Darum gehts
- Angelica Moser erreicht am Mittwoch in Zürich Rang zwei
- Die Schweizerin überspringt 4,85 m und erzielt Saisonbestleistung
- 2000 Zuschauer bejubeln ihren Erfolg, darunter Freunde und Familie
Zehn Jahre lang ist Angelica Moser (28) angetreten. Zehn Jahre lang hat sie bei Weltklasse Zürich Anlauf genommen, ist abgehoben, hat gekämpft – und ist doch immer am Podest vorbeigeschrammt. Dreimal Platz vier. Immer nur ein kleiner Schritt fehlte.
Am Mittwochabend aber ist es endlich so weit. Moser fliegt am Zürcher Hauptbahnhof auf Rang zwei. Und der HB bebt.
Rund 2000 Zuschauerinnen und Zuschauer sind dabei, als die Zürcherin 4,85 m überspringt. Die Latte bleibt liegen. Saisonbestleistung. Als Moser landet, ist der Bahnhof längst kein Bahnhof mehr. Er ist ihre Arena. Ihr Name schallt durch die Halle, Freunde und Familie jubeln von der Tribüne.
«Es bedeutet mir extrem viel, vor Heimpublikum zu springen», sagt Moser später überglücklich. «Ich schaue auf die Tribüne und kenne jeden Zweiten. Das ist unbeschreiblich.»
Nur eine kann Moser an diesem Abend noch überflügeln: Hana Moll. Die 21-jährige US-Amerikanerin, die Moser bereits fünf Tage zuvor in Lausanne geschlagen hat, setzt noch einen drauf. Im ersten Versuch überquert sie 4,90 m – persönliche Bestleistung. Dahinter teilen sich die US-Amerikanerinnen Sandi Morris (34) und Katie Moon (35) mit 4,75 m Rang drei.
Mosers beeindruckende Konstanz
Für Moser aber ist dieser zweite Platz der eigentliche Befreiungsschlag. Nach zehn Jahren Weltklasse Zürich ist der Bann gebrochen. Und das ausgerechnet in einer Saison, in der sie ohnehin eine unglaubliche Konstanz zeigt: sechs Diamond-League-Starts, sechsmal auf dem Podest. Dazu die erfolgreiche Verteidigung ihres EM-Titels.
Doch hinter diesem Abend liegt eine Woche, die kaum gegensätzlicher hätte sein können. Erst das Mega-Hoch in Birmingham, wo Moser erneut Europameisterin wurde. Dann der tiefe Einschnitt: Moser verlor ihre Grossmutter.
«Es ging alles drunter und drüber»
«Das Heimpublikum war heute sehr wichtig. Nach einer EM ist die Batterie immer ein bisschen leer. Und letzte Woche war sowieso schwierig, weil ich mein Grossmami verloren habe. Es ging alles drunter und drüber», erzählt Moser ehrlich. Schon in Lausanne sprang sie wenige Tage später auf Rang zwei – und sagte damals, sie sei stolz, überhaupt angetreten zu sein.
Nun steht sie wieder auf einem Podest. Diesmal in Zürich. Vor ihrer Familie. Vor ihren Freunden. Vor einem Publikum, das bei jedem ihrer Sprünge mitfliegt. Und irgendwo ist auch ihr Grossmami dabei. Moser wischt den Gedanken nicht weg. Im Gegenteil. «Sie ist immer mit dabei. Sie war immer mein grösster Fan. Sie wird immer mit dabei sein.»