Die Eisgenossen haben die Vorspeise geliefert. Die Eishockey-WM war ein Volksfest der Superlative, eine helvetische Nabelschau in einem rot-weissen Meer. Patriotismus à discrétion.
Die W. Nuss ist zurück in Bümpliz. Nach der Vorspeise kommt der Hauptgang. Die Fussball-Weltmeisterschaft. Baschi mit seinem «Chum bring en hei» löst Büne Huber von Patent Ochsner ab. Obwohl: Irgendwie hat der Fussball auch Wurzeln in Bümpliz.
Alain Sutter ist der berühmteste Fussballexport aus der Heimat der W. Nuss. Genau dieser Alain Sutter, der es vom Berner Quartierverein SC Bümpliz bis auf die ganz grosse Bühne geschafft hat. Bis in die USA an die WM-Endrunde, bei der ein Bümplizer mit wehendem Haupthaar gross aufgespielt hat.
Ein Spaltpilz als US-Präsident
32 Jahre später kehrt der Fussball in die USA zurück. Aber die Zeiten haben sich geändert. Die USA sind mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der grossen Freiheit, nicht mehr der Schmelztiegel der Nationen, nicht mehr dieser faszinierende Sehnsuchtsort, der damals auch Zehntausende von Schweizer Fussballfans gelockt hat. «United States» führt man nur noch im Namen.
Der Fussball, der so verbindend wirken soll, ist zu Gast bei einem Land mit einem Spaltpilz als Präsident. Mit einem Dealmaker, der mit Dollarzeichen in den Augen auf die Welt gekommen ist. Nach der WM 2018 bei Wladimir Putin und der sterilen WM 2022 bei Milliardären in Katar jetzt also die USA.
Eine XXL-Hollywood-WM mit künstlichen Trinkpausen zwecks Steigerung der Werbeeinnahmen. Erwünscht sind nur noch diejenigen mit prall gefüllter Brieftasche. Dazu müssen sie noch aus dem richtigen Land kommen. Ein Fan aus dem armen Haiti darf seine Mannschaft nicht vor Ort unterstützen.
Der Kommerz steht über allem
Ja, es wird eine aufgeblähte Casino-WM, die in Sachen Kommerz neue Massstäbe setzt. Donald Trump, der just zum Auftakt 80 Jahre alt wird, und Fifa-Boss Gianni Infantino dürften um die Wette grinsen. Andere werden sich angewidert abwenden. 2030 werden dann WM-Spiele in Spanien, Portugal, Marokko, Uruguay, Argentinien und Paraguay stattfinden. 2034 dürfte der Tross nach Saudi-Arabien ziehen. Der nächste Treppenwitz der Fussballgeschichte.
Der Fussball ist eine Katze mit sieben Leben. Kraft seiner Faszination und seiner Verankerung bis in den hintersten Winkel der Erde wird er auch diese WM erdulden. Man kann den Aufschrei der Fussballromantiker als Gemecker von ewiggestrigen Nostalgikern abtun. Die Welt verändert sich, der Fussball verändert sich.
Trotz allem: Die Zeichen, die der Weltfussballverband unter Gianni Infantino sendet, sind fatal. Diese hemmungslose und radikale Kommerzialisierung konterkariert das Bestreben nach einem vereinenden Weltsport. Der Cashflow hat den Sportsgeist, die Fairness und die integrierende und verbindende Kraft des Fussballs als zentrale Komponente abgelöst. Insofern sind die USA die perfekte Plattform für diese Inszenierung.
Wer nicht mitziehen will, der kann sich alternativ immer noch ein Testspiel des SC Bümpliz anschauen, der in den nächsten Wochen die Vorbereitung auf die Meisterschaft der 3. Liga in Angriff nimmt.
Vielleicht trifft er dort auch die W. Nuss.
