«Seine Rolle war undankbar»
Die berührende Geschichte des ersten schwarzen Nati-Spielers

Heute sind schwarze Nati-Spieler zum Glück längst nichts Aussergewöhnliches mehr. Das war früher noch ganz anders. Wie das Beispiel von Waymond Bardel 1951 zeigt. «Man nannte mich Neger», erzählte er einst.
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Waymond Bardel: 1951 bestritt er für die Schweizer Nati zwei Länderspiele.
Foto: Keystone

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Daniel LeuStv. Sportchef

Wer den Namen Waymond Bardel googelt, dem zeigt es als Erstes den englischen Wikipedia-Artikel an. Doch in den wenigen Sätzen, die dort über ihn stehen, ist so ziemlich alles falsch: sein Vorname, sein Todesdatum, sein Sterbeort. Und einen Eintrag auf Deutsch oder Französisch sucht man vergeblich. Es scheint so, als sei Waymond Bardel ein grosses Mysterium. Dabei hat er Fussball-Geschichte geschrieben, denn er war der erste Dunkelhäutige, der für die Schweizer Fussball-Nati auflief.

Die Spurensuche führt zu einem von Bardels Söhnen. Er möchte hier nicht namentlich erwähnt werden. Unter anderem, weil auch er schon Opfer von rassistischen Vorfällen wurde. Auf dem Esstisch sind Fotos und Unterlagen seines Vaters ausgebreitet.

Die fünf ersten schwarzen Spieler in unserer Nati

1. Waymond Bardel: 15. April 1951 (insgesamt 2 Nati-Spiele)
2. Philippe Douglas: 11. Oktober 1989 (insgesamt 1 Spiel)
3. Badile Lubamba: 2. September 2000 (insgesamt 2 Nati-Spiele)
4. Blaise Nkufo: 2. September 2000 (insgesamt 34 Nati-Spiele)
5. Johan Vonlanthen: 6. Juni 2004 (insgesamt 40 Nati-Spiele)

Philippe Douglas: Über 38 Jahre nach Bardel der zweite schwarze Nati-Spieler.
Eric Lafargue

1. Waymond Bardel: 15. April 1951 (insgesamt 2 Nati-Spiele)
2. Philippe Douglas: 11. Oktober 1989 (insgesamt 1 Spiel)
3. Badile Lubamba: 2. September 2000 (insgesamt 2 Nati-Spiele)
4. Blaise Nkufo: 2. September 2000 (insgesamt 34 Nati-Spiele)
5. Johan Vonlanthen: 6. Juni 2004 (insgesamt 40 Nati-Spiele)

Waymond Bardel wurde am 17. Dezember 1928 als Sohn eines Afroamerikaners (Waymond Samuel Rhodes) und einer Schweizerin (Virginie Marie Bardel) in Yverdon VD geboren. Sein Vater war Fahrer eines Verkaufsleiters beim amerikanischen Automobilhersteller Buick und deshalb aus beruflichen Gründen in der Schweiz. Im Hôtel Les Trois Couronnes in Vevey VD lernte er Virginie Marie kennen. Doch nach wenigen Jahren kehrte der Vater wieder nach Amerika zurück, weil er in den 1930er-Jahren als Schwarzer und Englischsprachiger keine Chance hatte, in der Umgebung von Yverdon eine Arbeit zu finden und sich zu integrieren.

Aus Waymond wurde plötzlich Raymond

Weil der Name Waymond häufig falsch ausgesprochen wurde, nannten ihn fast alle Raymond. Auch im Fussball. «Mein Vater begann mit 16 Jahren, für Concordia Yverdon zu spielen», erklärt sein Sohn, «1946 holte ihn Lausanne ins Team. Er trainierte viermal die Woche und spielte links im Mittelfeld. Seine Rolle war undankbar. Wenn die Mannschaft gut in Form war, fiel mein Vater weder positiv noch negativ auf. Verlor sie jedoch, dann wurden die Mittelfeldspieler kritisiert. Er erhielt Trikots, Shorts, Socken und Schuhe. Damals war Geld nicht die Hauptmotivation. Bei Lausanne gabs für einen Sieg 50 Franken, für ein Unentschieden 30 und für eine Niederlage 20 Franken.»

Mit Lausanne feierte Waymond Bardel grosse Erfolge. 1950 gewann er als erst 22-Jähriger den Cup, und 1951 wurde er Meister. Am 15. April 1951 bestritt er unter dem falschen Namen Raymond Bardel im vollen Zürcher Hardturm gegen Deutschland (2:3-Niederlage) sein erstes Länderspiel und wurde zum Pionier als erster schwarzer Nati-Spieler der Geschichte.

