In diesem Jahr feiert der FC Luzern seinen 125. Geburtstag. Der Klub ist das sportliche und gesellschaftliche Zentrum der Innerschweiz. Und ein Verein mit einer wechselvollen Geschichte. Auch immer ein kleiner FC Hollywood in einem hoch emotionalen Umfeld.
Gegründet wurde der FCL am 12. August 1901 im Restaurant Seidenhof. 1960 feierte der Klub mit dem Cupsieg seinen ersten Triumph. 1989 folgte der bisher einzige Meistertitel.
Die charakteristische emotionale Berg- und Talfahrt an sich ist den landschaftlichen Begebenheiten der Innerschweiz angepasst. Rauf und runter. Das zeigte sich auch im Jahr des 100-Jahr-Jubiläums, das mit einem glanzvollen Spiel gegen den FC Barcelona gefeiert wurde. Im selben Jahr war der FCL pleite und deponierte seine Bilanz.
Jubiläen sind immer ein Anlass, um den besten Spieler zu küren, der je für den FCL aufgelaufen ist. Ist es der geniale Semir Tuce? Ist es Topskorer Peter Risi? Ist es Hakan Yakin? Oder Jürgen Mohr? Oder der Haudegen René van Eck?
Vergessen geht dabei ganz sicher der Name Erich «Witsche» Hahn. Hahn kommt 1959 von Bayern München in die Innerschweiz. Für die Bayern hat er in 76 Spielen 39 Tore erzielt. Eine ähnliche Quote, wie sie derzeit ein gewisser Harry Kane vorzuweisen hat.
Für 15'000 Mark übernimmt Luzern damals den 22-jährigen Stürmer Hahn von den Münchnern. Die Bayern spielten damals in der Stadt hinter dem Kultklub 1860 nur die zweite Geige. Trotzdem: Die Vorstellung, dass der FC Luzern den Bayern den Topskorer abkaufte, ist aus heutiger Sicht bemerkenswert.
Hahn eilt der Ruf voraus, ein bunter Vogel zu sein. Bei den Bayern hat er sich einst verletzt abgemeldet, weil er lieber Gast bei den Pferderennen in Daglfing sein wollte. Auch dem deutschen Nationaltrainer Sepp Herberger erteilte er eine Absage, weil der Besuch eines Trabrennens für ihn Priorität hatte.
Hahn wird in Luzern zur Attraktion. 1960 wird er unter Trainer Rudi Gutendorf Cupsieger. Auch Gutendorf ist ein Charakterkopf in der 125-jährigen FCL-Geschichte. Er wird später Trainer an Destinationen wie Nepal, Fidschi, Samoa, Ruanda, Antigua, Grenada, Trinidad, Chile, Australien und vielen anderen mehr. Sein Name steht im Guinnessbuch der Rekorde. Er ist der Fussballtrainer mit den meisten internationalen Engagements.
Aber in seiner Anfangszeit coacht Gutendorf in Luzern diesen Erich Hahn. Auch in der Innerschweiz hat Hahn schnell den Ruf des Lebemannes und Schluckspechts. Seine ausgedehnten Wirtshaustouren sind legendär. 1960 wird er vom Schweizerischen Fussballverband für zehn Spiele gesperrt, weil er keiner geregelten Arbeit nachgeht.
Seine Torquote beim FCL ist wie früher bei den Bayern enorm. Er schiesst in 36 Spielen 24 Tore. Trainer Gutendorf ist voll des Lobes: «Er ist der beste Fussballer, den Luzern je gesehen hat. Aber seine Mentalität ist mit der Innerschweiz nicht kompatibel.»
Hahn spielt später für Eintracht Frankfurt und Austria Salzburg, bevor er gegen Ende seiner Karriere in Bellinzona anheuert. Zum Abschluss holt ihn Rudi Gutendorf in die USA zu St. Louis, wo Hahn seine Karriere beendet.
Vielleicht ist Erich Hahn tatsächlich der beste Spieler in der 125-jährigen Geschichte des Luzerner Fussballs.
