«Vermutlich das grösste Sportereignis der Geschichte»
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Trump über erfolgreiche WM:«Vermutlich das grösste Sportereignis der Geschichte»

Rückblick auf XXL-Turnier
Tore, Tränen, Tricksereien – was von dieser WM bleibt

Die XXL-WM in Übersee ist ab morgen Geschichte. Rund fünf Wochen vollbepackt mit Spielen, Dramen, Geschichten. Wir haben gejubelt und gelitten und blicken hier noch einmal zurück.
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Starke Reaktion: Lautaro Martinez köpft Argentinien in der Nachspielzeit in den Final und ganz England ins Elend.
Foto: keystone-sda.ch
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Patrick MäderAutor Blick Sport

So ganz verdaut haben wir es wohl noch immer nicht. Da hatten wir die Argentinier doch bereits am Schlafittchen gepackt und im Schwitzkasten, doch dann … Nein, lassen wir das unnütze Waswärewenn. Denn was bleibt von dieser WM, ist die Erinnerung an einen tollen Auftritt der Nati und die Erkenntnis, dass wir es mit allen Gegnern der Welt aufnehmen können und dass wilde Junge wie Johan Manzambi nachrücken, die uns noch viel Freude bereiten werden.

Bleiben wird von dieser XXL-WM noch einiges. Die Aussenseiter beispielsweise. Allen voran die Kapverden. Diese Inselgruppe im Atlantik vor Afrika, deren Nationalmannschaft den heutigen Finalisten alles abverlangte. Die den Spaniern im Gruppenspiel ein 0:0 abtrotzte und die Argentinier im Sechzehntelfinal bis in die Verlängerung quälte, wo erst ein Eigentor in der 111. Minute die Entscheidung brachte. Über Nacht weltberühmt wurde der Goalie von Kap Verde. Josimar José Évora Dias, Spitzname Vozinha, zeigte gegen die Spanier eine Weltklasseleistung. Noch während dem Spiel stieg die Followerzahl auf seinem Instagram-Kanal auf 100'000, bis am Morgen nach dem Spiel stand der Zähler auf über 5 Millionen, inzwischen sind es 30 Millionen. Ein Weltmeister der Herzen.

Vozinha, ein Wort, das aus dem Portugiesischen stammt und «kleine Oma» heisst, ist bereits 40-jährig. Seinen Spitznamen verdankt er seiner Kindheit. Weil er jedes Mal, wenn er sich beim Fussballspielen verletzte, weinend zu seiner Grossmutter lief, die ihn grosszog. Der Oldie, der zuletzt beim portugiesischen Zweitligisten Chaves unter Vertrag stand, ist seit 1. Juli vereinslos. Offenbar gibt es nun Interessenten aus der zweithöchsten Liga in Brasilien. Es wäre ihm zu gönnen.

Fans begeistern, Schiris weniger

Bleiben werden auch die Fans, die keine Kosten scheuten und die gigantischen Stadien mit Leben, Farben und Rhythmus füllten. «Ro!» schallte es durchs Rund, als die norwegischen Fans jeweils die virtuellen Riemen zur Hand nahmen und losruderten. Eine historische Anspielung auf die Wikinger von einst und deren hochseetüchtigen Boote. Die Inszenierung wurde schnell zum Social-Media-Hype. Plötzlich ruderten nicht nur Fussballfans, sondern auch Krankenhauspersonal, Schulklassen, ganze Dörfer, und sogar das norwegische Parlament versuchte sich im Takt. Szenen für die Ewigkeit.

Hier rudern die Norwegischen Royals
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Royaler Empfang für WM-Helden:Hier rudern die Norwegischen Royals

Aber es gab auch weniger schöne Szenen. Schiedsrichter, die überfordert waren von der Härte und Schnelligkeit des modernen Fussballs, den Tricksereien der Stars, dem ständigen Reklamieren und Lamentieren. Dazu VAR-Entscheide, die schwer nachvollziehbar waren. Wo zumindest einer davon den Schweizer Fans zur frühen Sonntagmorgenstunde schwer auf den Magen schlug, uns die Tränen in die Augen trieb. Uns war da etwa so zumute wie Breel Embolo, der nach seiner Schauspieleinlage und der Roten Karte von Emotionen geschüttelt den Gang unter die Dusche antreten musste.

Verschwörungstheorien und der Fall Balogun

Zu den umstrittenen VAR-Entscheiden passen die Verschwörungstheorien, die aus der heutigen Zeit, wo jeder seine Meinung äussern kann, nicht mehr wegzudenken sind. Zum Beispiel, dass Argentinien nur dank der Fifa, dunklen Mächten und korrupten Refs heute im Final stehen darf. Tatsächlich rieben wir uns die Augen, als im Viertelfinal nach dem späten Siegtreffer der Argentinier gegen Ägypten Fifa-Boss Gianni Infantino – von dem Kraft seines Amtes eigentlich Neutralität erwartet wird – ekstatisch zum Freudentanz ansetzte. Klar, dass solche Szenen Verschwörungstheorien befeuern. Nicht vergessen sollte man dabei aber, dass die letzte halbe Stunde des Halbfinals Argentinien gegen England zum sportlich Besten gehörte, was diese WM zu bieten hatte – mit ganz gross aufspielenden Südamerikanern. Und Infantino konnte sich dieses Mal sogar zusammenreissen.

