Die Schlüsselszene
Es geht im Berner Derby zeitweise fast wie im Training zu und her. Gespielt ist erst eine gute halbe Stunde. Das Bällchen rollt dem Strafraum entlang. Imeri und Sanches und Co. lassen die Thuner leerlaufen. Am Ende legt Blum mit dem Kopf auf für Fernandes, der – untypisch für den Sechser – gleich zwei Oberländer stehenlässt und mit einem hochpräzisen Schuss in die nahe Ecke das dritte Tor macht. Es ist die Entscheidung nach genau 33 Minuten! Und es muss der Konkurrenz Angst machen, wenn selbst Fernandes solche Szenen zeigt und Blum schon den dritten Skorerpunkt verbuchen kann.
Das Spiel
Die Thuner scheinen nach dem bitteren Aus in der Champions-League-Quali gegen Dinamo Zagreb noch etwas müde zu sein. Die Young Boys sind im Derby in allen Belangen besser. Bereits nach 33 Minuten ist die Partie entschieden – die Berner führen im Derby da bereits mit 3:0. Wer eine Reaktion der Thuner nach dem Seitenwechsel erwartet, wird enttäuscht. YB powert weiter, während Thuns Defensive offen wie ein Scheunentor steht und die Gäste zu Toren einlädt. Es werden Erinnerungen an die Klatsche im letzten Spiel der vergangenen Saison wach, als YB den Meister gleich mit 8:3 weggeklatscht hat.
Immerhin zeigen die Thuner ein kleines Aufbäumen in der Schlussphase. Zu einem Tor reicht es aber nicht. Zu allem Überfluss muss der eingewechselte Verteidiger Michael Heule verletzt raus. Weil Trainer Gian-Luca Privitelli bereits fünfmal gewechselt hat, müssen die Berner Oberländer das Spiel zu zehnt beenden. So verliert Thun mit 0:6 und muss sich für das Spiel am Donnerstag gegen Vikingur Reykjavik in der Europa-League-Qualifikation einiges einfallen lassen, denn mit solch einer Leistung wird es auch gegen die Isländer schwierig.
Die Tore
10. Minute, Joël Monteiro, 0:1. Die Berner kontern. Monteiro erhält auf der linken Seite viel zu viel Platz, kann Gegenspieler Dähler locker aussteigen lassen und aus spitzem Winkel abziehen. Via Innenpfosten landet der Ball im Netz.
24. Minute, Lewin Blum, 0:2. YB fordert nach einem Bock von Thun-Goalie Niklas Steffen einen Penalty. Diesen gibts aber nicht, aber der Ex-Thuner Kastriot Imeri führt den Einwurf nach der Szene schnell aus. In der Folge scheitert Alvyn Sanches an Steffen, doch der Nachschuss von Lewin Blum sitzt.
33. Minute, Edimilson Fernandes, 0:3 (siehe Schlüsselszene). Thun kann einen Ball nicht klären. Edimilson Fernandes setzt sich locker gegen zwei Oberländer durch und schiebt die Kugel dann abgeklärt ein.
53. Minute, Samuel Essende, 0:4. Nicolas Bürgy klammert Samuel Essende im eigenen Strafraum. Schiedsrichter Urs Schnyder entscheidet sofort auf Penalty. Samuel Essende übernimmt die Verantwortung und trifft eiskalt.
68. Minute, Kastriot Imeri, 0:5. Samuel Essende legt den Ball auf den Thuner Meisterhelden Kastriot Imeri ab, der mit seinem abgefälschten Holperschuss glücklich zum 5:0 trifft. Goalie Niklas Steffen war schon auf dem Weg in die andere Ecke.
89. Minute, Samuel Essende, 0:6. Die Young Boys sind gnadenlos. Essende wird im Strafraum völlig alleine gelassen. Die Flanke von Stefan Bukinac kommt massgeschneidert und der Stürmer hat keine Probleme, den Ball per Kopf im Tor unterzubringen.
