Yakins Joker stechen
Sankt Johan! Manzambi knackt den Bosnien-Beton

Die Schweiz ist auf Sechzehntelfinal-Kurs. Das Yakin-Team gewinnt das zweite WM-Spiel gegen Bosnien 4:1. Lange wars ein Krampf.
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Mit einem letztendlich deutlichen 4:1-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina nimmt die Schweiz Kurs auf die K.o.-Phase.
Foto: Toto Marti

Das Spiel

Was ist das für ein Auftritt von Johan Manzambi! Nach der 1:1-Katarstrophe wurde er hart kritisiert, weil er defensiv nicht gut aussah. Aber jetzt zeigt er im Nervenduell gegen Bosnien, warum sein Marktwert in den letzten Monaten praktisch im Minutentakt in die Höhe geschnellt ist.

Rund 152 Sekunden ist er auf dem Feld, als er die Schweizer Nati erlöst. Eine schwach abgewehrte Flanke drischt er akrobatisch an Bosnien-Goalie Nikola Vasilj vorbei ins Tor. Welch eine Technik, welch ein Geniestreich in einem Moment, in dem die Partie in Richtung 0:0 zu entschlummern droht. 1:0 für die Schweiz in der 74. Minute. Es ist der Treffer, der die Tür zum Sechzehntelfinal weit öffnet.

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Nati-Trainer Murat Yakin wartet lange, bis er seine ersten Wechsel vornimmt. Bis zur 71. Minute. Aber dann bringt er genau das, was dieser Partie fehlt: einen Spieler mit Fantasie, einen, der das Tempo eines Spiels beschleunigen kann. Kurz: Johan Manzambi. Sein Pass ist es auch, der Breel Embolo so in Richtung Tor schickt, dass Tarik Muharemovic ihn in der 80. Minute nur noch mit einer Notbremse stoppen kann – Rot.

Und dann gelingt auch noch einem zweiten Einwechselspieler ein Tor. Ruben Vargas schafft, was er gegen Katar verpasst hat: ein Tor mit dem rechten Innenrist ins entfernte Eck. Am Ende zaubern Vargas und Manzambi sogar noch das 3:0 auf den Rasen.

Jubel auf der Schweizer Bank. Erlösung nach einem Spiel, das gut begonnen hat mit aktiven Schweizern. Mit einem Team, bei dem Yakin in der Startaufstellung zwei Änderungen vornimmt. Denis Zakaria und der spätere Torschütze Vargas erleben den Anpfiff auf der Bank. Für sie kommen Silvan Widmer und Fabian Rieder in die Startaufstellung.

Auch Bosniens Coach Sergej Barbarez bringt einen neuen Impuls. Starstürmer Edin Dzeko beginnt trotz seiner bereits 40 Jahre im Angriff. Dazu darf Teenager Kerim Alajbegovic (18) von Anfang an auf dem Flügel wirbeln.

Es sind die Schweizer, die mit ihrer neuen Startformation besser ins Spiel finden. Aber je länger die Partie dauert, umso langsamer wird ihr Spiel. Umso ängstlicher wirken die Schweizer auch.

Aber just, als die Bosnier sogar an einen Sieg zu glauben beginnen, wechselt Yakin. Und macht damit aus diesem Donnerstag in Los Angeles einen Schweizer Feiertag. Dass Ermin Mahmic in der Nachspielzeit noch der bosnische Ehrentreffer gelingt? Kann die Schweizer Party nicht trüben. Schliesslich darf Granit Xhaka in der 97. Minute noch einen nett gepfiffenen Penalty zum 4:1 verwandeln.

Die Tore

74. Minute, Johan Manzambi, 1:0. Nur ungefähr 152 Sekunden nach seiner Einwechslung macht sich Manzambi zum Erlöser der Nation. Der 20-Jährige steht nach einer Flanke des ebenfalls eingewechselten Ruben Vargas und einer missglückten Klärungsaktion von Bosnien-Verteidiger Amar Memic auf der Höhe des Penaltypunkts goldrichtig und schliesst direkt ab. Keeper Nikola Vasilj ist noch dran, kann die Schweizer Führung aber nicht verhindern.

84. Minute, Ruben Vargas, 2:0. Auch der zweite Joker sticht: Nach einer schönen Kombination legt Embolo quer auf den freistehenden Vargas. Dieser schiebt von innerhalb des Strafraums überlegt zum 2:0 ein und beruhigt damit die Schweizer Nerven.

90. Minute, Johan Manzambi, 3:0. Wieder klappt das Zusammenspiel zwischen Vargas und Manzambi hervorragend: Ersterer läuft sich auf der linken Seite frei und spielt den Ball in den Rücken der Abwehr, wo Manzambi lauert und den Deckel endgültig drauf macht.

90.+ 3 Minute, Ermin Mahmic, 3:1. Nach einem Eckball klärt Gregor Kobel mit der Faust nur bis zur Strafraumgrenze. Dort haut Mahmic einfach mal drauf – und erzielt sehenswert den Ehrentreffer für die Bosnier.

90.+ 6 Minute, Granit Xhaka, 4:1 (Penalty). Djibril Sow wird im gegnerischen Strafraum von Memic gefällt, woraufhin Schiri Pinheiro auf den Punkt zeigt. Captain Granit Xhaka übernimmt die Verantwortung und versenkt den Ball souverän in die untere rechte Torecke. Torhüter Vasilj ahnt die richtige Seite, ist aber chancenlos.

Der Beste

Er kommt, sieht und trifft: Als das Spiel bereits drohte zu kippen, als man das Gefühl bekam, dass die Bosnier den Sieg mehr wollen, kommt Johan Manzambi und erlöst die Nati nach rund 152 Sekunden auf dem Feld. Später lanciert er Breel Embolo herrlich, was zur Roten Karte gegen die Bosnier führt – und entscheidet das Spiel mit dem 3:0. Es ist genau dieser Impuls, den man von ihm erwartet und der ihn für die Schweiz derart wichtig machen kann.

Der Schlechteste

Tarik Muharemovic kommt Breel Embolo in der 80. Spielminute nicht hinterher und grätscht ihm in die Beine. Notbremse, Rote Karte und die spielentscheidende Szene. Danach kann Bosnien nicht mehr mithalten.

Das gab zu reden

Es sind rund 70 Minuten gespielt, als Bosnien erstmals zu einer richtig guten Chance kommt und Nati-Goalie Gregor Kobel prüft. Es wird richtig laut im Stadion, Bosnien-Trainer Barbarez macht die Fans heiss. Doch dann kommt die so umstrittene Trinkpause zum perfekten Zeitpunkt für die Schweizer.

Die Schiris

João Pedro Silva Pinheiro zeigt eine unauffällige Leistung, was für einen Schiedsrichter ein Kompliment ist. Der Portugiese agiert nur einmal unglücklich, als er bei einem Steilpass von Granit Xhaka in der Passlinie steht. Zeigt bei der Notbremse gegen Embolo sofort Rot.

Die Fans

Das Prachtsstadion in Los Angeles ist bei Anpfiff fest in bosnischer Hand. 30'000 bis 40'000 sorgen für eine fantastische Stimmung. Am Ende aber jubelt der Schweizer Fan-Block.

So gehts weiter

Zum Abschluss der Gruppenphase wartet auf die Schweiz ein Spiel gegen Co-Gastgeber Kanada. Dieses Duell in Vancouver steigt am kommenden Mittwoch um 21 Uhr MEZ. Bosnien trifft zeitgleich in Seattle auf Katar.

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