Die ersten Schwarzen in anderen Nationalmannschaften

Frankreich: Raoul Diagne (†2002) 1931
Österreich: Helmut Köglberger (†2018) 1965
Deutschland: Erwin Kostedde 1974
England: Viv Anderson 1978
Spanien: Vicente Engonga 1998
Italien: Fabio Liverani 2001

Premiere: 1974 lief mit Erwin Kostedde (auf Malta) erstmals ein schwarzer Spieler für Deutschland auf.
imago/WEREK

Frankreich: Raoul Diagne (†2002) 1931
Österreich: Helmut Köglberger (†2018) 1965
Deutschland: Erwin Kostedde 1974
England: Viv Anderson 1978
Spanien: Vicente Engonga 1998
Italien: Fabio Liverani 2001

Zwei Monate später bestritt er sein zweites und letztes Länderspiel, in Belgrad gegen Jugoslawien. «Mein Vater erinnerte sich mit gemischten Gefühlen an dieses Spiel, das 3:7 verloren ging. Das Schweizer Team reiste mit einem Propellerflugzeug nach Belgrad. Dort schliefen sie in einem sehr lauten Hotel, in dem man die Fenster nicht öffnen konnte. Mein Vater sagte mir mal: ‹Ich hatte noch keinen Ball berührt, und schon lagen wir 0:3 zurück.› Erschwerend kam hinzu, dass mein Vater damals im Militärdienst war und sein Vorgesetzter sich weigerte, ihn freizustellen. Der Major, der gleichzeitig auch noch Generalsekretär des Fussballverbands war, erlaubte ihm erst in letzter Minute, doch noch zur Mannschaft zu stossen.»

1953 kehrte Bardel nach Yverdon zurück. Zwei Jahre später beendete er seine Karriere und eröffnete ein Geschäft für Elektromechanik.

«Mein Vater war ein Kämpfer»

Waymond Bardels Sohn spricht gerne über die erfolgreiche Fussballkarriere seines Vaters. Beim Thema Rassismus fällt ihm aber das Erzählen schwer. «Mein Vater war damals der einzige Farbige in ganz Yverdon. Er erzählte niemandem, was er damals durchgemacht hatte. Rassistische Beleidigungen versuchte er stets mit Humor abzuwehren.» Waymond selbst sagte 2015 im Westschweizer Fernsehen: «Man musste stark genug sein, um das auszuhalten. Man nannte mich Neger und alles Mögliche, aber es hat mich nicht umgehauen.»

Auch abseits des Fussballplatzes war Bardel umtriebig. Neben seiner Arbeit in der Werkstatt absolvierte er eine Weiterbildung und erhielt 1963 sein Diplom als Berufsschullehrer. Seine grosse Leidenschaft war das Modellfliegen. Schon seit 1941 war er Teil der Modellflugzeug-Gruppe Yverdon gewesen. Seiner Heimatstadt blieb er stets treu. «Mein Vater fühlte sich in Yverdon sehr wohl. Er meinte immer: ‹Wenn ich den Jura nicht sehe, bin ich traurig.›»

Die Herkünfte unserer Nati-Spieler

Yvon Mvogo: In Kamerun geboren. Sohn einer Kamerunerin und eines Schweizers. Kam mit 6 in die Schweiz.

Manuel Akanji: Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers.

Luca Jaquez: Sohn einer Schweizerin und eines dominikanischen Vaters.

Aurèle Amenda: Sohn kamerunischer Eltern.

Denis Zakaria: Sohn einer Sudanesin und eines Kongolesen.

Johan Manzambi: Sohn kongolesischer Eltern.

Djibril Sow: Sohn einer Schweizerin und eines Senegalesen.

Noah Okafor: Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers.

Dan Ndoye: Sohn einer Schweizerin und eines Senegalesen.

Breel Embolo: In Kamerun geboren. Sohn kamerunischer Eltern. Kam mit 6 in die Schweiz.

Zeki Amdouni: Sohn einer Tunesierin und eines Türken.

Yvon Mvogo: In Kamerun geboren. Sohn einer Kamerunerin und eines Schweizers. Kam mit 6 in die Schweiz.

Manuel Akanji: Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers.

Luca Jaquez: Sohn einer Schweizerin und eines dominikanischen Vaters.

Aurèle Amenda: Sohn kamerunischer Eltern.

Denis Zakaria: Sohn einer Sudanesin und eines Kongolesen.

Johan Manzambi: Sohn kongolesischer Eltern.

Djibril Sow: Sohn einer Schweizerin und eines Senegalesen.

Noah Okafor: Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers.

Dan Ndoye: Sohn einer Schweizerin und eines Senegalesen.

Breel Embolo: In Kamerun geboren. Sohn kamerunischer Eltern. Kam mit 6 in die Schweiz.

Zeki Amdouni: Sohn einer Tunesierin und eines Türken.

Heute sagt sein Sohn über ihn: «Mein Vater war ein Kämpfer. Er hat sich in Yverdon mit viel Respekt ein Leben aufgebaut, trotz seiner Hautfarbe.»

Am 19. September 2019 starb Waymond Bardel im Alter von 91 Jahren im Spital von Yverdon an den Folgen einer Lungenentzündung.

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WM 2026 Gruppe A
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Mexiko
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Südafrika
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Südkorea
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Tschechien
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Kanada
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Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
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Katar
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Schweiz
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Haiti
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Schottland
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USA
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Australien
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Türkei
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Elfenbeinküste
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Japan
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Neuseeland
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Saudi Arabien
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Uruguay
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Demokratische Republik Kongo
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