Früher war es im Fussball einfach. Da gab es Vereinspräsidenten, die kraft ihrer finanziellen Ressourcen alleine bestimmten. Wer zahlt, befiehlt. Sven Hotz, Ruedi Baer oder Gilbert Facchinetti sind Namen dazu. Diese Gattung gehört mittlerweile zu einer aussterbenden Spezies. Das Ehepaar Canepa und Christian Constantin sind bald die letzten Vertreter der «Patron-Präsidenten.»
Die Verbindung von Mäzenatentum und gleichzeitiger Regentschaft ist nicht mehr zeitgemäss. Einer der ersten Trendsetter in dieser Entwicklung ist Bernhard Heusler, der mit einem Direktorengehalt den FC Basel zu einem märchenhaften Höhenflug geführt hat.
Er hat neben Fussballsachverstand und wirtschaftlicher Kompetenz auch strategische Führungsqualitäten in den Klub gebracht. Und das Geld mit dem FCB selber erwirtschaftet, statt eigene Mittel in den Verein zu stecken.
Ein bezahlter Präsident ist auch Matthias Hüppi, der sich seine Arbeit beim FC St. Gallen mit kolportierten 30’000 Franken monatlich entschädigen lässt. Bevor jetzt die Ersten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Hüppi ist jeden Franken wert.
Jeder Transferflop kostet mehr Geld.
Hüppi war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Der Kybunpark ist mehr denn je zum gesellschaftlichen Treffpunkt der Ostschweiz geworden. Wie dieser Klub mobilisiert und emotionalisiert, wird in den Stunden nach dem Cupsieg klar. Kaum je haben strategische Fragen über die Ausrichtung eines Fussballvereins derart aufgewühlt.
Ob Hüppi den internen Zwist tatsächlich aus einer Laune heraus publik gemacht hat, bleibt sein Geheimnis. Jedenfalls konnte er sich in der Stunde des Triumphs sicher sein, dass eine Welle der Solidarität durch die Ostschweiz schwappt.
Der Aufstand der Indianer aus Mostindien, orchestriert von der Thurgauer «Immo-Mafia», ist von dieser Welle wie eine Kinder-Sandburg am Strand weggespült worden. Die Revolution hat ihre Kinder gefressen, bevor sie am Tisch gesessen sind.
2010 war das noch anders. «Es geht nicht um mich, sondern um die Sache», sagte Hüppi damals. Und legte sein VR-Präsidium nieder. Der Satz stammt aber nicht von Matthias, sondern von seinem Bruder Michael Hüppi, der in den damaligen turbulenten Zeiten seinen Sessel als VR-Präsident räumte und für Retter Dölf Früh Platz machte. Einige Jahre zuvor hat der einstige FCSG-Übervater Edgar Oehler das Bonmot geprägt: «St. Gallen wird geführt wie ein Trachtenverein.»
Hüppi und Hüppi, zwei Brüder im Sturm des Orkans. Der eine machte vor 16 Jahren Platz, der andere markiert Präsenz. Ebenfalls mit den Worten: «Es geht nicht um mich, sondern um die Sache.»
Matthias Hüppi, der sich im Prozess der letzten Wochen übergangen, verletzt, und zu wenig einbezogen fühlte, hat diesen Machtkampf gewonnen.
Aber die Ostschweizer Idylle ist nachhaltig beschädigt. Einflussreiche Leute und potente Geldgeber ziehen sich zurück. Von denen gibt es auch im Osten des Landes nicht viele.
Der Druck auf die Klubführung wird grösser. Und die Nachfolgeregelung im Verwaltungsrat ist nicht vom Tisch.
Ob man das schadlos übersteht oder ob man dereinst von einem Pyrrhussieg reden wird, müssen die nächsten zwei Jahre zeigen.