Erneut Spektakel im Wankdorf
Tor-Monster Essende dreht Spiel gegen Servette

YB bleibt die Spektakel-Mannschaft der Super League: Auch gegen Servette fallen fünf Tore. Die Berner drehen dabei einen 0:2-Rückstand in einen Sieg.
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Macht sich gegen Servette zum Matchwinner: Samuel Essende trifft beim 3:2-Sieg doppelt.
Foto: Christian Pfander/freshfocus

Die Schlüsselszene

In der 52. Minute rennen vier, fünf Genfer auf zwei Berner Verteidiger zu. Es ist die Chance zum 3:1. Aber Jesper Karlsson verdaddelt sie mit einem zu langen Lauf – und einem miesen Pass auf Bradley Mazikou. Vorbei ist sie, die Gelegenheit, das Spiel zu entscheiden. Dafür bezahlen die Genfer später cash.

Das Spiel

Der defensive YB-Wahnsinn geht gegen Servette weiter. Dabei im Mittelpunkt: Sandro Lauper, dem in der ersten Halbzeit ein unrühmlicher Doppelpack gelingt. Erst eröffnet er Gegenspieler Mutandwa unglücklich eine erste Topchance, die nach einer starken Parade von Keller zu einem Eckball führt. Dort verliert er das Kopfballduell gegen Torschütze Burch. Vor Mutandwas 0:2 leistet dann Abwehrkollege Benito zu wenig Gegenwehr.

Dazu kommt: YB tut sich im Wankdorf dieses Mal auch schwer mit dem Toreschiessen. Nicht, dass es keine Chancen hätte – doch die sonst so treffsicheren Berner Stürmer sündigen reihensweise. Sanches und Essende haben bei ihren Aluminium-Treffern auch noch Pech.

Irgendwann höhlt der stete YB-Tropfen dann aber doch den Stein, weshalb das Heimteam den Zweitore-Rückstand bis zur 69. Minute ausgleichen kann. Die Berner Schlussoffensive verläuft dann zäh – doch YB krallt sich dank einem weiteren Essende-Tor, dem bereits 10. in dieser Saison, spät tatsächlich noch den Sieg.

Die Tore

13. Minute, Marco Burch, 0:1. Karlsson tritt einen Corner von der linken Seite in den YB-Strafraum, wo Lauper das Duell gegen Burch verliert. Der Servette-Verteidiger lässt anschliessend Keller mit seinem präzisen Kopfball in die untere rechte Ecke keine Abwehrchance.

30. Minute, Kingstone Mutandwa, 0:2. Mit einem Steilpass auf Mutandwa ist die YB-Abwehr praktisch ausgehebelt. Als letzten Gegenspieler lässt der Servette-Stürmer, der hauchdünn nicht im Abseits steht, dann auch noch Benito stehen und schlenzt den Ball punktgenau ins YB-Tor.

39. Minute, Alan Virginius, 1:2. Nach einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte kombiniert sich YB schön durch die Genfer Abwehr. Fernandes steckt schliesslich auf den freistehenden Virginius durch, der Servette-Keeper Gertmonas mit seinem Abschluss in der nahen Ecke erwischt.

69. Minute, Samuel Essende, 2:2. Sanches läuft auf der rechten Seite vor das Servette-Tor und schliesst aus spitzem Winkel ab. Gertmonas ist zwar zur Stelle, der Abpraller landet aber direkt vor den Füssen von Essende – und der YB-Stürmer staubt zum Ausgleich ab.

83. Minute, Samuel Essende, 3:2. Essende steigt nach einem Corner des eingewechselten Etoski am höchsten. Mit einem wuchtigen Kopfball aus kurzer Distanz macht er sich zum Doppeltorschützen.

Die Stimmen (gegenüber Blue)

YB-Torhüter Marvin Keller: «Wir wollten unbedingt die drei Punkte holen. Wir haben gewusst, dass wir den Match noch drehen wollen und können. Dementsprechend gross ist die Freude. Die beiden Tore sind aber extrem frustrierend. Wir waren defensiv zu weit weg von den Gegenspielern und haben komische Tore zugelassen – so gehts nicht weiter.»

