Doppelbürger werden konsequent gescoutet
Thun-Held Hodzic erklärt WM-Wunder von Nati-Gegner Bosnien

Selver Hodzic spielte mit Thun Champions League. Für Blick erklärt er den nächsten Nati-Gegner Bosnien Herzegowina. Und er sagt, wieso der Katar-Ausgleich gegen die Schweiz keine gute Nachricht für die Bosnier war.
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Selver Hodzic ist Trainer der Frauen-Nationalmannschaft von Bosnien im Nebenamt. Er arbeitet zu hundert Prozent für die Bossard AG in Steinhausen ZG und kann sich das 1:1 der Nati gegen Katar nicht erklären.
Foto: Alain Kunz
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Alain KunzReporter Fussball

So hatte man sich das nicht vorgestellt auf Schweizer Seite. Das «Gratisspiel» gegen Katar geht in die Hose, das 1:1 ist eine Schmach. Auch Selver Hodzic (47), der das Spiel zu Hause in Ebikon LU gesehen hat, ist enttäuscht: «Es hätte in der Pause 3:1 oder 4:1 lauten müssen.»

Doch das tat es nicht. Die Nati aber wurde trotzdem passiv. «Dann riskiert man eben den plötzlichen Ausgleich. Aber dass die Schweiz dieses Tor wirklich noch kriegt, hätte ich nie für möglich gehalten», sagt Hodzic weiter.

Der 47-Jährige war einst Teil des Champions-League-Wunderteams des FC Thun, ist seit April 2024 Trainer der Frauen-Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina. Zuvor war er bei den Junioren des FC Luzern tätig gewesen, hat den damaligen Zweitligisten Buochs trainiert und war vor seinem Job bei seinem Geburtsland unter Inka Grings Assistent der Schweizer Frauennati und zuvor Trainer der Aarau-Frauen gewesen. Logisch sieht er die Spiele immer aus dem Blickwinkel eines Coaches.

«Schweiz ist im Stolz verletzt»

Die Folge dieses Remis? «Die Schweiz ist angeschlagen, im Stolz verletzt und steht gegen Bosnien nun unter extremen Druck. Das ist ein Nachteil für Bosnien, denn die Schweiz ist eine Turniermannschaft, das hat man auch zuletzt an der EM in Deutschland gesehen. Spieler wie Granit Xhaka performen dann, wenn es um viel geht.»

Aber Bosnien habe nach wie vor nichts zu verlieren. Man hat das Spiel gegen Katar in der Hinterhand. Hodzic: «Selbst bei einer Niederlage gegen die Schweiz wird sich das Team von Sergej Barbarez qualifizieren. Weil es gegen Katar gewinnen wird. Wie auch Kanada.»

Spahic und Barbarez schafften die Wende

Dass Bosnien überhaupt in Amerika sein würde, hätte Hodzic nicht für möglich gehalten, als er sah, wie das Team im November 2024 in Deutschland mit 0:7 gedemütigt wurde. Zuvor hatte man in 15 Spielen einzig zweimal Liechtenstein bezwungen. Bosnien war bei den Zwergen angelangt. «Barbarez wurde damals gefragt, ob er nun gehe. Dieser sagte, tief getroffen ob der Frage: Nein! Er sei zu hundert Prozent von seinem Weg an die EM 2028 überzeugt. Und wissen sie was? Ich habe es ihm geglaubt. Ich spürte: Da ist der Charakter, den es jetzt braucht.»

Und dann setzten Nationalmannschafts-Direktor Emir Spahic und Barbarez ein Zeichen, als sie dem talentierten Anel Ahmedbegovic mangelnden Patriotismus vorwarfen und für immer aus der Mannschaft verbannten. «Diese Message haben die Spieler verstanden. Und sie spürten: Spahic und Barbarez sind ein unerschütterliches Duo, das in Sachen Disziplin keine Kompromisse eingeht.» Es war genau das, was den Bosniern bei all dem Talent fehlte.

Zweiter wichtiger Punkt: Die Heimführaktionen von Spahic. Der ehemalige Nationalspieler hat ein Scouting-Team aufgestellt, dass alle Doppelbürger detektiert, die potenziell für Bosnien spielen können. Hodzic: «Er hole die Kinder Bosniens heim, so bezeichnete er das. Mit seiner Aura und seinem Ruf als Legende gelang das», erläutert der in Bosnien geborene Doppelbürger, der mit 14 nach Risch ZG kam. Zwei Beispiele: Armin Gigovic von YB, der für Schweden sogar zwei A-Länderspiele gemacht hat, oder Ex-FCZler Nikola Katic, der die U-Teams von Kroatien durchlaufen hat.

Der Österreich-Moment

Und dann war da noch der Österreich-Moment. Als Bosnien die direkte Qualifikation durch ein spätes Tor der Ösis verpasste, weinte ein ganzes Land. Und die Spieler. Deren Tränen waren noch nicht trocken, da sagte Barbarez: «Egal! Wir sind enorm stark. Wir schaffen das. Wir holen uns dieses Ticket! Das schweisste das junge Team noch stärker zusammen. In der Kabine soll es Herzschmerz ohne Ende gegeben haben», so der Vater von vier Kindern.

Geld ist auch vorhanden. «Die haben sehr gute Sponsorendeals abgeschlossen», sagt Hodzic. Für die Frauen reicht das aber nicht, denn der Zuger arbeitet zu hundert Prozent bei der Bossard in Steinhausen ZG. «Mein Arbeitnehmer zeigt sehr viel Verständnis. Ich kann oft unbezahlte Ferien beziehen.» Jetzt müsse er aber gehen, denn ein Termin warte. Keiner im Fussball.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
1
2
3
2
Südkorea
Südkorea
1
1
3
3
Tschechien
Tschechien
1
-1
0
4
Südafrika
Südafrika
1
-2
0
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
1
0
1
2
Kanada
Kanada
1
0
1
3
Katar
Katar
1
0
1
4
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schottland
Schottland
1
1
3
2
Marokko
Marokko
1
0
1
3
Brasilien
Brasilien
1
0
1
4
Haiti
Haiti
1
-1
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
1
3
3
2
Australien
Australien
1
2
3
3
Türkei
Türkei
1
-2
0
4
Paraguay
Paraguay
1
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
1
6
3
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
1
1
3
3
Ecuador
Ecuador
1
-1
0
4
Curacao
Curacao
1
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweden
Schweden
1
4
3
2
Japan
Japan
1
0
1
3
Niederlande
Niederlande
1
0
1
4
Tunesien
Tunesien
1
-4
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Ägypten
Ägypten
1:0
1
1
3
2
Iran
Iran
0
0
0
3
Neuseeland
Neuseeland
0
0
0
4
Belgien
Belgien
0:1
1
-1
0
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
1
0
1
2
Kap Verde
Kap Verde
1
0
1
3
Uruguay
Uruguay
0
0
0
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
0
0
0
2
Senegal
Senegal
0
0
0
3
Irak
Irak
0
0
0
4
Norwegen
Norwegen
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
0
0
0
2
Algerien
Algerien
0
0
0
3
Österreich
Österreich
0
0
0
4
Jordanien
Jordanien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Portugal
Portugal
0
0
0
2
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
0
0
0
3
Usbekistan
Usbekistan
0
0
0
4
Kolumbien
Kolumbien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
0
0
0
2
Kroatien
Kroatien
0
0
0
3
Ghana
Ghana
0
0
0
4
Panama
Panama
0
0
0
K.o.-Phase
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