Jubel, Trubel, Heiterkeit in Basel. Aber erst in der 96. Minute. Bis zu Xherdan Shaqiris 1:1 durch Foulpenalty sieht der Auftritt des FC Basel so aus, als ob alle Spieler dringend in eine Gruppentherapie müssten. Jede Reihe ist irgendwie für sich unterwegs: die Abwehr, das Mittelfeld und der Sturm.
Im Tor steht wieder Marwin Hitz, der eigentlich gar nichts zu tun bekommt. Ausser den Ball beim 0:1 aus dem Netz zu holen. Vor ihm verteidigt ein Flavius Daniliuc, der sich endlich wieder seiner Normalform anzunähern scheint. Nicolas Vouilloz sieht als Innenverteidiger ebenfalls weit besser aus als hinten rechts. Dort hat Kevin Rüegg vielleicht seinen letzten Auftritt in der Startformation, weil Keigo Tsunemoto in Halbzeit zwei sein Comeback gibt.
Im Zentrum hat Léo Leroy in der 47. Minute einen Schutzengel namens Urs Schnyder. Der Schiedsrichter zückt nach Leroys Foul an Cheveyo Tsawa nicht Gelb-Rot. Unverständlich. Dion Kacuri hat wenig Einfluss und muss verletzt raus. Und Xherdan Shaqiri muss sich damit abfinden, dass ihn Nelson Palacio vielleicht nach dem Spiel noch nach Hause begleitet, weil er sich so daran gewöhnt hat, dem Basler Spielgestalter auf Schritt und Tritt zu folgen. Shaqiri hat trotzdem ein paar seiner Laserpässe im Angebot. Und verwandelt in der 90. seinen Penalty sicher.
Im Angriff spielt der 18-jährige Giacomo Koloto erstmals von Beginn weg. Er hat gegen den kämpferischen Lindrit Kamberi einen schweren Stand, aber eine grossartige Szene, als er in der 57. Nevio Di Giusto davoneilt – aber bloss den Pfosten trifft. Gleich darauf wird er gegen einen Moritz Broschinski ausgewechselt. Der fällt dann beim ersten Steilpass in seine Richtung einfach hin. Energieverlust – oder sonst etwas. Womit er seinen folgenden Auftritt bereits schön zusammengefasst hat.
Die Flügel Bénie Traoré und Julien Duranville sind beide schwach. Aber immerhin haben die Basler diesmal eine Bank, die für den Unterschied sorgen kann. Andrej Bacanin und Ibrahim Salah sind zwar zu kurz im Einsatz, um benotet zu werden. Aber sie sorgen für die Wende und damit zur Basler Freudeneruption in der 96. Minute.
Hinweis:
Duranville bis 58., Koloto bis 58., Kacuri bis 63., Rüegg bis 63. und Traoré bis 82. Minute.
Soticek ab 58., Broschinski ab 58., Bacanin ab 63., Tsunemoto ab 63. und Salah ab 82. Minute – Bacanin, Tsunemoto und Salah zu kurzer Einsatz für eine Bewertung.
Und so haben die FCZ-Spieler abgeschnitten
Da spielt der FCZ sein defensiv stabilstes Spiel des Jahres – und steht am Ende trotzdem als Verlierer da. Das liegt nicht an Goalie Silas Huber, auch wenn der 20-Jährige bei seinem zweiten Auftritt in der Startformation ein paar Wackler mit den Füssen drin hat. Und in der ersten Halbzeit Glück, dass seine verunglückte Flugeinlage nach einer Flanke von Xherdan Shaqiri nicht bestraft wird.
Die Abwehr zeigt sich in der Viererkette massiv verbessert im Vergleich zum wilden Auftritt in Bern vor einer Woche. Rechts ist Chris Kablan der beherzte Zweikämpfer, den man sich von ihm in Zürich erhofft hat. Im Zentrum sind Lindrit Kamberi und Ilan Sauter griffig in den Duellen. Wobei Sauter das Kunststück schafft, nach einer Verwarnung in der 5. Minute nicht einmal in die Nähe einer Gelb-Roten Karte zu kommen – und erst noch das eine Zürcher Tor erzielt. Links ist Livano Comenencia ebenfalls froh, dass seine Aufgabe einfach nur Linksverteidiger ist.
Was dem FCZ das Genick bricht, ist, dass nicht alle Spieler durchhalten. Kablan muss verletzt raus. Kein Zufall, dass beide Basler Tore über die Seite fallen, die er zuvor dicht gehalten hat.
Im Zentrum hat Nelson Palacio eine ganz besondere Aufgabe: Er rennt einfach 96 Minuten lang Shaqiri hinterher. Ob er in der Pause auch in die Basler Kabine marschiert ist, ist nicht überliefert. XS kann zwar immer wieder einen seiner Steilpässe aus dem Fussgelenk schütteln. Trotzdem ein stabiler Auftritt von Palacio.
Mehr Mühe haben Bledian Krasniqi und Cheveyo Tsawa. Aber das liegt daran, dass sie nicht nur gegen, sondern auch mit dem Ball etwas anfangen müssten. Und das liegt dieser Zürcher Mannschaft an diesem Nachmittag eher weniger. Wenn etwas geht, dann am ehesten noch über Nevio Di Giusto, der erst Minuten vor Anpfiff in die Mannschaft rückt, weil sich Matthias Phaëton beim Warmmachen verletzt.
Di Giusto ist auf dem Weg zur 5, bis ihm Giacomo Koloto in der 57. Minute heftig um die Ohren rennt und den Pfosten trifft. In der 71. Minute muss Di Giusto mit Krämpfen vom Feld. Auch das hilft dem FCZ nicht.
Vorne schliesslich haben Umeh Emmanuel und Damienus Reverson einen schweren Stand. FCZ-Trainer Dennis Hediger wird sich darauf freuen, dass der gelb-gesperrte Philippe Kény am Mittwoch gegen Winterthur wieder mitmachen darf.
Bitter aus Zürcher Sicht: Mit jedem Einwechselspieler sinkt die Qualität. Bis am Ende die Niederlage steht. Mit Vincent Nvendo als Vorzeigebeispiel. Er steht erst wenige Sekunden auf dem Feld, als er Dominik Schmid im FCZ-Strafraum auf den Fuss steht – und so die Wende einleitet.
Hinweis:
Di Giusto bis 71., Kablan bis 77., Reverson bis 86. und Emmanuel bis 86. Minute.
Odera ab 71., Bangoura ab 77., Nvendo ab 86. und Ihendu ab 86. Minute – alle zu kurzer Einsatz für eine Bewertung.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 23 | 24 | 52 | |
2 | FC Lugano | 23 | 11 | 41 | |
3 | FC St. Gallen | 22 | 14 | 39 | |
4 | FC Basel | 23 | 9 | 39 | |
5 | FC Sion | 23 | 6 | 34 | |
6 | BSC Young Boys | 23 | -2 | 33 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 23 | 2 | 29 | |
8 | Servette FC | 23 | -7 | 25 | |
9 | FC Zürich | 23 | -12 | 25 | |
10 | FC Luzern | 23 | -3 | 24 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 23 | -11 | 20 | |
12 | FC Winterthur | 22 | -31 | 14 |