«Die Begnadigung hat dem US-Team geschadet»
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Dzemaili über den Fall Balogun:«Begnadigung hat US-Team geschadet»

Vielleicht hat er gemerkt, dass seine Sympathiewerte im Sinkflug sind, seit er vor dem K.o.-Spiel der USA gegen Belgien nach einem Telefonat mit Kumpel Donald Trump die Rot-Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun kurzerhand aussetzte, was weltweit scharfe Kritik provozierte und das Gegenteil bewirkte, was Trump eigentlich bezwecken wollte. Denn die USA kamen durch die Kontroversen aus dem Tritt und verloren gegen Belgien trotz Balogun sang- und klanglos. Der Stürmer gab danach zu: «Es war schwierig für uns – es gab viel Lärm von aussen, und das lässt sich nur schwer ignorieren.»

Traumtore fielen am Laufmeter

Bleiben werden auch die vielen wunderschönen Tore, die erzielt wurden. Ndoyes Ausgleich gegen Argentinien nach wunderbarer Vorarbeit von Rodriguez beispielsweise. Manzambis Direktabnahme gegen Bosnien. Kanes satter Drehschuss, der England vor einer Schmach gegen den Kongo bewahrte. Der Wahnsinns-Hammer von Haitis Wilson Isidor zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung im Gruppenspiel gegen Marokko. Der Zauberschlenzer von Kap Verdes Didny Lopes Cabral gegen die Gauchos … und, «Autsch!», ja, auch das spielentscheidende 2:1 von Argentiniens Julián Álvarez gegen die Schweiz. Brutal wie er den Ball ins rechte Lattenkreuz zirkelte, Zentimeter an Kobels Fingerspitzen vorbei. Ein Stich mitten in unser rot-weisses Herz.

Und schliesslich sind da die Trainer und ihre Schicksale. So Murat Yakin. Ruhig, sachlich, cool, mit heisser Brille und weissen Strähnen dirigierte er die Nati am Spielfeldrand und wurde zum heimlichen Star auf Social Media. Als Figur aus einem Bond- oder Tarantino-Film wurde er da abgefeiert oder als Zwilling des dänischen Schauspielers Mads Mikkelsen. Auch an fachlichem Lob für den Basler mangelte es nicht. Er sei einer der besten Trainer dieser WM erklärte Ex-FCB-Profi Christian Giménez im Blick-Interview. Yakin darf sich über weitere Jahre und grosse Turniere als Trainer der Nationalmannschaft freuen. 

Mit seiner Jobgarantie gehört er schon fast zur Ausnahme. Nicht weniger als 17 WM-Trainer sind bereits nicht mehr im Amt. Am nächsten ist uns Schweizern wohl die Entlassung von Julian Nagelsmann gegangen. Ein Tor von Jonathan Tah gegen Paraguay, das eigentlich hätte zählen müssen, das der VAR aber kassierte, führte schliesslich zum blamablen Out im Sechzehntelfinal gegen giftgallige Südamerikaner. Ein Penaltydrama mit Folgen.

Die Frage nach dem GOAT

Nagelsmanns Fall hatte sicherlich mit dieser sportlichen Schmach zu tun, aber auch mit seinen kindlich-bockigen Auftritten bei Interviews und dem übergrossen Schatten von Jürgen Klopp, der für Magenta TV als Experte dabei war und tatsächlich live auf Sendung nach dem Ausscheiden der Deutschen gefragt wurde, ob er den Job als Bundestrainer machen würde. «Darüber habe er noch nicht nachgedacht», log Klopp, was hätte er auch sonst antworten sollen. Ein Satz wird allerdings in Erinnerung bleiben, der rückblickend quasi den Anfang vom Ende von Nagelsmann einläutete. Zu Beginn der WM sagte Klopp: «Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf», und fügte ein vielsagendes «noch» an. Ein Wörtchen mit Zündstoff. Als hätte er da schon mehr gewusst. Nun soll der Mann mit den weissesten Zähnen des Universums den deutschen Fussball von der tiefsten Sinnkrise wieder zum Strahlen bringen. Klopp wurde von einer ganzen Nation als Retter auserkoren.

Schliesslich muss auch festgehalten werden, dass diese WM als Turnier der Superstars in die Geschichte eingehen wird. Sie haben geliefert. Kane, Mbappé, Olise, Bellingham, Haaland, Dembélé … und allen voran Lionel Messi. Dieser kleine grosse Ballzauberer, der in der Platzhälfte des Gegners steht, gern herumspaziert, als gehe ihn das alles nichts an, der guckt und plötzlich explodiert und dribbelt, flankt und trifft wie ein Jungspund. Alle für einen: Die ganze Mannschaft rackert für ihn, damit er brillieren und mit Geniestreichen die Spiele entscheiden kann. Die heissblütigen argentinischen Fans verehren ihn wie vor ihm nur Diego Maradona. Und sollte Messi tatsächlich heute noch einmal den WM-Pokal in die Höhe stemmen können, dann wäre die Frage nach dem «Greatest of All Time», dem GOAT, wohl beantwortet.

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