Als man Sepp Blatter vor gut zehn Jahren vom Fifa-Hof gejagt hatte, da gab es auch unter dem Druck des FBI tatsächlich Bestrebungen, innerhalb des Weltverbandes mit der grassierenden Korruption, der widerlichen Gier der Funktionäre, aufzuräumen.
Eine unabhängige Ethikkommission wurde eingesetzt, dem sumpfigen Treiben ein Ende zu bereiten. Die Chance wurde vertan.
Denn unter Gianni Infantino als Präsident wurde die Ethikkommission durch clevere Personalwechsel entmachtet. Sie spielt längst keine Rolle mehr. Infantino wurde zum Alleinherrscher, der sich scheinbar alles erlauben kann.
Doch hat er es zu weit getrieben. Nach dem Scheitern seines intransparenten Teilverkaufsplans steht er nun unter massivem internem Druck. Die Uefa hat ihm mit einer historischen Geschlossenheit ihrer Mitgliedsverbände den Suppenschmaus versalzen. Und dabei schöne Worte gewählt, die jedem wahren Fussball-Fan ans Herz gehen. Die WM dürfe nicht verkauft werden. Die Zukunft des Fussballs dürfe nicht von den Erwartungen jener bestimmt werden, deren erste Pflicht darin besteht, die Rendite zu maximieren.
Da schwingt zwar viel Heuchelei mit, aber immerhin hat die Uefa die Werte-Latte nun selber so hochgesetzt, dass man sie ab sofort daran messen kann. Zu wünschen wäre, die Redlichen innerhalb des Weltfussballs, allen voran die Uefa-Leute, würden sich jetzt nicht auf die Schulter klopfen, sich abfeiern und wieder zurücklehnen.
Nein, jetzt ist der Moment der zweiten Chance gekommen, um den Fifa-Laden endlich aufzuräumen und seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.