Vom Coiffeur zum Fussballprofi
Thun-Stürmer Chihadeh will mit Palästina an die WM

Er spricht Walliserdeutsch und spielt für die palästinensische Nationalmannschaft: Saleh Chihadeh (25). Nun hofft der Mann mit dem Coiffeursalon in Brig auf die WM.
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Saleh Chihadeh besitzt einen eigenen Coiffeursalon in Brig.
Foto: Isabelle Favre
Daniel Gerber

Rang 102 in der Fifa-Weltrangliste. Damit liegt ­Palästina (4,8 Millionen Einwohner) vor vielen 100-Millionen-Völkern auf dem gleichen Kontinent wie Indien (103), die Philippinen (126), Indonesien (160), Bangladesch (182) und Pakistan (204). Das kleine Land mischt die Region fussballerisch auf. Mittendrin: Thun-Stürmer Saleh Chihadeh. «Grössere Nationen können auf mehr Talente zurückgreifen, aber sie haben nicht unsere Willenskraft. Bei uns Palästinensern ist diese enorm gross! Das ist die Basis unseres Erfolgs.»

Ab heute geht es für die Paläs­tina-Nati mit dem Heimspiel gegen Usbekistan um das Ticket für die WM in Katar. «In der Qualifikation ist alles möglich, wir können mit den guten Nationen mithalten. Wir spielten zuletzt gegen China und Iran je 1:1.» Beide Nationen waren im laufenden Jahrtausend bereits an der WM dabei.

Ganz andere Fussball-Kultur

Fast alle Fussballer des palästinensischen Teams spielen in Asien oder Nordafrika, dazu ein paar wenige in Lateinamerika und einer in der dritthöchsten schwedischen Liga. Chihadeh zählt als Super-League-Spieler gemeinsam mit Nazmi Albadawi, der in den USA in der MLS beim FC Cincinnati spielt, zu den Leistungsträgern.

Die Fussball-Kultur ist ganz anders als in Europa, sagt Chihadeh, «die Stimme des Trainers ist zum Beispiel lauter. Das taktische Niveau ist tiefer, aber es sind gute Techniker dabei.» Die palästinensische Liga, die West Bank Pre­mier League, zählt zwölf Mannschaften. Meister Hilal Al-Quds aus Jerusalem schaffte 2019 via Playoffs den Sprung in die Gruppenphase des asiatischen AFC Cups, dem Pendant zur Europa League, und schied als Gruppendritter aus. Die Heimspiele trägt das Team von Palästina, in dem Moslems und Christen vereint sind, in Jerusalem und Jenin aus. «Vor und hinter dem Car fährt ein Polizeiauto», grössere Probleme gebe es aber nicht, sagt der 25-Jährige.

Keine Zeit mehr für Haare schneiden

Geboren ist er in Deutschland, im Dörfchen Altenkirchen bei Bonn. Später fand sein Vater einen Job in einer Elektrofirma in Naters, weshalb die Familie ins Oberwallis umzog. Saleh war fünf und lernte Walliserdeutsch.

Als junger Mann eröffnete er in Brig einen Coiffeursalon, schnitt dort zunächst auch regelmässig selber Haare. Doch seit dem Wechsel vom Halbprofi bei Kriens zum Vollprofi in Thun geht das nicht mehr. Chihadeh: «Dafür habe ich meine drei Angestellten.»

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