Steht an diesem Abend 100 Meter auf dem Programm, ist Mujinga Kambundji (32) ganz vorne mit dabei. Die Bernerin entzückt mit ihren Auftritten an der Athletissima in Lausanne die ausverkaufte Pontaise. Kambundji läuft in der Königsdisziplin auf Rang 3 ins Ziel, ein ganz starker Auftritt im Feld der Weltklasse-Gegnerinnen.
Doch Kambundji ist eben selber seit Jahren Weltklasse. Mit zwei 100-Meter-Finalteilnahmen an Olympia, die letzte vor zweieinhalb Wochen in Paris, lässt sie nun beim ersten Auftritt nach den Spielen einen weiteren Karriere-Meilenstein folgen. Der dritte Rang hinter Dina Asher-Smith (28, Gb) und Tamari Davis (21, USA) ist der erste 100-Meter-Podestplatz für Kambundji in der Diamond League. Über 200 Meter hatte sie dies schon geschafft. Aber in der Königsdistanz eben noch nicht.
Ihr Jahr wird immer glanzvoller
Ihre Olympia-Finalmitstreiterinnen Marie-Josée Ta Lou-Smith, Daryll Neita und Tia Clayton lässt Kambundji mit ihren 11,06 Sekunden allesamt hinter sich. Das Jahr, das für Kambundji nach der ausgelassenen Hallensaison eher bescheiden begann, wird mit EM-Gold, einem Olympia-Final und jetzt einer Diamond-League-Premiere immer glanzvoller.
Dabei habe sie sich nach dem Saisonhöhepunkt im Stade de France für Lausanne aufraffen müssen, wie Kambundji im TV schildert. «Es lief besser als gedacht. Ich habe zwar gemerkt, dass der Körper in Form ist, doch ein kleines bisschen Müdigkeit habe ich eben doch immer noch gespürt.»
Eine mentale Müdigkeit machte ihr nach der Rückreise aus Paris zu schaffen. «Olympia war eine ganze Woche Wettkampf, das beanspruchte das Nervensystem schon ziemlich. Ich war selbst dann noch müde, wenn ich eigentlich genug geschlafen habe, alles fühlte sich in letzter Zeit schwerer als sonst an», erklärt die Sprinterin.
Frage nach dem Rücktritt stellt sich weniger denn je
Doch Kambundji läuft an der Athletissima ihrer Olympia-Müdigkeit davon. Denn auch in der 4x100-Meter-Staffel am Schluss des Abends dreht sie nochmals auf, als Schlussläuferin setzt sie sogar die Siegerinnen aus Grossbritannien unter Druck. Rang 2 für die Schweiz. Noch ein Top-3-Ergebnis für Kambundji am selben Abend, auch wenn die Konkurrenz in der Staffel natürlich bei weitem nicht so hochkarätig war wie beim 100-Meter-Einzelstart.
Wer Kambundji auf der Pontaise laufen sieht, hinterfragt keine Sekunde, warum die Lichtgestalt der Schweizer Leichtathletik am Tag vor dem Start erklärt, dass sie womöglich bis zu den Spielen 2028 in Los Angeles weitermachen wird. Die Frage nach dem Rücktritt stellt sich nach dieser Saison weniger denn je.