Dank einer Kamera von 1930
So hast du die Nati an der WM 2026 noch nicht gesehen

Schwarz-weiss, unscharf und grobkörnig: Die Bilder, die der Fotograf Fareed Kotb gemacht hat, stammen nicht aus der Vergangenheit, sondern von der WM 2026. Mittendrin: Unsere Nati.
Kommentieren
1/5
Beim Spiel zwischen der Schweiz und Kolumbien schoss er insgesamt 40 Fotos.
Foto: Footografiia/Fareed Kotb
RMS_Portrait_AUTOR_760.JPG
Daniel LeuStv. Sportchef

Der WM-Achtelfinal zwischen der Schweiz und Kolumbien ist noch immer vielen Menschen in bester Erinnerung. Aber nicht nur den Nati-Fans, sondern auch Fareed Kotb. Der ägyptische Fotograf nutzte dieses Spiel für ein aussergewöhnliches Experiment. An jenem Juli-Dienstag in Vancouver schoss er seine Fotos für einmal nicht mit einer modernen Digitalkamera, sondern mit einer Kamera von 1930, jenem Jahr, in dem in Uruguay die erste Fussball-WM der Geschichte ausgetragen wurde. Das Ergebnis davon: einzigartige Bilder.

«Ich wollte eine Zeitreise unternehmen. Mein Ziel war aber nicht bloss Nostalgie. Ich wollte eine Brücke schlagen zwischen der Geschichte des Fussballs, der Geschichte der Fotografie und der Gegenwart», erklärt der 39-Jährige, «ich wollte damit zeigen, dass starkes Storytelling von Geduld, Vision und Emotion lebt, und nicht allein von moderner Technik.»

Kotb hatte immer nur eine Chance

Apropos Geduld: Die war bei seiner Arbeit definitiv vonnöten. Kotb fotografierte mit einer Zeiss Ikon Ideal 250/11, die er auf einem Markt in Kairo fand. «Es gibt bei dieser Kamera weder Autofokus noch Belichtungsmesser. Jedes Foto wird auf einem einzelnen Filmblatt aufgenommen. Das bedeutet, dass ich immer nur eine Chance hatte.»

Entsprechend aufwendig war das Prozedere. Fast alles ist manuell, und jeder Schritt erfordert höchste Konzentration. «Vor jeder Aufnahme begab ich mich unter ein Tuch, öffnete die Kamera, studierte jedes Detail und fokussierte sorgfältig. Dann mass ich separat das Licht, stellte Blende und Verschlusszeit ein, setzte den Filmhalter ein und löste den Verschluss aus.»

Während des Spiels zwischen der Schweiz und Kolumbien machte er insgesamt 40 Fotos. «Während alle anderen Fotografen vielen Momenten hinterherjagten, musste ich langsamer werden, beobachten und auf den einen Moment warten, der es wert war, dafür ein Blatt Film zu verwenden. Wenn ich dann auf den Auslöser gedrückt habe, konnte ich das Ergebnis noch lange nicht sehen. Ich musste warten, bis ich nach Ägypten zurückgekehrt war und den Film entwickelt hatte.»

Nicht perfekt, aber ehrlich und echt

Wenn er sich heute die Fotos anschaut, empfindet er eine Mischung aus «Stolz, Erleichterung und Dankbarkeit. Meine Fotos sind technisch nicht perfekt, aber sie sind ehrlich und echt. Das beweist, dass es in der Fotografie ums Geschichtenerzählen und Emotionen geht, und nicht nur um die Technik».

Dass Kotb übrigens ausgerechnet das Spiel zwischen der Schweiz und Kolumbien fotografisch begleitete, war einem besonderen Umstand geschuldet: Das US-Visum des Ägypters wurde gleich viermal aus unerklärlichen Gründen abgelehnt. Deshalb war er gezwungen, sich für sein aussergewöhnliches Experiment ein Spiel auf kanadischem Boden auszuwählen.

In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen