Darum gehts
- Koller nutzte beim FCZ erst 42 von 55 möglichen Wechseln
- Bei engen Spielen bringt er nur, wer klar helfen kann.
- Trotz des schmalen Kaders steht der FCZ auf Rang 4
Wild wird das Spiel. Hektisch. Fast jeder Angriff des Gegners endet mit einem Abschluss. Im Zentrum scheint jede Organisation verloren. Der eigene Ballbesitz? Dauert höchstens ein paar Sekunden. Die letzten 20 Minuten gegen Luzern sind für den FC Zürich eine immer schwieriger werdende Durchhalte-Übung.
Draussen steht Marcel Koller (65) und wünscht sich nur etwas: Dass endlich einer seiner Spieler begreift, was jetzt gefragt wäre: «Wenn wir im Ballbesitz sind, kann der Gegner keine Chancen herausspielen und kein Tor schiessen.»
Wen es eng wird, ändert Koller lieber nichts
Also geht der FCZ-Trainer seine Ersatzbank durch. Und wechselt … nicht. Zwei Spieler hat er schon in der 64. Minute gebracht: Nevio Di Giusto (21) und Mohamed Bangoura (20). Danach bleibt die Wechseltafel unbenutzt. Dass Leandro Schödler (20) in der 89. Minute vom Feld geht, ist nicht Kollers Wunsch. Der junge Defensivspieler hat einen Krampf.
Das Luzern-Spiel ist keine Ausnahme. Es folgt einem klaren Muster, das sich in dieser Saison beim FCZ abzeichnet. Ist ein Spiel eng, sind Punkte greifbar, dann wechselt Koller lieber einmal weniger als einmal mehr.
Beim 3:2-Sieg in Lausanne bringt Koller zwei Spieler von der Bank. Einen davon wegen einer Verletzung. Beim 2:1 gegen Vaduz ist es genauso. Beim 1:1 gegen Sion? Zwei Wechsel. Beim Cup-Out gegen Aarau trotz eines Rückstands in der zweiten Halbzeit? Zwei Wechsel.
Niemand bringt weniger Spieler von der Bank
Fünf frische Spieler darf ein Coach in der Super League seit der Corona-Zeit pro Match bringen. Koller aber schöpft sein Kontingent in den bisherigen elf Runden erst viermal aus. Wobei die fünf Wechsel beim 4:2 gegen Thun allesamt beim Stand von 4:1 stattfinden. Vier davon ab der 85. Minute.
Logisch bei dieser Aufzählung, dass der FCZ jenes Team stellt, das in dieser Saison mit Abstand die wenigsten Wechsel vorgenommen hat. 55 Möglichkeiten gab es in den 11 Runden. Die Zürcher haben bloss 42 davon genutzt.
Heisst das, dass Koller seiner Ersatzbank nicht vertraut? «Nein», sagt der FCZ-Trainer. Aber er gibt zu, dass er bei knappen Spielen sehr davon überzeugt sein muss, dass der Einwechselspieler der Mannschaft tatsächlich helfen wird. Frische Beine alleine reichen als Argument nicht.
«Wenn es auf dem Feld hektisch ist und der Gegner auf ein Tor drängt, ist es schwierig, von draussen reinzukommen», findet Koller: «Du kommst von der Bank, wo alles etwas ruhiger ist. Und auf dem Feld herrscht ein hoher Rhythmus.»
Und dann sagt Koller noch etwas, das halt doch auf eine knappe Auswahl hinzuweisen scheint: «Wir schauen: Wo braucht es etwas? Wo haben wir einen Spieler, der eingesetzt werden kann? Und das ist dann auch nicht immer der Fall.»
Das Team spielt am oberen Rand der Möglichkeiten
Wobei sich die Frage stellt: Wie sollen die jungen Spieler auf der Bank an Erfahrung gewinnen, wenn sie in heissen Situationen nicht ins kalte Wasser geworfen werden?
Allerdings ist das Kader des FCZ halt wirklich sehr knapp bemessen. Das wissen die Verantwortlichen im Home of FCZ selber. Dass die lange Zürcher Verletztenliste nicht hilft, versteht sich von selbst.
Bislang haben sich die Zürcher auch mit schmalem Kader beachtlich geschlagen. Der aktuelle Rang vier zeigt, dass da ein Team am oberen Rand seiner Möglichkeiten unterwegs ist.
Was aber eine starke Ersatzbank bringen kann, zeigt das Beispiel Sion: Bei den Wallisern haben Einwechselspieler in 11 Runden schon 19 Skorerpunkte gesammelt (Tore und Assists). Auch hier liegt der FCZ mit einem einzigen Jokertor auf dem letzten Platz.
Immerhin – Mohamed Bangouras Treffer gegen Servette war ein wichtiger. Es brachte dem FCZ den 2:1-Sieg und damit wichtige drei Punkte.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 11 | 25 | 31 | |
2 | BSC Young Boys | 11 | 17 | 25 | |
3 | FC Sion | 11 | 7 | 22 | |
4 | FC Zürich | 11 | -3 | 17 | |
5 | Servette FC | 11 | 2 | 16 | |
6 | FC St. Gallen | 11 | -4 | 16 | |
7 | FC Basel | 11 | -3 | 14 | |
8 | FC Luzern | 11 | -6 | 12 | |
9 | FC Thun | 11 | -11 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 11 | -1 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 11 | -13 | 9 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 11 | -10 | 6 |