Darum gehts
- Alex Wilson, Schweizer Sprinter, lehnte Angebot der Enhanced Games ab
- Trotz lukrativer Verträge wollte er keine Doping-Substanzen spritzen
- Wilson, 36, für zehn Jahre gesperrt, hält Schweizer Sprintrekorde
Die Leichtathletik war eine Vorreiterin. Der Weltverband World Athletics war 1928 der erste internationale Sportverband, der Doping offiziell verboten hat. 1988 kam es zum ersten grossen Dopingskandal, als der Kanadier Ben Johnson im Olympia-Finale in Seoul positiv auf ein Steroid getestet wurde, als er den US-Amerikaner Carl Lewis über 100 Meter schlug. Der schnellste Mann der Welt hatte gedopt!
Aus Schweizer Sicht dürfte auch der Sommer 2021 in Erinnerung bleiben. Kurz vor den Olympischen Spielen in Tokio wurden innerhalb weniger Wochen gleich zwei Athleten wegen Dopings von Olympia ausgeschlossen: Hürdenläufer Kariem Hussein (heute 37) und Sprinter Alex Wilson (36).
Dopingsünder an den Dopingspielen?
Wilson ist bis heute Schweizer Rekordhalter über 100 und 200 Meter. Die Rekorde wird er nicht mehr selber unterbieten können, 2022 wurde er zuerst für vier, 2025 dann für zehn weitere Jahre wegen Dopings gesperrt. Wilson bestreitet bis heute, bewusst gedopt zu haben. Was er aber Blick gegenüber nicht bestreitet, ist, dass er kurz davor war, bewusst zu dopen. Denn kurz nach Verkündung der ersten Sperre 2022 wurde er von der Firma Enhanced angeschrieben.
Enhanced ist der Veranstalter der umstrittenen Enhanced Games, die am Wochenende in Las Vegas stattfinden. Ein verurteilter Dopingsünder an den Dopingspielen? Passt doch eigentlich ganz gut. Zumal das Angebot der Enhanced Games lukrativ ist. Keiner der Athleten möchte öffentlich über konkrete Zahlen sprechen, aber ein Zwei-Jahres-Vertrag inklusive Wettkampfprämien machen die Athletinnen und Athleten wohl zu Millionären.
Keine Lust auf Training mehr
Doch Wilson lehnte das Angebot ab. «Ich konnte das nicht mit meinem Herzen vereinbaren», sagt der Schweizer am Telefon. Er habe es sich überlegt, die Verhandlungen sollen sich laut Wilson über ein halbes Jahr hingezogen haben. Das Geld sei verlockend. «Aber ich hätte ja auch was dafür tun müssen», sagt Wilson.
Konkret: Substanzen in den Körper spritzen, ohne zu wissen, was die Langzeitfolgen davon sind. «Ich will nicht mit 50 an einem Herzstillstand sterben.» Und der Sprinter hätte wieder trainieren müssen. «Ich bin jetzt 36 und habe keine Motivation mehr, wieder wie ein Leistungssportler zu trainieren.» Lust auf viele und intensive Trainings hatte Wilson schon während seiner aktiven Karriere nicht.
Enhanced Games und dann?
Die Enhanced Games werben mit der Idee des «Supermenschen», eines optimierten Athleten. Gerade weil die Athletinnen und Athleten leistungsfördernde Substanzen nehmen dürfen, gehen viele davon aus, dass es an den Wettkämpfen in Las Vegas Rekorde hageln wird – wenn auch unklar ist, was diese dann wert sind.
«Die Enhanced Games werden die Leichtathletik beeinflussen», sagt Wilson. Er glaube aber nicht, dass viele Rekorde gebrochen werden. «Ich glaube eher, dass keine Wunderzeiten gerannt oder geschwommen werden. Dann können sich die Leute überlegen, was das zu bedeuten hat.»