Darum gehts
- Nicole Koller reist mit minimalem Support zum Weltcupfinal in Lake Placid
- Kosten von 6000 bis 9000 Franken belasten die selbst organisierte Teilnahme stark
- Koller hofft auf Top-fünf-Platzierung und Unterstützung durch Velogemeinschaft vor Ort
Eine Woche vor dem Weltcupfinal in Lake Placid (USA) macht sich Nicole Koller (29) auf den Weg über den Atlantik. Die WM-Bronzemedaillengewinnerin reist nicht mit einem Team an, sondern mit einer zusammengewürfelten Gruppe aus Schweizer Athletinnen, der Nationaltrainerin Kathrin Stirnemann (36) und einem kanadischen Mechaniker. Die Reise organisiert sie weitgehend selbst. Im Gespräch mit Blick erklärt sie ihren Plan.
Airbnb statt Teambus
Nach dem abrupten Pleite-Aus ihres Teams Lapierre PXR Racing ist Koller für die letzten Rennen der Saison auf sich allein gestellt. Ganz allein ist sie aber nicht: Mehrere Athletinnen und Athleten haben sich zusammengeschlossen, um die Kosten zu teilen und gemeinsam Support zu organisieren.
Koller fliegt am Donnerstag mit Stirnemann nach Nordamerika. Im kanadischen Montreal treffen sie auf Anina Hutter (21) und Lea Huber (22). In Lake Placid im US-Bundesstaat New York teilen sie sich eine Airbnb-Wohnung. Für die Betreuung der Bikes kommt ein kanadischer Mechaniker dazu.
Auch auf die Solidarität der Mountainbike-Szene setzt Koller. «Die Velo-Community ist gross – oder besser gesagt: klein. Jeder, der mit einem europäischen Team in Amerika unterwegs ist, ist ein bisschen im gleichen Boot. Man kann nicht Unmengen Material über den Atlantik bringen. Wenn etwas fehlt, hilft man sich.»
Die Reise kostet Koller trotzdem viel Geld. Sie rechnet mit 6000 bis 9000 Franken – für Flüge, Unterkunft, Verpflegung, Transport, Material und den Mechaniker. Ihre Familie, die sie nach dem Team-Aus bereits unterstützt hat, bleibt diesmal in der Schweiz.
Lapierre-Bike bleibt
Immerhin muss Koller nicht auch noch auf ein neues Renn-Bike wechseln. Das Material ihres ehemaligen Teams steht den Athletinnen und Athleten weiterhin zur Verfügung. «Das ist für mich sehr wichtig, weil es eine grosse Umstellung gewesen wäre, für die letzten ein oder zwei Rennen noch auf ein anderes Velo wechseln zu müssen.»
Koller reist deshalb mit ihren Lapierre-Bikes und genügend Ersatzmaterial nach Lake Placid. Gleichzeitig hofft sie auf Unterstützung durch Hersteller und andere Teams vor Ort. Gerade grosse Komponentenhersteller seien in Nordamerika gut aufgestellt. «Wenn ich von diesen Sachen etwas brauchen würde, könnte ich sicher auch auf den Support vor Ort zählen. Die Mechaniker teilen wir uns sowieso.»
Rennrhythmus und Erholung
Auf den Weltcup in Utah verzichtete Koller nach ihrer WM-Bronzemedaille. Stattdessen fuhr sie Swiss-Cup-Rennen in Huttwil BE und Gränichen AG. «Ich wollte im Rennrhythmus bleiben», sagt sie im Interview mit Blick. Die Starts brachten zudem wichtige Punkte für die Weltrangliste.
Danach folgte eine Erholungsphase, ehe Koller in den vergangenen zehn Tagen ihren letzten grossen Trainingsblock der Saison absolvierte. «Das Training und vor allem die mentale Erholung standen im Vordergrund.» Trainiert hat sie mehrheitlich allein im Zürcher Oberland. Ihr Partner, ebenfalls Veloprofi, begleitete sie aber immer wieder auf dem Velo.
Auch mental hat Koller ihre Methoden. Seit mehreren Jahren arbeitet sie mit einer Mentaltrainerin. In der aktuellen Situation helfen ihr feste Auszeiten: ein Buch lesen, mit der Familie spazieren oder abends ein Spiel spielen. Ihr Favorit: Skyjo.
Nun folgt der letzte Auftritt der Saison. «Top fünf wäre sicher sehr schön», sagt Koller. Noch wichtiger sei aber, die Saison mit einem guten Gefühl abzuschliessen. «Im Vordergrund soll die gute Zeit stehen. Und mit einem guten Gefühl mich im Winter verabschieden können.» Und dann natürlich ein neues Team finden.