Zwölf Schnitte für die WM
Bieler Barber frisiert die Nati-Stars

Bevor die Schweizer an der WM aufliefen, führte für viele Spieler der Weg zu Florian Emini. Der 23-jährige Barber aus Biel verpasste Granit Xhaka & Co. einen frischen Schnitt – und leistete so seinen eigenen Beitrag zum Auftritt in den USA und Kanada.
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Vanessa Nyfeler (Text), Kurt Reichenbach (Fotos)
Schweizer Illustrierte

Die Scheren liegen bereit, die Rasiermesser sind aufgereiht. Florian Emini steht in seinem Barbershop in Biel. Seine spektakulärsten Arbeitstage erlebte der 23-Jährige allerdings nicht hier, sondern Tausende Kilometer entfernt, im Teamhotel Fairmont Grand Del Mar in San Diego. Vor dem ersten WM-Spiel gegen Katar nahmen dort während fast neun Stunden zwölf Nati-Spieler auf seinem Barberstuhl Platz – darunter Granit Xhaka, Manuel Akanji und Breel Embolo.

Unter seinem Markennamen «2wavy.cuts» schneidet der 23-Jährige in seinem Bieler Salon Haare. Prominente Kunden filmt er dabei auch für seine Social-Media-Kanäle.
Foto: Kurt Reichenbach

Emini ist überzeugt: «Mit einem guten Haarschnitt spielt man besser Fussball!» Natürlich schiesst eine frische Frisur keine Tore. «Aber wenn du dich wohlfühlst, trittst du automatisch selbstbewusster auf und gehst anders auf den Platz.» Schliesslich stehen die Spieler vor Millionenpublikum, werden fotografiert, gefilmt und ständig beobachtet. «Da willst du einfach gut aussehen.»

Dass heute ausgerechnet er dafür verantwortlich ist, dass die Schweizer Fussballstars geschniegelt aufs Feld laufen, war nie der Plan. Innenverteidiger Aurèle Amenda (22), der wie Emini aus Biel stammt und mit dessen jüngerem Bruder Gentian aufgewachsen ist, vertraut seit Längerem auf Eminis Können. Später kam auch Ersatz-Goalie Yvon Mvogo (32) dazu.

Sein Herz schlägt für Fussball und Basketball. Einen Ehrenplatz im Zimmer hat das Trikot von Freund und Nati-Spieler Aurèle Amenda.
Foto: Kurt Reichenbach

Als Emini Ferien in Los Angeles plante und die Schweizer Nati gleichzeitig ihr WM-Hotel im nur zwei Autostunden entfernten San Diego bezog, schrieb er den beiden kurzerhand, dass er in der Nähe sei. Bald darauf klingelte sein Telefon. Extra eingeflogen wurde Emini dafür allerdings nicht, betont er. Da er mit leichtem Gepäck reiste, deckte er sich in San Diego mit zusätzlichem Equipment ein.

Eigentlich sollte Emini nur seine Stammkunden Aurèle Amenda und Yvon Mvogo frisieren. Doch Amenda teilte Eminis Kontakt im Gruppenchat der Nationalmannschaft und schon wollten zehn weitere Spieler einen Termin. Am selben Tag verpasste Emini auch Granit Xhaka, Manuel Akanji, Breel Embolo, Noah Okafor, Ardon Jashari, Rubén Vargas, Denis Zakaria, Dan Ndoye und Johan Manzambi einen frischen Schnitt.

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Obwohl Emini selbst begeisterter Fussballfan ist, blieb die Nervosität aus. «Ich konzentriere mich immer nur auf das, was ich kontrollieren kann. Und das ist der Haarschnitt.» Wer vor ihm sitze oder wie viele Millionen Menschen seine Arbeit später sehen würden, blende er bewusst aus. Eine Ausnahme gabs dennoch: «Granit Xhaka zu stylen, war natürlich der speziellste Moment. Er war schon als Kind mein Lieblingsspieler.» Umso mehr habe es ihn gefreut, wie unkompliziert der Nati-Captain gewesen sei. «Er war super entspannt, vertraute mir voll und ganz.» Xhaka beglückte Eminis Familie, die ebenfalls albanische Wurzeln hat und grosser Fan der Schweizer Nummer 10 ist, sogar mit einem spontanen Facetime-Anruf.

