Darum gehts
- Schweizer Frauenstaffel gewinnt Silber über 4x100 Meter in Birmingham
- Salomé Kora rettet trotz unsauberem Wechsel die Medaille ins Ziel
- Zeit: 43,12 Sekunden – erste EM-Medaille der Schweizer Frauenstaffel
Endlich! Endlich klappt es für die Schweizer Sprinterinnen! Nach zweimal Rang vier an einer EM gibt es in Birmingham die langersehnte Medaille: Silber über 4x100 Meter! In 43,12 Sekunden sprinten Salomé Kora (32), Léonie Pointet (25), Géraldine Di Tizio-Frey (29) und Fabienne Hoenke (22) auf den zweiten Platz – die erste Schweizer EM-Medaille in der Geschichte der Frauenstaffel.
Und das, obwohl längst nicht alles nach Plan läuft. Vor allem der letzte Wechsel von Pointet auf Kora ist alles andere als sauber. Doch dann zeigt Kora, warum sie zu den schnellsten Schweizerinnen gehört: Sie zündet auf den letzten Metern und rettet Silber ins Ziel. Gold geht an Grossbritannien, Bronze an Polen. Für das Quartett ist es der Lohn für viele Jahre Anlauf. Zweimal war es bereits Rang vier gewesen. Diesmal schreibt die Staffel Schweizer Leichtathletikgeschichte.
Nach dem Silber-Coup kämpft Kora im SRF-Interview mit den Tränen. Sie wird von den Emotionen überwältigt. «Es ist ein jahrelanger Druck, der abfällt. Die Emotionen sind gerade so fest hochgekommen – es ist so schön mit dieser Medaille. Ich musste eine Vollbremsung hinlegen, um noch im Rennen zu bleiben. Danach wollte ich es so fest und habe gedacht, ich müsse jetzt auch meinen Beitrag leisten», sagt sie.
Und Léonie Pointet fügt an: «In den letzten Jahren waren es immer Tränen der Trauer, nun sind es Tränen der Freude – es ist unglaublich. Salomé war plötzlich weit weg, dann habe ich «Stopp» geschrien. Zuerst habe ich gedacht, das wird nichts, aber dann habe ich gesehen, wie schnell sie war und doch noch Zweite geworden ist.»
Lobalu darf ebenfalls jubeln
Auch Dominic Lobalu (27) hat zugeschlagen! Zwei Jahre nach seinem Gold-Coup über 10’000 Meter in Rom läuft der Schweizer in Birmingham erneut aufs EM-Podest. Diesmal wird es Silber. Den Titel kann er zwar nicht verteidigen, dafür komplettiert Lobalu seinen persönlichen Medaillensatz. Nach Bronze über 5000 Meter und Gold über 10’000 Meter vor zwei Jahren ist nun auch Silber dabei.
Dieses Silber kommt zu einem Zeitpunkt, an dem hinter Lobalus Form einige Fragezeichen standen. Nach seinem Sieg in Monaco machten ihm körperliche Beschwerden zu schaffen. Beim Meeting in Luzern stieg Lobalu nach vier Runden vorsichtshalber aus, die Schweizer Meisterschaften liess er Ende Juli ganz aus. Auch bei dieser EM hatte der 27-Jährige zunächst einen Dämpfer kassiert: Über 5000 Meter wurde er Siebter. Nun die eindrückliche Antwort über die doppelte Distanz: 27:42,67 Minuten. «Ich habe mega Freude! Bin sehr zufrieden mit meinem zweiten Platz.»
Mit Gold hatte er diesmal allerdings nie etwas zu tun. Dafür sorgte ein entfesselter Andreas Almgren. Der Schwede überrundete gut vier Runden vor Schluss das komplette Feld und gewann in 27:23,25 Minuten mit Meisterschaftsrekord. Bronze holt Jimmy Gressier, Jonas Raess wird Achter.
Siebenkämpferin Annik Kälin (26) schrammt hingegen am Podest vorbei. Schon wieder Rang vier an einer Europameisterschaft: 2024 in Rom war es ebenfalls der undankbare vierte Platz. Dabei reiste Kälin dieses Jahr mit der Weltjahresbestleistung an. Ihre 6819 Punkte aus Ratingen bedeuteten Schweizer Rekord und die höchste Siebenkampf-Punktzahl der Welt in diesem Jahr. Nach sechs Disziplinen lag sie noch auf Medaillenkurs, doch im Speerwurf verlor sie entscheidend an Boden. 44,39 Meter reichten nicht. Gold geht an die Irin Kate O’Connor vor den Holländerinnen Emma Oosterwegel und Sofie Dokter. Kälin bleibt eine herausragende Saison – aber ohne EM-Medaille.