Winti-Fan Beni Thurnheer über den Abstieg seines FCW
«Nach der Führung gegen GC gönnte ich mir eine Zigarre»

Der FC Winterthur steigt nach vier Jahren in der Super League wieder ab. Ein Gastbeitrag des ehemaligen SRF-Kommentators und FCW-Beirats Beni Thurnheer (76).
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Beni Thurnheer

Als der FC Winterthur vor vier Jahren überraschend den Aufstieg schaffte, waren die Bedenken gross. Würde der Verein mit dem klar kleinsten Budget in der Super League zum Kanonenfutter werden? Ausserdem wechselte Erfolgstrainer Alex Frei zu Basel.

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TV-Legende Beni Thurnheer erlebte den Abstieg des FC Winterthur hautnah mit.
Foto: SVEN THOMANN

Sein Nachfolger Bruno Berner bewältigte die ihm gestellte Herkulesaufgabe und sicherte den Ligaerhalt in der letzten Runde. Dies verschaffte ihm den Trainerposten bei den Grasshoppers. Mit Patrick Rahmen lief es dann noch besser: Rang 6! Teilnahme an der Meisterrunde! Kein Wunder wurde er von den Young Boys abgeworben. Assistent Ognjen Zaric wurde sein Nachfolger, und zum ersten Mal trat nun ein, was man eigentlich schon immer erwartet hatte: Letzter Platz im Dauer-Abo! War er der falsche Trainer? Wie man es nimmt. Eben hat er in Österreich mit Altach den Cupfinal erreicht. Und Feuerwehrmann Uli Forte schaffte das Unmögliche: Ligaerhalt wieder am letzten Spieltag!

In dieser Saison wurde nun das schon halb vergessene, normale, schlimmste Szenario wahr: nur zwei Punkte aus den ersten neun Spielen, letzter Tabellenplatz bis zum Schluss. Und doch sah es am Ende plötzlich so aus, als könne die Rettung nochmals gelingen, denn die Grasshoppers schlingerten auf einem ähnlichen Kurs. Also auf zum vorentscheidenden Duell GC – FCW.

Geld schiesst keine Tore – zumindest temporär

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn herrschte im Letzigrund noch tote Hose. Dann traf der Fanmarsch der Gäste ein. «Wenn wir in Führung gehen, genehmige ich mir eine Zigarre», liess ich die Kollegen um mich herum wissen. Bis ich überhaupt daran dachte, sie anzuzünden, hiess es schon 2:0! Und ja, liebe Moralisten, ich habe alle Leute um mich herum gefragt, ob das mit dem Rauch in Ordnung sei.

Thurnheer raucht Zigarre im Stadion
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Auf frischer Tat ertappt:Thurnheer raucht Zigarre im Stadion

Die Hoffnung und die Zigarre glimmten über eine Halbzeit lang, erloschen dann aber doch noch frühzeitig. Beim Ausgang konnte es ein GC-Fan nicht lassen, mir ein «FCW – Nati B» nachzurufen. Nati B? Heisst das nicht Challenge League? Pass nur auf, dass wir uns nicht innert kürzester Zeit wiedersehen, dachte ich mir. 

Der Abstieg wäre ja schon in den letzten drei Jahren immer logisch gewesen. Geld schiesst zwar keine Tore und der Fussball ist herrlich unberechenbar (Thun!), doch auf die Dauer setzt sich dann eben doch die monetäre Logik durch. 

Der FCW ist schon ein besonderer Verein

Der FC Winterthur hat die vier Jahre aber genutzt, um in der Stadt ein anhaltendes Fussballfieber zu entfachen. Er zählt unterdessen auf eine stattliche Anzahl Fans, die sich einigermassen benehmen und dafür sorgen, dass Winti überall ein gerngesehener Gast ist. Sind sie nun alle enttäuscht? Sicher! Von Frustration aber keine Spur. Sie feierten ihre Mannschaft im Letzigrund, obwohl der Abstieg definitiv feststand. Der FCW ist schon ein bisschen ein besonderer Verein.

Ich erwarte deshalb in der Challenge League die höchsten Zuschauerzahlen, jedoch nicht den sofortigen Wiederaufstieg. Der hintere Teil der Super League und der vordere Teil der Challenge League liegen niveaumässig ziemlich eng beisammen, die beiden Unterklassigen in den Cup-Halbfinals unterstreichen dies.

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Und in der sechstgrössten Stadt der Schweiz mit 120'000 Einwohnern hat sich immer noch kein(e) Unternehmer(in) geoutet, der sich so wie Präsident Mike Keller engagieren würde. Dass dieser nicht immer noch eine Million und noch eine Million springen lassen kann und will, um die ständigen Defizite (trotz des schon kleinen Budgets) zu decken, versteht sich von selbst. Hoffentlich bleiben trotzdem einige der in der abgelaufenen Saison herausragenden Spieler an Bord, ich denke da vor allem an Kapino, Golliard, Burkart und Hunziker. Die Stimmung auf der Schützenwiese wird jedenfalls auch in der kommenden Saison wieder super sein: Schüü-tzee-wiee-see! 

Beni Thurnheer (76) war langjähriger Sportreporter, Moderator und Showmaster beim SRF. Er sitzt im Beirat des FC Winterthur.

Brack Super League 25/26 - Meisterrunde
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
36
33
74
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
36
23
66
3
FC Lugano
FC Lugano
36
13
63
4
FC Sion
FC Sion
36
23
61
5
FC Basel
FC Basel
36
3
56
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
36
6
51
Champions League-Qualifikation
Conference League Qualifikation
Brack Super League 25/26 - Relegationsrunde
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Luzern
FC Luzern
37
7
50
2
Servette FC
Servette FC
37
6
50
3
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
37
-12
42
4
FC Zürich
FC Zürich
37
-21
38
5
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
37
-28
30
6
FC Winterthur
FC Winterthur
37
-53
23
Relegation Play-Offs
Abstieg
In diesem Artikel erwähnt
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