Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne
Die professionellen Amateure vom Pilatus

Kriens schwebt sportlich auf einer Wolke. Die Kolumne von Felix Bingesser.
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Michael Winsauer mischt mit Kriens die Challenge League auf.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

Als sich der HC Kriens-Luzern im letzten Frühling den Meistertitel im Handball sichert, fährt der Teambus beim Fussballstadion vorbei. Dort sind die Fussballer des SC Kriens auf dem Weg zum Aufstieg in die Challenge League. Gemeinsam führen die beiden Teams auf der Strasse ein kleines Siegertänzchen auf.

Kriens reitet auf einer sportlichen Erfolgswelle. Die Handballer mit Trainer Andy Schmid sind das Mass der Dinge. Und die Fussballer mischen mittlerweile die Challenge League auf.

«Kriens findet Stadt», lautet der offizielle Slogan des Ortes. «Kriens findet Sportstadt», müsste es neu heissen.

Lange Zeit wollte das Dorf am Fusse des Pilatus, dieser schmucke Vorort von Luzern, keine Stadt sein. Seit 2018 ist das anders. Kriens, mit mittlerweile mehr als 30'000 Einwohnern, ist eine Stadt. Eine Sportstadt.

Dabei ist vor allem der jüngste Aufschwung des Fussballklubs bemerkenswert. Zwar hat der SC Kriens eine lange Tradition, hat Spieler wie Valentin Stocker hervorgebracht und war in den letzten Jahrzehnten immer wieder in der zweithöchsten Spielklasse. Die Rückkehr dorthin ist in der vergangenen Saison unter Trainer Michael Winsauer geglückt.

Einige Leistungsträger wie Torjäger Nando Toggenburger sind nach dem Aufstieg weg. Die Krienser, ausgestattet mit dem kleinsten Budget der Liga, haben junge Spieler dazugeholt.

Praktisch alle arbeiten oder studieren. Einen Profibetrieb gibt es nicht, trainiert wird viermal in der Woche um 18 Uhr. «Aber wir sind keine Feierabendfussballer. Wir arbeiten in professionellen Strukturen. Wer sagt denn, dass man morgens um zehn besser oder intensiver trainiert als am Abend?»

Winsauer hat viele junge, hungrige Schweizer im Team. «Sie müssen sich zum Klub bekennen. Wir holen keinen, der denkt, für die Super League reicht es nicht, dann gehe ich halt zu Kriens.» Die Tore werden vor dem Training gemeinsam aufs Feld getragen, die Trinkflaschen werden gemeinsam ausgewaschen, der Handygebrauch ist strikt geregelt. «Es muss Werte geben», sagt er dazu.

Winsauer predigt Physis und Intensität im Spiel. Kombiniert mit einem grossen Teamspirit ist das ein Erfolgsmodell, das den Klub bereits nach einem Viertel der Meisterschaft dem Saisonziel Ligaerhalt schon einen riesigen Schritt nähergebracht hat.

Der Tiroler Winsauer gehört zu den spannendsten Trainern im Land. Der Primarschullehrer, der immer noch in einem kleinen Pensum unterrichtet, hat bereits mit dem FC Baden den sofortigen Aufstieg in die Challenge League geschafft. Jetzt hat er den SC Kriens zum Höhenflug geführt.

Kernige Bergler hat der im Aargau lebende Winsauer, der mit der Schwester von Ciriaco Sforza verheiratet ist, in Kriens angetroffen. «Die Mentalität der Innerschweizer ähnelt der Mentalität der Tiroler.»

Einer seiner wichtigsten Spieler ist nach wie vor der 35-jährige Teamsenior Nico Siegrist. Siegrist, einst als grosses Stürmertalent gehandelt, arbeitet ebenfalls als Lehrer. «Er ist ein Instinktspieler. Vielleicht der letzte Strassenfussballer des Landes», sagt Winsauer zum «Shaqiri vom Pilatus.»

Im Rahmen seines Lehrganges zur Uefa-Prolizenz muss Winsauer bei einer fremden Sportart hospitieren. Es wird ein kurzer Weg zu den Handballern. 

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