Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne
Der König wird zum Bettler

Die Siegerehrung als Spiegelbild dieser Fussball-WM. Die Kolumne von Felix Bingesser.
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Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Die XXL-WM ist Geschichte. Nach einer Endrunde wird auch immer gnadenlos abgerechnet. Weil auf der Wiese der Hoffnung viele Narren weiden, ist auch die Fallhöhe gross. 17 der 48 Trainer der Endrundenteilnehmer sind mittlerweile nicht mehr im Amt. Für wie viele Spieler die Nationalmannschaftskarriere zu Ende ist, wird man im Lauf der Zeit tröpfchenweise erfahren. 

Die grösste Erkenntnis: Lange Zeit sah es danach aus, als sei es das Turnier der Superstars. Messi, Mbappé, Haaland, Kane. Alle haben geliefert. Am Ende aber war die Mannschaft der Star. Das iberische Kollektiv holt den Titel. Sie sind jetzt Europameister, Olympiasieger, Weltmeister. Und auch die Frauen haben den WM-Titel geholt. Mehr Fussballdominanz geht nicht. 

Mannschaftliche Geschlossenheit ist das Credo der Stunde. Paris St-Germain hat die Champions League zweimal in Serie gewonnen, nachdem Messi, Mbappé und Neymar weg waren. 

Das Team als Star, dieser Gedanke müsste auch dem Weltfussballverband gefallen. Doch nach dem Triumph der Spanier führten sie diese Theorie gleich ad absurdum. Gianni Infantino und Donald Trump predigen den Teamgedanken, den Gemeinschaftssinn, das Verbindende der Völker auf dem grünen Rasen.

Bei der Siegerehrung aber war es vorbei mit dem Völkerverbindenden. 

Die zwei gestelzten Lackgockel degradierten die Präsidentin von Mexiko, den Präsidenten von Kanada und den König von Spanien zu Statisten. Die drei standen da wie bestellt und nicht abgeholt. Wie der Ministrant hinter dem Pfarrer, wie der Weibel hinter dem Bundesrat.

Medaillen verteilten nur die zwei Selbstdarsteller. Trump, der sich gegenüber Spanien schon mehrfach despektierlich und herablassend geäussert hat, hätte beispielsweise dem spanischen König die Übergabe der Medaille an den Captain und den Trainer der Spanier überlassen können. Als Zeichen der Versöhnung im Sinne des Sports, als kleine Wertschätzung. Aber so etwas kommt ihm und auch Infantino nicht in den Sinn. Ich, ich, ich. Die zwei selbst ernannten Könige lassen den einzigen König auf dem Podest als Bettler dastehen.

Und soll jetzt keiner sagen, das Protokoll der Fifa lasse hier keinen Spielraum. Protokolle haben die beiden noch nie interessiert.

Die Trumpisierung der Welt und die Amerikanisierung des Fussballs schreiten voran. Aber diese XXL-WM ist Geschichte. Und der Ausflug von Trump in die Welt des Fussballs ist vorbei. Er kann sich wieder seinem Lieblingshobby widmen. Der Zollpolitik.

Der Mann, der die WM-Bühne mit dem breitesten Lächeln verlässt, ist der kapverdische Torhüter Vozinha. Der 40-Jährige hat gegen den Weltmeister Spanien den Kasten reingehalten und auch die Argentinier in der regulären Spielzeit zur Verzweiflung gebracht. Und er hat seinen Marktwert im biblischen Fussballalter von 50'000 auf 500'000 Franken verzehnfacht. Stoff für seine Enkelkinder.

Und wir? Wir freuen uns auf die heimische Meisterschaft. Da kann sich jeder ein Ticket leisten. Es gibt keine Hydration Breaks, keine Pausenclowns, hoffentlich keine Schummeleien und Schlaumeiereien.

Einfach Fussball.

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