei einem Angriff auf den Flughafen von Riad zwölf Menschen ums Leben kamen.
Die Lage am Golf ist hochbrisant. Der Formel-1-GP des Golf-Emirats Bahrain wurde im Oktober in Malaysia ausgetragen.
Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Anfang Jahr beherrscht die unsichere Lage auch den Sport. Diese Woche ist Katar im Brennpunkt. In der Töff-WM soll an diesem Wochenende der GP in Lusail nahe der Hauptstadt Doha stattfinden. Die Yamaha-Teams boykottieren das Rennen. Gar 19 von 22 MotoGP-Fahrern sprachen sich gegen das Rennen aus.
Doch die Promotoren beharren auf der Durchführung. Kommts gar am Freitag zu einem Streik? Nicht auszuschliessen. Aber es drohen Vertragsstrafen unklaren Ausmasses. Stand jetzt werden die Teams zähneknirschend und auf den spätestmöglichen Zeitpunkt anreisen. Im Fahrerlager gibts viel Unbehagen.
Eskalation im Töff vor dem Katar-GP – die Schützen-WM läuft ganz normal
Auch das deutsche Moto2-Team IntactGP um Tom Lüthi wird dabei sein. Der Berner ist Fahrer-Mentor von WM-Leader Manuel Gonzalez. Sportlich steht im drittletzten GP der Saison brutal viel auf dem Spiel. Lüthi lässt durchblicken, dass er auf die Reise nach Doha eigentlich gerne verzichten würde: «Es bleibt ein mulmiges Gefühl.»
Absolut bizarr ist aber: Während es im Töff-Tross fast stündlich weiter eskalieren kann, läuft seit dieser Woche und noch bis 14. November ebenfalls in Katar ein anderer Grossanlass ganz ohne Nebengeräusche. Die WM im Schiessen mit über 1000 Teilnehmenden. Verrückt: Die riesige Shooting-Ranch und die Töff-Rennstrecke liegen nur 2,5 km auseinander.
Bei den Schützen gehts neben WM-Medaillen auch um Olympia-Quotenplätze. Die Schweiz ist mit allen Stars vertreten, inklusive Olympiasiegerin Chiara Leone und den hochtalentierten Jäggi-Schwestern Vivien und Emely. Bei Swiss Shooting heisst es, dass im Vorfeld weder intern noch international die WM-Durchführung infrage gestellt worden sei.
Sprecher Philipp Ammann: «Wir haben die Reise in engem Austausch mit dem EDA, dem Weltverband und dem lokalen Organisationskomitee geplant. Zum Beispiel waren uns Direktflüge nach Doha wichtig.»
Das Bundesamt für auswärtige Angelegenheiten schränkt bei Katar-Reisen zwar ein: «Die Lage ist weiterhin angespannt. Eine rasche Verschlechterung der Sicherheitslage ist jederzeit möglich.» Im Gegensatz zu Saudi-Arabien rät das EDA aber von Reisen nach Katar nicht explizit ab. Die Schweizer Schützendelegation hat sich das Hotel und die Transporte in Doha selber organisiert, wie es auch die Töff-Teams machen. Die Stimmung an der Shooting-WM: Offenbar gut, die Wettkämpfe laufen wie geplant, die Lage präsentiert sich ruhig.
Ob das auch für die Formel 1 gilt? Am 29. November gastiert sie gemäss Rennkalender in Katar, am 6. Dezember in Abu Dhabi. Für das Finale spukt schon seit Monaten Imola als Ersatzort herum. Offiziell ist nichts.
Und mit welchem Gefühl reisen die besten Schweizer Segler an die SailGP-Events in Dubai (21./22. November) und eine Woche darauf in Abu Dhabi? Das Team stellte vor Tagen ein Statement in Aussicht. Geliefert wurde keines.