Darum gehts
- Stephan Lichtsteiner (42) erlebt als neuer FC Basel-Trainer grossen Druck
- Er trifft bereits harte Entscheidungen
- Nach dem Sieg über den FCZ sagt er:«Der Weg ist noch lang.»
Es muss zwei Stephan Lichtsteiner (42) geben. Einen, der jeweils am Spielfeldrand herumtigert, wenn seine Mannschaft spielt. Der Schiedsrichter anbrüllt und eigene Spieler. Der heftig auf sein Taktikbrett malt, wenn sein Team das traditionelle Gegentor in der Startphase kassiert. Und der in der 96. Minute auf dem Weg zum Torjubel eine Höchstgeschwindigkeit erreicht, von der sein Stürmer Moritz Broschinski (25) wohl nicht mal zu träumen wagt.
Und dann gibt es da noch einen zweiten Stephan Lichtsteiner (vermutlich ebenfalls 42). Einen, der jeweils vor die Medien tritt. Und dabei trockener wirkt als ein gut gelagerter Zwieback von der Jahrtausendwende. Zum Beispiel, wenn er seinen völlig losgelösten Super-Sprint auf den Rücken des Torschützen Ibrahim Salah (24) so kommentiert: «Emotionen, sagen wir es so.»
Darauf kann Lichtsteiner nicht vorbereitet sein
Aber gut, dann sagen wir es halt so: Emotionen. Emotionen, die alles darüber aussagen, wie schwer der Druck auf einem Trainer beim FC Basel lastet, wenn er seine ersten drei Spiele verloren hat. Und dabei gleich zwei bis eher drei Saisonziele flöten gehen.
Lichtsteiner muss rational gewusst haben, worauf er sich in Basel einlässt. Und doch kann nichts und niemand einen Mann wirklich auf die Wirklichkeit vorbereiten, der zuletzt in der vierthöchsten Liga trainiert hat. Kein Titel, den er als Spieler geholt hat. Keine 108 Länderspiele als Rechtsverteidiger. Diese Wucht der Aufgabe, diese Ansprüche von allen Seiten, diese Machtlosigkeit wenn alle Spieler in einer Krise stecken – das erlebt Lichtsteiner zum ersten Mal.
Dabei beweist er schnell, dass er keine Mühe damit hat, harte Entscheidungen zu treffen. Gegen den FC Zürich setzt er Albian Ajeti (28) und Jeremy Agbonifo (20) auf die Tribüne. Der eine hat beim Cup-Out in St. Gallen in den ersten 45 Minuten enttäuscht. Der andere danach als Ersatzspieler.
«Nicht einverstanden mit den Ersatzspielern»
«Ich war zuletzt nicht 100 Prozent einverstanden damit, was die Spieler gezeigt haben, die hereingekommen sind», sagt Lichtsteiner. Was als Kommentar zu Agbonifo gewertet werden darf. Und zu Ajeti, der eigentlich die Nummer 1 im Basler Sturm sein soll: «Er hat sicher eine schwierige Phase. Er hat am Freitag wegen Knieschmerzen nicht trainiert. Darum wollte ich ihm zwei Tage frei geben.»
Ajeti erlebt also so etwas wie eine Mischung aus Denkzettel und Schonung. Agbonifo soll als Mahnung an all jene dienen, die auf der Basler Ersatzbank auf ihren Einsatz warten. Interessant wird diese Strategie mit Blick auf Julien Duranville (19), der sich innert weniger Spiele vom Hoffnungsträger zum wandelnden Fragezeichen verwandelt hat. Genau die umgekehrte Entwicklung, die man sich in Basel und Dortmund von ihm erhofft hat. Wird Lichtsteiners harte Hand bald auch ihn treffen?
Vorerst dürfen die Basler darauf hoffen, dass zwei Tore in der 90. und 96. Minute ihre heilsame Kraft entfalten. Wer Flavius Daniliuc (24) nach der Niederlage in St. Gallen gesehen hat und nach dem Sieg gegen den FCZ, spürt: Ja, so ein Sieg kann aus zutiefst traurigen Männern, strahlende Jungs machen.
Lichtsteiner weiss: Es gibt keine Wunderheilung
Aber Lichtsteiner ist Realist genug, dass er weiss: Diese Saison des FC Basel ist zu kompliziert, als dass man auf eine Wunderheilung hoffen dürfte. Darum verweist er darauf, dass die Basler ja schon vor zwei Wochen mit einer spektakulären Schlussphase einen knappen Sieg gegen den FCZ gefeiert haben.
Danach wurde er als Nachfolger von Ludovic Magnin (46) eingesetzt. Der FCB verlor dreimal in Serie. Und spielt dann auch gegen Zürich während 80 Minuten einen furchtbar schlechten Fussball.
Darum sagt jener Stephan Lichtsteiner, der nach dem 2:1 gegen den FCZ vor die Medien tritt: «Der Weg ist noch lang.» Und er weiss, dass die Basler nicht so schnell unterwegs sein werden, wie der Stephan Lichtsteiner, der ein Siegestor in letzter Sekunde feiert.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 23 | 24 | 52 | |
2 | FC Lugano | 23 | 11 | 41 | |
3 | FC St. Gallen | 22 | 14 | 39 | |
4 | FC Basel | 23 | 9 | 39 | |
5 | FC Sion | 23 | 6 | 34 | |
6 | BSC Young Boys | 23 | -2 | 33 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 23 | 2 | 29 | |
8 | Servette FC | 23 | -7 | 25 | |
9 | FC Zürich | 23 | -12 | 25 | |
10 | FC Luzern | 23 | -3 | 24 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 23 | -11 | 20 | |
12 | FC Winterthur | 22 | -31 | 14 |