Die Stimmen (gegenüber blue)
Marvin Keller: «Es ist ein super Gefühl. Wir wissen, um was es hier gegangen ist. Es tut uns allen gut. Wir haben uns vor allem in der Defensive viel vorgenommen. Deshalb ein grosses Kompliment an die Mannschaft. Wir wollten nach der Pause dranbleiben. Wir haben 6:0 gewonnen, mehr ist es aber auch nicht. Ich bin erst seit dieser Woche zurück. Es harmoniert sehr gut. Die Offensive war aber nie das Problem.»
Lewin Blum: «Die erste Halbzeit war super und in der zweiten konnten wir gleich nachdoppeln. Wenn man so gewinnt, ist viel aufgegangen. Ich freue mich sehr über meine Scorerpunkte. Es macht Spass, so Fussball zu spielen. Wir sind gut im Flow und müssen jetzt so weitermachen. Ich bin hier und spiele hier. Ich hoffe, es geht so weiter.»
Nicolas Bürgy: «Es ist ein Albtraum-Abend. Ich glaube, heute haben wir alles vermissen lassen. Wir haben alle Tugenden vermissen lassen und ihnen noch in die Karten gespielt. Wir waren nicht in den Duellen und haben heute als Mannschaft versagt. Ich schaue nur auf uns. Das ist weit weg von dem, was wir können. Klar, es ist neu für uns, die Doppelbelastung zu haben, sowohl physisch als auch mental. Das darf aber keine Ausrede sein. Ich bin froh, geht es schon bald weiter. Die Mannschaft hat Qualität, auch wenn man heute nichts davon gesehen hat. Wir dürfen jetzt aber nicht auf andere zeigen.»
Der Beste
Es ist ein Genuss, Alvyn Sanches zuzuschauen. Obwohl Lewin Blum ein Tor und einen Assist verbucht und mit einer Monstergrätsche glänzt und Samuel Essende zweimal trifft, ist Juwel Sanches die Nummer eins. In der ersten Halbzeit hat er bei allen Toren seine Füsse im Spiel und trifft kurz vor Schluss nur den Pfosten.
Der Schlechteste
Einige Thuner ziehen einen schwarzen Tag ein. Einen rabenschwarzen, zum Beispiel Ashvin Balaruban. Gleich bei mehreren Toren steht er im Schilf. Aber auch Saiz und Dähler sind nicht viel besser.
Das gab zu reden
Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an Dinge gewöhnt – zum Beispiel ans Toreschiessen. Denn das 3:0 wird weder durch die YB-Spieler (Edimilson Fernandes ist da ohnehin kein Extravaganter) noch die Bank noch den Coach exzessiv bejubelt. Gerardo Seoane ballt gerade mal eine Faust.
Die Fans
Tolle Stimmung im Visana-Stadion. Auch wenn sie bei den Rotweissen schnell kippt. Aber nicht ins Negative. Man gibt sich dem Unvermeidlichen hin und nimmt es sportlich, dass YB derzeit halt klar besser ist.
Der Schiri
Top-Leistung von Urs Schnyder und seinem Team. Auch richtig, dass VAR Mirel Turkes weder beim nicht gegebenen möglichen Penalty bei einer Intervention von Bürgy gegen Essende eingreift noch beim gepfiffenen Elfer, den derselbe Spieler gegen denselben Spieler verursacht. Beide Situationen sind nicht glasklar falsch und durchaus diskutabel. Also lässt man den On-field-Entscheid stehen und stärkt auch dem Ref den Rücken! So geht VAR!
So gehts weiter
Die Thuner müssen auch diese Niederlage nun schnell aus den Köpfen streichen. Denn bereits am Donnerstag geht es in der Qualifikation für die Europa-League-Ligaphase gegen Vikingur Reykjavik weiter, ehe am Sonntag das Spiel gegen den FC Basel ansteht. YB muss erneut auswärts antreten – am Samstag gehts nach Lausanne.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |