Die Schlüsselszene
Kurz nach der Pause lassen sie ihre Klasse aufblitzen: Sehenswert, wie Isaac Schmidt zur Mitte zieht und Stürmer Essende lanciert, der ebenso sehenswert ins lange Eck zum 1:0 trifft. Die zuvor tapfer ankämpfenden Hoppers sind nun geknackt und der Weg zum YB-Sieg ist geebnet.
Das Spiel
Die Young Boys holen im Letzigrund nach sechs sieglosen Duellen den ersten Vollerfolg gegen GC seit April 2024. Bei den Hoppers ist im ersten Spiel unter Olaf Janssen aber nicht alles schlecht.
«Ich habe viele Gespräche geführt und versucht, den Spielern Vertrauen zu geben, Mut zu geben und die Angst zu nehmen», erklärt der neue GC-Trainer vor dem Spiel bei Blue. Das scheint gewirkt zu haben.
Die Zürcher, die in neun Spielen 24 Gegentreffer kassiert haben, stehen gegen die Berner 31-Tore-Offensive deutlich sicherer als zuletzt. Auch vorne setzen die Hoppers vereinzelt Nadelstiche, der Ballbesitz ist in der ersten Halbzeit fast 50 zu 50 aufgeteilt.
Dennoch hat YB die gefährlicheren Szenen. Vor allem bei zwei Doppelchancen brennt es im GC-Strafraum lichterloh. In der 33. Minute scheitert Samuel Essende am stark parierenden Marvin Hübel, kurz darauf verpasst Christian Fassnacht eine Hereingabe nur hauchdünn. In der Nachspielzeit hat YB doppelt Alu-Pech. Essende haut einen Eckball volley an den linken Pfosten, nur Sekunden später köpfelt Cédric Zesiger an die Latte.
Nach der Pause gehts GC dann aber endgültig zu schnell. Innert drei Minuten stellen der Toptorschütze der aktuellen und derjenige der abgelaufenen Saison die Weichen auf Auswärtssieg.
Davon erholen sich die Hausherren nicht mehr. Ohne offensiv weiter zu brillieren, bringen die Gäste den sechsten Saisonsieg problemlos ins Trockene.
Die Tore
49. Minute, Samuel Essende, 0:1. Der YB-Topskorer wird über links steil geschickt, zieht zur Mitte und schlenzt den Ball aus relativ spitzem Winkel gefühlvoll in die weite Ecke.
52. Minute, Christian Fassnacht, 0:2. GC-Goalie Marvin Hübel kann den Abschluss von Bahereba Guirassy noch parieren, doch via Verteidiger Nico Rissi springt der Ball Fassnacht vor die Beine, der nur noch einzuschieben braucht.
Die Stimmen
Olaf Janssen (GC; gegenüber Blue): «Wir hatten nur ein paar Tage, um uns kennenzulernen, und haben uns auf die Fahne geschrieben, dass wir ein anderes Spiel spielen, als man das vorher getan hat. Und wenn man dann gegen YB spielt, war im Vorhinein klar, dass es eine Herkulesaufgabe wird. Für mich war das Wichtigste, dass ich ein Gefühl bekomme für die Spieler und dass ich sehen kann, dass die Mannschaft bereit ist. Dass ich das Vertrauen gewinne, dass die Jungs sagen ‹Die Uhren gehen jetzt anders, und das wollen wir alle zusammen.› Denn wir brauchen alle zusammen. Und nach diesen 90 Minuten bin ich richtig stolz auf die Mannschaft und habe das Gefühl, so richtig angekommen zu sein. Die Jungs wollen das, der Rest ist eine Sache von Zeit und Entwicklung.»
Cédric Zesiger (YB; gegenüber Blue): «Ich bin mega happy, es war eine lange Zeit. Ungewohnt für mich, da ich zum Glück in meiner Karriere nicht so oft verletzt gefehlt habe. Ein grosses Danke an die Physio-Abteilung. Ich habe die Natipause optimal genutzt. Umso schöner, mit einem Sieg und einem Zu-Null-Spiel zu starten», sagt der Innenverteidiger nach seinem Comeback nach Verletzung.
Der Beste
Liga-Topskorer Samuel Essende ist einmal mehr der Leuchtturm im YB-Sturm. Immer wieder beschäftigt er die GC-Verteidiger. Mit Erfolg: Ein Tor erzielt er, dazu trifft er einmal den Pfosten.
Der Schlechteste
Erst gerade mit Südkorea goldbestückt von den Asienspielen zurückgekehrt, steht GC-Stürmer Young-Jun Lee auf verlorenem Posten. Und als er einmal gefährlich vor dem Tor auftaucht, haut er am Ball vorbei. Zur Halbzeit wird er erlöst und durch Muci ersetzt.
Das gab zu reden
Der neue GC-Trainer Olaf Janssen entpuppt sich als äusserst aktiver Trainer an der Seitenlinie. Der Deutsche sitzt kaum auf der Bank und tigert regelrecht in seiner Coachingzone herum – manchmal auch weit darüber hinaus.
Die Fans
Es ist Kids Day in Zürich, weshalb Kinder unter 16 Jahren das Spiel kostenlos besuchen dürfen. Wohl auch deswegen ist der Letzigrund nicht schlecht gefüllt. Von den 7339 Zuschauerinnen und Zuschauern sind rund 1000 aus Bern angereist.
Die Schiris
Referee Sven Wolfensberger führt eine strenge Linie und greift schon früh zu Gelben Karten. Er hat die Partie aber stets im Griff. Auch mehr als gewohnt hat der vierte Offizielle Luca Schelbli zu tun. Gleich mehrfach muss er GC-Coach Janssen ermahnen und zurück in seine Coachingzone schicken.
So gehts weiter
Am nächsten Wochenende steht die zweite Cuprunde auf dem Programm. GC spielt am Samstag um 17 Uhr in Grenchen (2. Liga interregional) im Kanton Solothurn, YB am Sonntag um 16 Uhr bei der AC Taverne (1. Liga) im Tessin.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen 1:0 | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel 0:2 | 10 | -2 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz 2:0 | 10 | -1 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport 0:1 | 10 | -9 | 6 |