«Ditaji zieht mich mit»
Mujinga Kambundji profitiert beim Comeback von ihrer Schwester

Die Kambundji-Schwestern sind zurück auf der Bahn: Die ältere kehrt als frischgebackene Mutter zurück, die jüngere startete als Weltmeisterin in die neue Saison. Ihr Erfolgsrezept? Familie, Training und nie endende gegenseitige Unterstützung.
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Die Leichtathletinnen und Schwestern sind entspannt und effizient unterwegs: Hürdenläuferin Ditaji (l.) und Sprinterin Mujinga Kambundji.
Foto: Sven Thomann
Aurelia Robles, GlücksPost
Glückspost

Zwei Frauen, die nicht nur auf der Kurzstreckenbahn, sondern auch im Gespräch kaum zu bremsen sind: Mujinga (33) und Ditaji Kambundji (24) sprechen schnell, lachen viel – und wirken dabei total entspannt, obwohl sie zuvor wegen des Verkehrs pressieren mussten. Denn die beiden Schwestern lieben Effizienz!

Als Botschafterinnen des Schweizer Familienunternehmens Rausch sind die Spitzensportlerinnen mit ihrer unverkennbaren Lockenpracht nach Zürich gereist – aber nicht alleine. Vater Safuka (72) begleitet seine Töchter, und auch Mujingas Baby Léon (6 Monate) sitzt während des Gesprächs im Kinderwagen und brabbelt zufrieden vor sich hin. «Alles mit der Familie machen zu können, ist sehr gäbig», sagt Mujinga. Seit jeher sind die Kambundjis en famille unterwegs.

Gemeinsame Trainings

In ihren Disziplinen sind die beiden Leichtathletinnen Einzelkämpferinnen – und dabei äusserst erfolgreich: Mujinga ist die schnellste Frau der Schweiz und mehrfache Europa- und Hallenweltmeisterin; Ditaji aktuelle Weltmeisterin über 100-Meter-Hürden (erste Schweizer Titelträgerin in der Geschichte der Leichtathletik) und Europarekordhalterin in der Halle. Im Trainingsalltag aber sind sie seit 2021 vorwiegend gemeinsam unterwegs. «Das ist ein Luxus», sagt Ditaji. «Was wir erleben dürfen, ist extrem speziell – Sport auf diesem Niveau, die Trainings, die Wettkämpfe, und dann all dies mit jemandem aus der Familie teilen zu können.» Mujinga ergänzt: «Fürs Training müssen wir uns nicht motivieren, das ist für uns ganz natürlich. Aber zusammen ‹fägt’s› einfach mehr. Mir hilft es auch, pünktlich zu sein, wenn ich weiss, dass ‹Didi› auf mich wartet.»

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Bis zu ihrer Schwangerschaft war Sprinterin Mujinga diejenige, die mit Erfahrung und konstanter Steigerung leistungsmässig vorne lag. «Ich konnte Ditaji lange mitziehen», sagt sie. Nach der Geburt von Sohn Léon muss sie ihren Körper nun neu kennenlernen. Im Juni kehrt sie nach ihrer Babypause in den aktiven Wettkampf zurück. «Heute zieht Ditaji mich mit, was ich toll finde. Denn lange hatte ich keine andere Frau, die mich im Training fordern konnte.» – «Zu sehen, wie du nach der Schwangerschaft zurückgekommen bist und wie sich dein Körper verändert hat, beeindruckt mich.» Während ihre Schwester mit deren Lebenspartner und Trainer Florian Clivaz (31) eine eigene kleine Familie gründete, lief Hürdenläuferin Ditaji ihre beste Saison. «Erfolge sind das eine», sagt die Schweizer Sportlerin des Jahres 2025. «Aber Mujinga hat ihre Leistung nicht nur einmal gebracht, sondern über Jahre hinweg. Die Konstanz ist die eigentliche Kunst, das will ich auch erreichen.»

Eine für alle, alle für eine

Aufgewachsen sind Mujinga und Ditaji in Bern, als zweitälteste und jüngste von vier Schwestern und als Töchter einer Schweizerin und eines Kongolesen. Familie war dabei immer zentral. So sind Ditaji und Mujinga, wenn auch oft als Doppelpack anzutreffen, mit ihren anderen Schwestern, der Bobfahrerin Muswama (30) und der ausgebildeten Kantilehrerin Kaluanda (35), genauso eng verbunden. «Wir haben einen Video-Anruf-Chat namens ‹Sisters› und telefonieren jeden Tag miteinander», erzählt Ditaji. Mujinga lacht. «Ja, der Chat läutet mehrmals am Tag, und wer kann, nimmt teil. So wissen wir immer alles voneinander.» Die zehn Jahre Altersunterschied spielten dabei keine Rolle. «Wir stecken zwar nicht immer in der gleichen Lebensphase», sagt Ditaji, «aber meine drei älteren Schwestern haben immer versucht, mich mitzunehmen.» Mujinga erinnert sich: «Unsere Eltern haben das auch immer unterstützt. Familie, auch die erweiterte mit Tanten und Cousins, war immer sehr wichtig bei uns. Darum haben wir dieses Band von zu Hause mitbekommen.»

Training, Wettkämpfe, Familienanlässe und tägliche Telefonate: «Wir haben wirklich nie genug voneinander», sagt Ditaji und lacht. «Manchmal setzt sich jede von uns nach dem Training ins Auto und wir telefonieren noch.» Die beiden Leichtathletinnen unterstützen sich eben auch als Sportkolleginnen. Zu Saisonbeginn im Juni stehen nun wieder beide Kambundji-Schwestern am Start. Das erste Rennen für Mujinga steht noch an, Ditaji ist bereits ins Wettkampfjahr gestartet. Druck spüren sie, wenn überhaupt, dann nur von sich selbst. «Von aussen erhalten wir eher das Gefühl, dass die Leute uns gute Leistungen zutrauen, was schön ist», sagt Ditaji. Nicht zuletzt hilft auch die Familie, allfälligen Erfolgsdruck abzufedern. «Zu Hause wurden wir nie über unsere Leistung oder die Erfolge definiert», sagt Mujinga. «Die Familie ist unser sicherer Hafen. An Weihnachten spielt es keine Rolle, wer welche Medaille gewonnen hat.» Ditaji nickt. «Sport war immer schon ein Teil unseres Lebens, aber nie der wichtigste oder der, der uns definiert hat.»

In der Öffentlichkeit werden die Kambundji-Schwestern oft als Duo wahrgenommen. «Das empfinde ich als positiv. Wir können dennoch Individuen sein», sagt Ditaji und Mujinga fügt an: «Didi ist zum Beispiel auf Tiktok, ich nicht. Auch haben wir eigene Freundeskreise und kleiden und frisieren uns anders.» Bei Wettkämpfen zeigen sich diese Unterschiede in der Optik: Ditaji trägt ihr Haar gern streng nach hinten gekämmt, damit es ihr nicht ins Gesicht fällt. Mujinga bevorzugt es lockerer: «Seit ich Mutter bin, mache ich vermehrt einen Dutt und habe meine Haare bei Rennen auch halboffen getragen – so bin ich auch meine beste Zeit gerannt.»

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