Servette-Verteidiger Marco Burch: «Es ist sehr unglücklich. Wir kennen die Qualitäten von YB und haben über weite Phasen gut dagegenhalten können, aber am Schluss ist es zu wenig und unglücklich, eine solche Führung aus der Hand zu geben. Ich gebe es als Verteidiger nicht gerne zu, aber Essende ist ein sehr guter Stürmer und ist gut in Form – wir haben es nicht fertiggebracht, gut genug zu verteidigen.»

Der Beste

Lange sind die beiden Servette-Innenverteidiger Marco Burch und Steve Rouiller erste Anwärter auf den Preis. Aber dann wird ihnen doch noch von Samuel Essende die Show gestohlen. Für einmal wenig zu sehen – und trotzdem Matchwinner? Das heisst dann wohl für einen Stürmer: Job zur vollen Zufriedenheit erledigt.

Der Schlechteste

Es ist Sandro Laupers Pech, dass er innerhalb weniger Sekunden zweimal sehr unvorteilhaft im Luftduell aussieht. Am Ende steht das 0:1 durch Marco Burch.

Die Fans

24’370 Tickets sind verkauft worden. Die anwesenden Fans sind nicht besonders laut, obwohl die Spieler vor allem in Halbzeit eins ein Feuerwerk abbrennen. Ein solches gibt es dafür für einmal in keiner der beiden Kurven zu sehen. Ungewohnt für die Super League.

Die Schiedsrichter

Schiedsrichter Mirel Turkes mag bei Rouillers robustem Einsatz gegen Sanches nach acht Minuten keinen Penalty geben, weil der Ball wohl schon etwas weit weg ist. Er gibt dann kurz vor der Pause auch keinen Elfmeter, als Lauper Gegenspieler Fofana mit einer Hochrisikogrätsche abräumt und dabei vielleicht, möglicherweise, es könnte sein, nebst dem Gegner auch noch den Ball mit einem Stollen leicht berührt. Hätte man gut beides pfeifen können – hebt sich aber in Summe auf.

Das gab zu reden I

Reissen die Genfer das Gras aus dem Stade de Genève und ersetzen es durch einen Kunstrasen? Drei Spiele haben die Genfer in den letzten acht Tagen auf Plastik ausgetragen. Die Ausbeute: zwei Siege in Lausanne und in Thun. Lange sieht es auch in Bern nach einem Punktgewinn aus. Bis Essende doch noch trifft. Vielleicht also doch kein Kunstrasen im Genfer Stadion.

Das gab zu reden II

Wer das heutige Wankdorfstadion und das Kader der Young Boys anschaut, mag es kaum glauben. Aber vor 25 Jahren hatte YB riesige finanzielle Probleme und kämpfte um den Aufstieg in die höchste Schweizer Liga. Vor dem Servette-Spiel feiert der Klub seine Aufsteigermannschaft aus dem Jahr 2001 mit Spielern wie Gürkan Sermeter, Erich Hänzi, Artur Petrosyan oder Thomas Häberli. Natürlich auch dabei der damalige Sportchef Fredy Bickel und sein Trainer Marco Schällibaum, die damals in der vielleicht berühmtesten WG der Stadt Bern lebten.

So gehts weiter

Aufgrund der langen Nati-Pause stehen beide Teams erst am Wochenende des 10. und 11. Oktober wieder im Einsatz. Servette empfängt dann am Samstag (10.) um 18 Uhr Sion. YB reist einen Tag später für das Gastspiel bei GC in den Zürcher Letzigrund.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
9
20
25
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
9
13
19
3
FC Sion
FC Sion
9
9
19
4
FC Basel
FC Basel
9
0
13
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
9
-3
13
6
FC Luzern
FC Luzern
9
-1
12
7
FC Zürich
FC Zürich
9
-6
11
8
Servette FC
Servette FC
9
-2
10
9
FC Thun
FC Thun
9
-8
10
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
9
-11
8
11
FC Vaduz
FC Vaduz
9
-3
6
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
9
-8
6
Meisterschaftsrunde
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