Darum gehts
- FC Thun bestätigt: Sportchef Dominik Albrecht nimmt überraschend eine Auszeit
- Simone Rapp übernimmt sofort das Amt, Albrecht plant Rückkehr nach Herbstferien
- Albrecht: «Familie vor Beruf» – Rücktrittsentscheidung fiel am 30. Juli 2026
Im Thuner Medienraum ist es nicht nur wegen der Temperaturen heiss. Nach den zuletzt intensiven Tagen mit Champions-League-Quali, dem 0:6 gegen Rivale YB und der Vorbereitung auf das Quali-Spiel in der Europa League gegen Vikingur Reykjavik, machte Blick den überraschenden Rückzug von Sportchef Dominik Albrecht publik. Daraufhin bestätigte der Klub, dass Albrecht sich eine Auszeit nimmt und Ex-Spieler Simone Rapp per sofort das Amt übernimmt.
Der Plan sei aber, dass Albrecht zurückkommt und dann als Geschäftsleiter Sport in die Führungsetage zurückkehrt. Dass dies so geschehen wird, sei aber noch nicht garantiert – die Gespräche darüber sollen erst nach den Herbstferien stattfinden und konkreter werden.
Obwohl es schon länger angedacht war, dass sich Albrecht zurückziehen wird, ist der Zeitpunkt des sofortigen Abgangs sehr unerwartet gekommen. Das ist sich auch Albrecht bewusst, wie er an einer extra einberufenen Pressekonferenz erklärt: «Ich habe in den letzten Wochen noch intensiver gemerkt, dass ich aus familiären Gründen nicht mehr so weitermachen will. Ich habe in diesem Sommer meine Kinder fast nie gesehen. Dieser Spagat war das Herausforderndste am ganzen Job.»
Kein Burnout
Das soll sich mit der Auszeit ändern. Weil zwar in einer Woche die Schule bereits wieder losgeht, reicht es nicht mehr, um in die Ferien zu gehen – diese sollen dann im Herbst nachgeholt werden.
Von einem Burnout spricht Albrecht aber bewusst nicht. Vielmehr betont er, dass er genervt von gewissen Abläufen ist und es ihm nicht mehr die Befriedigung gegeben habe: «Ich konnte Verhaltensweisen von Aussen nicht mit mir vereinbaren. Ich bin genervter und habe auch eine gewisse Sättigung verspürt.» Genauer ins Detail will er aber nicht gehen, was er damit meint.
Für ihn ist aber klar, dass er im richtigen Moment die Reissleine gezogen hat: «Es war der richtige Moment, um aus dem Hamsterrad auszubrechen, aber es ist kein energetisches Problem. Ich hatte die Befürchtung, dass es eskalieren könnte, wenn ich mich nicht zurückziehe.» Geplant sei eigentlich gewesen, dass er noch bis zum Ende des Transferfensters durchzieht, doch dazu ist es jetzt nicht gekommen. Den definitiven Entscheid, dass sich Albrecht vorübergehend zurückziehen werde, sei am vergangenen Donnerstag gefallen.
Rückendeckung vom Präsidenten
Dass Albrecht genervter wirkt, stellte auch Präsident Andres Gerber fest, wie er an der Pressekonferenz erzählt: «Man hat es schon gemerkt, dass er genervt war. Das, was Domi (Albrecht, d. Red) mit den Abläufen angemerkt hat, stimmt schon. Es ist teilweise fast respektlos und undankbar, wie gewisse Personen sich benehmen.»
Gerber, der selbst jahrelang Sportchef der Berner Oberländer war, hat aber vollstes Verständnis für den Entscheid: «Sportchef ist ein taffer Job, vor allem mit Familie. Ich habe 100 Prozent Verständnis. Gesundheit und Familie gehen immer vor.» Auch weil mit Rapp ein idealer Nachfolger gefunden wurde: «Bis vor zwei, drei Monaten hätte ich gesagt, dass es nicht geht. Jetzt habe ich aber ein gutes Gefühl. Wir haben keine Katastrophenstimmung.»
Die Kommunikation der beiden wirkt glaubhaft. Sowohl Albrecht, der sich einen Ruf mit seiner Konsequenz bei Entscheidungen erarbeitet hat, als auch Gerber mit seinen Worten, dass er seinem Wegbegleiter die Auszeit gönnt.
Nun ist Rapp in der Verantwortung
Und Simone Rapp, der nun ins kalte Wasser geworfen wird? Der 33-Jährige macht einen souveränen und überzeugten Eindruck. Obwohl beim FC Thun noch viel auf der To-do-Liste steht, will er es langsam angehen. «Ich nehme einen Schritt nach dem anderen. Ich fokussiere mich vor allem auf die Spieler, die hier sind.» Dass er nun in Amt und Würden ist, sei für ihn zwar früher gekommen als gedacht, dennoch verspüre er eine enorme Dankbarkeit und Unterstützung.
Auf ein gewisses Netzwerk kann der ehemalige Stürmer aber bereits zurückgreifen: «Ich habe bei elf Klubs gespielt und spreche mehrere Sprachen. Dadurch habe ich schon einige Kontakte geknüpft.»
Rapp weiss allerdings, dass er seine Sporen noch abverdienen muss: «Ich muss und werde Fehler machen, nur daraus lernt man. Ich werde noch viel Hilfe von Ändu (Gerber, d. Red.) und Domi benötigen. Die erhalte ich aber auch.» Auch er habe die Intensität der letzten Tage und Wochen erlebt: «Auch ich habe Kinder und muss die Balance finden.» Trotzdem ist er sicher, dass ihm das gelingen wird und die Thuner ihr Ziel Europa erreichen werden.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | BSC Young Boys | 2 | 8 | 6 | |
2 | FC Lugano | 2 | 4 | 6 | |
3 | FC St. Gallen | 2 | 2 | 6 | |
4 | FC Lausanne-Sport | 2 | 1 | 4 | |
5 | FC Sion | 2 | 1 | 3 | |
6 | FC Zürich | 2 | 0 | 3 | |
7 | FC Basel | 2 | 0 | 3 | |
8 | FC Thun | 2 | -4 | 3 | |
9 | Grasshopper Club Zürich | 2 | -3 | 1 | |
10 | FC Vaduz | 2 | -2 | 0 | |
11 | Servette FC | 2 | -2 | 0 | |
12 | FC Luzern | 2 | -5 | 0 |
