Hier pries Infantino den Verkauf der WM noch an
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«Angebot, keine Verpflichtung»:Hier pries Infantino den Verkauf der WM noch an

Das Protokoll des Scheiterns
Infantinos Milliardenpläne wurden innert Tagen zu Altpapier

Schneller als gedacht und mit einer ungeahnten Wucht wurde Infantinos kühner Plan zu Altpapier gemacht. Die letzten Tage im Schnelldurchlauf.
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Das ging ins Auge: Gianni Infantino muss seine Verkaufspläne beerdigen.
Foto: AP Photo/Manu Fernandez

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Gianni Infantino stoppt Pläne zum Teilverkauf der WM-Rechte nach Kritik
  • Fifa forderte 3,4 Milliarden CHF für 20 Prozent der Rechte
  • Uefa und andere Verbände zeigten sich geschlossen gegen den Verkauf
Patrick Mäder und Gian-Andri Baumgartner

Kaum war die WM vorbei, der Pokal übergeben, feierte sich die Fifa selber gross ab für das Gelingen des Grossevents, und Präsident Gianni Infantino liess es sich nicht nehmen, den kritischen Stimmen eins auszuwischen: «Nehmt euch bitte einen Moment Zeit, um nachzudenken, zu meditieren, zu beten oder ein Fussballspiel anzuschauen und die Gesichter, die Augen und die Emotionen wirklich zu betrachten.» Infantino musste sich im Sog von Trumps Applaus unantastbar fühlen. Infantino im Hoch.

Plan zum Teil-Verkauf der WM-Rechte

Anstatt sich danach ein paar Tage Ferien zu gönnen, liess der Walliser wenig später bereits die nächste Bombe platzen. Pläne zu einem Verkauf der WM-Rechte an Investoren wurden bekannt. Die kommerziellen Rechte an ihren wichtigsten Wettbewerben wie der WM sollen an eine Tochtergesellschaft namens «Fifa Forward Enterprise» (FFE) übertragen werden. Daran sollen private Investoren Anteile von bis zu 20 Prozent erwerben können – ein Novum in der Geschichte des Weltfussballverbands. Bereits festgelegt wurde auch ein Preis für die Investition: Für den zum Verkauf stehenden Anteil verlangte die Fifa, besser gesagt Infantino, rund 3,4 Milliarden Franken. Der Weltverband setzte seinen Mitgliedern eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal und versprach im Gegenzug Sonderzahlungen für die Ja-Sager. Die Verbände sollten bis zum 19. September ihre schriftlichen Zusagen abgeben. Eine einfache Mehrheit, also 106 Stimmen der 211 Stimmen aller Verbände, sowie «die ausdrückliche Bewilligung seitens des Fifa-Rats», sollten genügen, um das Projekt durchzuboxen.

Mit Sonderzahlungen Stimmen sichern

Dank der zusätzlichen Milliarden aus dem Teilverkauf sollten auch die Beiträge an die 211 nationalen Mitgliedsverbände erhöht werden. Zunächst stellte die Fifa jedem Verband eine Einmalzahlung für «spezielle Projekte» in der Höhe von 16 Millionen Franken in Aussicht. Dazu sollten die Zahlungen pro Vierjahreszyklus deutlich erhöht werden: Bereits für die Periode zwischen 2027 und 2030 sollte jeder Verband, der Ja zum Projekt sagt, weitere rund 16 Millionen Franken erhalten, bis 2038 sollten die Beiträge gar auf knapp 20 Millionen Franken ansteigen. Heute betragen sie etwa 6,5 Millionen Franken. Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) sah in den zusätzlichen Geldern «eine goldene Gelegenheit, um die globale Entwicklung des Spiels zu beschleunigen». Zu diesem Zeitpunkt dachte er noch, es sei ein leichtes Spiel, wenn man so viel Geld verteilen kann.

Verbandelung mit der US-Regierung

Gemäss der britischen «Times» habe es bereits eine interessierte Investorengruppe gegeben, welche von der US-amerikanischen Private-Equity-Firma «Thrive Capital» angeführt wird. Deren Besitzer ist Joshua Kushner (41), Bruder von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner (45). Das wirft Fragen auf zur Verbandelung mit Donald Trump und der aktuellen US-Regierung. Schwiegersohn Kushner ist seit Donald Trumps (80) erster Wahl ins Weisse Haus 2016 nicht mehr am Unternehmen seines Bruders beteiligt. Aber der Plan allein lässt vermuten, dass Infantino und Trump da schon händereibend vorgespurt haben. Die Buddies spannen zusammen. Vor einem Jahr eröffnete die Fifa ein Büro im Trump Tower in New York. Und wir erinnern uns alle noch ungern an die peinliche Zeremonie, als Infantino Trump den eigens initiierten Fifa-Friedenspreis überreichte. Und Trump gar nicht warten konnte und sich die dazu geschenkte Medaille gleich selber um den Hals hängte.

