Im Jahr 2016 sitzt Alexander Nouri auf der Schulbank. Er ist 36 Jahre alt. Mit ihm ist auch Julian Nagelsmann in der Klasse. Er ist acht Jahre jünger. Beide haben keine grosse Karriere als Fussballer gemacht. Jetzt büffeln sie gemeinsam für die höchste Trainerlizenz. Nagelsmann schliesst die Ausbildung als Klassenbester ab. Sowohl ihm als auch Nouri wird eine grosse Trainerkarriere prophezeit.
Zehn Jahre später sitzt Nagelsmann im St. Jakob-Park in Basel und coacht die deutsche Nationalmannschaft. Er möchte mit seinem Team im kommenden Sommer den WM-Titel gewinnen. Er ist in der Blüte seines Schaffens. Auf seinen Kollegen Nouri sind keine Scheinwerfer mehr gerichtet. Er verkauft jetzt Hamburger in den McDonald's-Filialen in Herzogenrath und im Dorf Kohlscheid.
Nicht nur in der Schweiz verfestigt sich der Eindruck, dass die Fussballtrainer vom schwächsten Glied in der Kette zum allerschwächsten geworden sind. Das Karussell dreht sich immer schneller. Einer, der runtergefallen ist, ist Alexander Nouri.
Nach seiner Trainerausbildung coacht er als Jungtrainer seinen Stammverein Werder Bremen. Er spielt mit seinem Team in der Bundesliga vorne mit und qualifiziert sich beinahe für die Europa League. Dem empathischen Kumpeltyp fliegen die Herzen zu. Aber dann werden die Resultate schlechter, es geht bergab. Dass man mit seiner Unterschrift unter einen Trainervertrag gleichzeitig seine Entlassung unterschreibt, wird Nouri schnell klar.
Der Abstieg beginnt. Bei Ingolstadt ist nach acht Spielen Schluss, bei Hertha Berlin muss er nach vier Partien seine Koffer packen. Wie so viele, die in diesem Geschäft gross geworden sind, klammert auch er sich an alle fussballerischen Strohhalme. Ein Berufsleben im Fussball ist auch ein Klumpenrisiko und schafft Abhängigkeiten. Man hofft auf eine neue Chance, auf ein neues Glück. Nouri heuert in der zweiten griechischen Liga an. Auch das klappt nicht.
Noch 2019 sagt er in seinem Interview mit der Zeitung «Tagesspiegel», dass er sich ein Leben ohne den Fussball nicht vorstellen könne. «Diese Emotionalität wirst du in keinem Bürojob bekommen.»
Aber er spürt, dass er im grossen Fussball keine Chance mehr bekommt. Und schaut sich nach Alternativen um. «Ich glaube schon, dass es in der Branche viele gibt, die gerne auch noch mal einen neuen Weg einschlagen würden, die sich aber einfach nicht trauen», sagt er zur «Süddeutschen Zeitung». Nouri traut sich und bewirbt sich als Franchisenehmer bei McDonald's. Er macht alle entsprechenden Ausbildungen und übernimmt Anfang dieses Jahres zwei Filialen.
Jetzt sitzen die obersten Bosse des Deutsch-Iraners in den USA. Und Nouri sucht mit dem Verkauf von Happy Meals sein Glück. «Am Ende geht es in beiden Welten darum, Menschen mitzunehmen. Im Fussball sind es Spieler, hier sind es Mitarbeitende. Aber das Grundprinzip ist dasselbe: Du musst verstehen, wer vor dir sitzt, was ihn antreibt, was er braucht, um Leistung zu bringen», sagt er.
So trennen sich zwei Wege, die einst gemeinsam begonnen haben. Der eine ist Trainer der deutschen Nationalmannschaft, der andere führt zwei McDonald's-Filialen.