Die zweite Karriere

Genau solche Begegnungen seien es, die Florian Emini antreiben. «Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich Menschen treffe, die ich sonst nie kennenlernen würde.» Früher habe er selbst davon geträumt, Profisportler zu werden. Heute führt ihn sein Beruf zu seinen Idolen. «Mein absoluter Traumkunde wäre Basketballspieler Stephen Curry!»

Dabei wollte Emini gar nie Coiffeur werden. Seine grosse Leidenschaft galt dem Basketball. Nach der Berufsmaturität spielte er eine Saison professionell, ehe er sich für die Karriere als Barber entschied. Während der Corona-Pandemie griff er aus Langeweile zur Haarschneidemaschine. Freunde stellten sich als Versuchskaninchen zur Verfügung, Emini brachte sich das Handwerk mit Youtube-Videos selbst bei. Eine Ausbildung absolvierte er nie.

Vor zwei Jahren eröffnete Emini seinen eigenen Barbershop in Biel, finanziert aus eigener Tasche. Nur wenige Gehminuten vom Salon entfernt lebt er mit seinen Eltern Sejdija (53) und Afrodita (48) sowie seinen Brüdern Gentian (22) und Adnan (12).

Familie Emini jubelt auf Albanisch, Französisch und Englisch. Vater Sejdija, Florian, Adnan, Mutter Afrodita und Gentian (v.l.).
Foto: Kurt Reichenbach

Während der WM versammelte sich die Familie Abend für Abend vor dem Fernseher. Als die Schweiz spielte, galt der Blick allerdings nicht nur dem Resultat, sondern auch den Frisuren der Spieler. «Zu wissen, dass ich fast die halbe Mannschaft frisiert hatte, war ein unglaubliches Gefühl. Ich schaute die ganze Zeit, ob die Frisuren noch sitzen», sagt Emini und lacht.

«Florian ist unser Star zu Hause», meint Vater Sejdija stolz. Emini lächelt verlegen. Berühmt zu sein, sei nie sein Ziel gewesen. «Erfolg bedeutet für mich, morgens aufzustehen und mich auf die Arbeit zu freuen.» Und er wolle der Erste sein, den Sportler anrufen, wenn sie in einer fremden Stadt einen Barber brauchen.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
3
6
9
2
Südafrika
Südafrika
3
-1
4
3
Südkorea
Südkorea
3
-1
3
4
Tschechien
Tschechien
3
-4
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
3
4
7
2
Kanada
Kanada
3
5
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
3
-1
4
4
Katar
Katar
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
3
6
7
2
Marokko
Marokko
3
3
7
3
Schottland
Schottland
3
-3
3
4
Haiti
Haiti
3
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
3
4
6
2
Australien
Australien
3
0
4
3
Paraguay
Paraguay
3
-2
4
4
Türkei
Türkei
3
-2
3
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
3
6
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
3
2
6
3
Ecuador
Ecuador
3
0
4
4
Curacao
Curacao
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
3
6
7
2
Japan
Japan
3
4
5
3
Schweden
Schweden
3
0
4
4
Tunesien
Tunesien
3
-10
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
3
4
5
2
Ägypten
Ägypten
3
2
5
3
Iran
Iran
3
0
3
4
Neuseeland
Neuseeland
3
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
3
5
7
2
Kap Verde
Kap Verde
3
0
3
3
Uruguay
Uruguay
3
-1
2
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
3
-4
2
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
3
8
9
2
Norwegen
Norwegen
3
1
6
3
Senegal
Senegal
3
2
3
4
Irak
Irak
3
-11
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
3
7
9
2
Österreich
Österreich
3
0
4
3
Algerien
Algerien
3
-2
4
4
Jordanien
Jordanien
3
-5
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
3
3
7
2
Portugal
Portugal
3
5
5
3
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
3
1
4
4
Usbekistan
Usbekistan
3
-9
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
3
4
7
2
Kroatien
Kroatien
3
0
6
3
Ghana
Ghana
3
0
4
4
Panama
Panama
3
-4
0
K.o.-Phase
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