Was hätte der Plan für Infantino bedeutet?

Grosse Profiteure der Teilprivatisierung seien, so behauptet Infantino, die nationalen Fussball-Verbände, die sich über zusätzliche Einnahmen freuen dürfen – gerade die kleinen Fussball-Nationen finanzieren sich zu einem grossen Teil durch die Beiträge des Weltverbands. Naiv, wer glaubt, Infantino hätte bei diesem Plan nicht auch an sich gedacht. «Viele dieser Gelder», sagt Sportrechtsexperte Antoine Duval, im «Spiegel»-Interview, «fliessen intransparent ab und das Risiko ist gross, dass sie in den Taschen von Fussballfunktionären landen.» Also auch in Infantinos Taschen. Zudem wäre an der Spitze der FFE ein neues mächtiges Amt im Weltfussball entstanden – eine mögliche Berufsperspektive für Infantino, wenn er 2031 aufgrund der Amtszeitbeschränkung nicht mehr zum Fifa-Präsidenten gewählt werden kann. Als Geschäftsführer der FFE hätte er seine Zukunft für alle Zeiten gesichert.

Uefa zeigt historische Geschlossenheit

Schon kurz nach dem Bekanntwerden der Pläne stellte sich die Uefa gegen Infantinos Plan – und dies vehement. In einer Dringlichkeitssitzung am Donnerstag haben sämtliche 55 Mitgliederverbände einstimmig einem Boykott aller Fifa-Turniere zugestimmt, solange der Vorschlag besteht respektive am Vorhaben festgehalten wird. Diese Geschlossenheit ist historisch und wird unterlegt mit der Forderung, die Fifa-Führung dürfe sich «nie wieder für private Eigentümer» öffnen. Auf die Seite der Uefa schlägt sich ein weiterer Kontinentalverband: Der Concacaf, dem Länder aus Nord- und Mittelamerika und der Karibik angehören, äussert sich ebenfalls kritisch zum Vorhaben der Fifa. Am Freitag äusserte auch der asiatische Fussballverband AFC deutliche Kritik am Vorhaben. Einzig der afrikanische Kontinentalverband CAF zeigte sich offen für den Teilverkauf und empfahl seinen Mitgliedern eine wohlwollende Prüfung, «um die finanziellen und sonstigen Ressourcen für die Entwicklung und das Wachstum des Fussballs in Afrika und weltweit zu stärken».

Infantino geht auf die Medien los

Infantino wollte an den Plänen festhalten und gab den Medien Schuld an der Eskalation: «⁠Unser geplanter Konsultationsprozess wurde durch falsche Medienberichte gestört. Wir werden diesen Konsultationsprozess fortsetzen, um sicherzustellen, dass jeder Mitgliedsverband die Möglichkeit hat, seine Stimme auf der Grundlage von Fakten abzugeben.» Dann aber hat ein enger Vertrauter von Infantino reagiert. Der Inder Carlos Cordeiro, hochrangiger Berater der Fifa, trat aus Protest gegen das Vorhaben von seiner Tätigkeit zurück: «Als leitender Berater des Fifa-Präsidenten, ehemaliger Banker und lebenslanger Fussballfan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht. Es ist ein schlechtes Geschäft für die Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fussball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports.» Wenig später setzte auch Fifa-Betriebsdirektor Kevin Lamour ein Ausrufezeichen. Er erhob schwere Vorwürfe gegen Gianni Infantino, kritisierte die mangelnde Transparenz und warnte scharf vor der Umsetzung der Pläne.

Infantinos Fall-Rückzieher

In der Nacht auf Samstag verschickte Infantino aus der Fifa-Zentrale in Zürich ein Statement, indem er das Scheitern der Pläne verkündete. Der Weltverband Fifa werde seine Investorenpläne nicht weiterverfolgen. Es sei deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltung geführt habe und nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liege. 

Die Uefa frohlockt und sagt Infantino den Kampf an

Kurz nach dem Statement der Fifa meldete sich auch die Uefa zu Wort und zeigte sich hochzufrieden über das Scheitern. Aber das soll es nicht gewesen sein: «Wir können nicht so weitermachen mit geheimen Plänen auf schnellen Zeitplänen, die von gesichtslosen Individuen erfunden werden und dem Spiel zweifelhaften Nutzen bringen. Wir müssen die Verantwortlichen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.» Im März 2027 will sich Infantino zur Wiederwahl stellen.

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