Darum gehts
- Loek Hartog rettet Ollie Millroy aus brennendem Auto in Shanghai
- 59 Sekunden zwischen Anhalten und Rettung entschieden über Leben und Tod
- Millroy überlebt mit mehreren Brüchen, Hartog plant Sicherheitsinitiative im Motorsport
Samstagnachmittag, 16.47 Uhr Ortszeit auf dem Shanghai International Circuit. Ein Moment, der das Leben des holländischen Rennfahrers Loek Hartog (23) auf einen Schlag verändern wird.
Beim Rennen der China GT wird der Ferrari des Briten Ollie Millroy (36) in einen Zweikampf verwickelt. Es kommt zu einem Feuerball, das Auto geht innert Sekunden in Flammen auf. «Ich wusste direkt, es ist ein gravierender Unfall und dass der Fahrer ohne Hilfe kaum aus dem Auto kommen wird», sagt Hartog genau eine Woche nach dem Unfall zu Blick. Der Holländer nimmt am 8. Lauf der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) teil und wird dabei immer wieder auf sein Wochenende in Shanghai angesprochen.
«Es war kein Gedanke, es war einfach ein Instinkt. Ich wusste, ich muss ihn irgendwie aus dem brennenden Auto befreien.» 59 Sekunden – so viel Zeit vergeht zwischen Hartogs Anhalten und dem Rausziehen des Briten aus dem brennenden Auto. Die Bilder gehen um die Welt. 59 Sekunden, die über Leben und Tod von Millroy entschieden haben.
Ein Held, der keiner sein will
Seither wird der Holländer weltweit als Held gefeiert. «Das ist schön zu hören, jedoch gilt der Dank eigentlich all den Leuten, die dafür sorgen, dass die Autos so gebaut sind.» Fünf gebrochene Rippen, ein Schlüsselbeinbruch, eine Lungenprellung sowie Verletzungen an Hand und Fingern – es sind Verletzungen, die problemlos verheilen werden. «Wenn Loek nicht gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben.» Das sind die Worte des Briten Millroy nach dem verheerenden Unfall.
«Dass Ollie keine schlimmeren Verletzungen davongetragen hat, zeigt, wie weit wir im Motorsport schon gekommen sind.» Während des Interviews wird schnell klar, dass ihn das weltweite Interesse wenig interessiert. «Ich bin derselbe Loek Hartog, der ich auch letzte Woche vor dem Unfall war. Ich hätte es genauso gemacht, wenn es auf der normalen Strasse passiert wäre.» Es sei wichtig, dass das Interesse nun der Sicherheit im Motorsport gelte und nicht ihm.
Jetzt will er den Motorsport verändern
Die neu gewonnene Aufmerksamkeit möchte er nutzen, um den Motorsport sicherer zu machen. «Ich möchte eine Non-Profit-Organisation gründen und Leute finden, um gemeinsam Lösungen zu finden, diesen Sport noch sicherer zu machen.»
59 Sekunden machten Loek Hartog zum Helden. Für ihn sind sie aber vor allem eine Erinnerung daran, dass im Motorsport nicht nur um Sekunden gefahren wird – manchmal entscheiden diese über ein Leben.