Darum gehts
Während der VAR über Jahre nur in vier Situationen (Tor, Penalty, Rote Karte, Spielerverwechslung) eingreifen durfte, gelten ab dieser Saison weitere Regeln, welche das International Football Association Board (Ifab) bereits für die WM 2026 eingeführt hatte. Allerdings darf jeder Fussballverband für sich entscheiden, welche davon er für seine nationalen Wettbewerbe übernimmt. Andere Liga, andere Regeln!
Wie in sämtlichen internationalen Uefa-Wettbewerben werden neu auch in der Super League Eckbälle vom Video-Schiedsrichter überprüft. «Sofern der Entscheid sofort und ohne Verzögerung der Spielfortsetzung geändert werden kann», wie der SFV mitteilt. Diese Anpassung gilt allerdings nur für fälschlicherweise ausgesprochene Corner. Ein Abstossentscheid kann nachträglich nicht in einen Eckball umgewandelt werden. Von dieser Regelung hält die Premier League allerdings wenig, in England bleiben Eckbälle vorerst unüberprüft.
Die grössten Unterschiede gibt es bei Spielsituationen, in denen ein Spieler seine Hand vor den Mund hält. In der Serie A gibt es wie an der WM direkt Rot, wodurch der VAR den Schiedsrichter auf entsprechende Szenen aufmerksam machen darf. In der Bundesliga und der La Liga gibt es für die gleiche Aktion nur Gelb. In diesen Ligen könnte die Person hinter dem Bildschirm nur eingreifen, falls es sich um die zweite Verwarnung für einen Spieler handelt, falls diese ungerechtfertigt ausgesprochen wurde. In der Schweiz bleibt die Hand-vor-den-Mund-Geste vorerst komplett unsanktioniert.
Kein Embolo-Fall in vielen Ligen
Es gibt aber auch Regelungen, bei denen unter sämtlichen Verbänden Einigkeit zu herrschen scheint. Dazu zählen zu Unrecht gezeigte zweite Gelbe Karten, die zu einem Platzverweis führen. Hier darf sich der VAR in allen grossen Ligen einschalten. Und auch die für die WM eingeführte Ergänzung zu Spielerverwechslungen interpretiert viele Verbände wie auch der SFV anders als es die Fifa-Schiedsrichter während des Turniers in Nordamerika getan haben.
Ein Beispiel: Gehen zwei Spieler gestrecktem Bein in einen Zweikampf und der Schiedsrichter zückt Gelb gegen den Spieler des Teams A, darf sich der VAR einschalten, wenn er der Meinung ist, dass der Spieler des Teams B das Foulspiel begangen hat. Dabei geht es aber ausschliesslich um die Identität des Spielers, die Korrektheit des Vergehens darf der Videoschiedsrichter nicht überprüfen. Eine nachträglich ausgesprochene Verwarnung wegen einer Schwalbe wie im Fall Embolo ist in der Schweiz also nicht möglich.
Als einzige unter den Top 30 Ligen Europas widersetzt sich Schweden weiterhin der Einführung des VAR. 2024 hatten sich 18 der 32 Profi-Klubs gegen die Einführung des Videobeweises ausgesprochen. Ein Entscheid, der auch damit zusammenhängt, dass die Mehrheitsanteile sämtlicher schwedischer Vereine den Fans gehören. «Wir gewöhnen uns daran, den VAR im internationalen Fussball zu sehen. Aber in unserer heimischen Liga wollen wir ihn nicht», sagte Svante Samuelsson, Sportdirektor der schwedischen Profiligen, in einem Artikel des Wall Street Journal zitiert. «Ich glaube, diese Haltung ist heute sogar noch stärker als zuvor.»
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