Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne
Die deutschen Torhüter

Märchenhaftes und anderes über deutsche Torhüter. Die Kolumne von Felix Bingesser.
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Bert Trautmann (r.) begrüsst 1956 vor dem Final des FA-Cups den Duke of Kent.
Foto: zvg
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Felix BingesserReporter Sport

Schon viele Soziologen haben sich mit der Frage beschäftigt, warum Deutschland immer wieder herausragende Fussballtorhüter hat. Hat es mit den berühmten deutschen Tugenden zu tun? Mit der Disziplin, der Zuverlässigkeit? Damit, dass die Deutschen nie bekannt waren für ihre tänzelnden und verspielten Edeltechniker und Goldfüsschen, sondern der Fussball auch immer mit Kraft, Athletik und Handwerk verbunden war?

Die Ursachen werden vielschichtig sein. Fakt ist: Keine andere Nation hat mit Regelmässigkeit derart grossartige Torhüter. Müsste man drei herausheben, dann wären das Sepp Maier, Oliver Kahn und Manuel Neuer. Die, jeder für sich, eine Ära geprägt haben und zu ihrer Zeit die besten Torhüter der Welt waren.

Genau dieser Manuel Neuer bläst jetzt zum letzten Halali. Er wird heute, wenn Deutschland in die verwegene Mission Titelgewinn startet, wohl im Tor stehen. Und Oliver Baumann, der die ganze Qualifikation gespielt hat, auf die Bank verdrängen. Eine Personalie, die seit Wochen Staub aufwirbelt.

Legendäre Duelle um die Nummer 1

Hahnenkämpfe um die Vorherrschaft als deutsche Nummer 1 haben im Land der guten Torhüter Tradition. 1962 wird Hans Tilkowski vor dem ersten Spiel bei der WM in Chile durch Wolfgang Fahrian ersetzt. Tilkowski will Trainer Herberger an den Kragen. In den 80er-Jahren sägt Uli Stein am Stuhl von Toni Schumacher. Als Stein Trainer Franz Beckenbauer als «Suppenkasper» bezeichnet, sind seine Chancen dahin. 2006 macht Trainer Jürgen Klinsmann zwei Monate vor der Heim-WM Jens Lehmann zur Nummer 1. Alle rechnen damit, dass Kahn nach dieser Schmach zurücktritt.

Doch Kahn setzt sich auf die Bank. Aus dem Werwolf mit den fletschenden Zähnen wird ein Teamplayer. Er hat beim deutschen Sommermärchen an Statur gewonnen. Als Teamplayer hat sich jetzt auch Oliver Baumann erwiesen.

Gegner im Krieg – Held im Fussball

Und wenn bei dieser WM wieder an die versöhnliche und integrative Kraft des Fussballs erinnert wird, dann denkt man ebenfalls an einen deutschen Torhüter. 1945 wird in Deutschland der Fallschirmjäger Bert Trautmann von den Engländern festgenommen und in ein Gefangenenlager nach England überstellt.

In diesem Lager wird in der Freizeit Fussball gespielt. Trautmann wird als Torhütertalent entdeckt, spielt bei Hafturlauben für einen Provinzklub mit und lehnt nach der Freilassung 1948 die Heimreise nach Deutschland ab. Ein Jahr später unterschreibt er einen Vertrag bei Manchester City. Der Aufschrei, dass man einen Nazi und Kriegsgegner verpflichtet, ist am Anfang gross. Vor allem die jüdischen Einwohner von Manchester gehen auf die Barrikaden.

Doch Trautmann gewinnt auch ihre Herzen. Er macht 545 Spiele für Manchester City. 1956 bricht er sich im Cupfinal das Genick. Er spielt weiter, rettet den Sieg, wird zum Helden. Die Ärzte sagen hinterher, dass er nicht nur an einer Querschnittlähmung, sondern am Tod vorbeigeschrammt ist. Der einstige Nazi Trautmann wird als erster Ausländer zu Englands Fussballer des Jahres und wird später auch mit dem «Order of the British Empire» ausgezeichnet. 2007 wählten ihn die Fans zum besten Manchester-City-Spieler aller Zeiten. 

Es gibt sie, die Geschichten, die nur der Fussball schreibt.

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