Nach Dämlich-Rot gegen Cissé
Tormaschine Boteli bestraft dezimierten FCB

Basels Moussa Cissé erweist seinem Team einen Bärendienst. In Führung liegend kassiert er innert 44 Sekunden Gelb-Rot und legt so den Grundstein für Sions Boteli-Show.
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Sion dreht das Spiel in Basel in Überzahl.
Foto: Toto Marti

Die Schlüsselszene

Der Blick ins Gesicht von Moussa Cissé zeigt, dass sich der FCB-Linksverteidiger sofort bewusst ist, welchen Bärendienst er seinem Team gerade geleistet hat. Gegen Sion holt sich der Franzose innerhalb von 44 Sekunden zwei Gelbe Karten ab. Erst für ein taktisches Foul, dann für einen Tritt oberhalb des Knöchels von Rrudhani, für den Schiedsrichter Gianforte auch direkt Rot hätte zücken können. So oder so muss der FCB die letzten 30 Minuten in Unterzahl bestreiten – und Sion dreht einen 0:1-Rückstand innerhalb von drei Minuten.

Das Spiel

In der ersten halben Stunde beisst sich der FCB zunächst die Zähne an der Sittener Abwehr aus, Sion ist zielstrebiger und erspielt sich Chancen. Doch dann zeigen die Basler, dass sie wissen, wo das Tor steht. Gleich dreimal treffen sie, zählen tut aber nur ein Tor. Ein Handspiel macht einen traumhaften Lupfer von Asane Sow zunichte, beim vermeintlichen Doppelschlag von Zan Celar weist der VAR auf ein Offside hin.

Nach einem ruhigen Start in den zweiten Durchgang gehts dann umso mehr zur Sache. Als Xherdan Shaqiri, der erstmals nach vier Pflichtspielen wieder in der Startelf steht, in der 60. Minute sichtlich genervt über seine Auswechslung vom Platz läuft, weiss er noch nicht, dass es äusserst ungemütliche 30 Minuten für sein Team werden würden. Denn kurz darauf fliegt Linksverteidiger Moussa Cissé wegen zwei klaren Gelben Karten innert 44 Sekunden vom Platz.

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Und dann kommts, wie es fast schon kommen muss. Sion erhöht in Überzahl den Druck. Und allzu viele Chancen brauchst du auch nicht, wenn du mit Winsley Boteli den Stürmer der Stunde in den eigenen Reihen hast. Innert drei Minuten dreht der Knipser die Partie mit seinen Saisontoren elf und zwölf im elften Saisonspiel in der Liga und im Europacup.

Die Tore

40. Minute, Zan Celar, 1:0. Der Slowene erzielt sein 4. Saisontor. Nach einem langen Ball von Asane Sow steht der Stürmer alleine vor Racioppi und lupft den Ball über den Torhüter. Die Walliser Verteidigung sieht nicht gut aus: Noé Sow hat die unkonventionelle Idee, eine Offsidefalle zu stellen, nachdem Asane Sow Torschütze Celar bereits lanciert hatte.

76. Minute, Winsley Boteli, 1:1. Lukembila trägt den Ball nach vorn und spitzelt die Kugel im Fallen zu Winsley Boteli. Der 20-Jährige fackelt nicht lange und zieht aus rund 17 Metern ab. Der Ball wird noch leicht von Akpe Victory abgefälscht und landet dann im unteren linken Eck.

79. Minute, Winsley Boteli, 1:2. Die Basler werden in den eigenen Sechzehner gedrückt, während Ali Kabacalman eine Flanke auf den zweiten Pfosten schlägt. Dort sind die Bebbi zu passiv und können nicht klären. Der Ball kommt zu Boteli, der das Leder per Volley wuchtig via Unterlatte im Netz versenkt.

Die Stimmen

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Winsley Boteli (Sion, gegenüber Blue): «Die erste Halbzeit war hart. In der zweiten Halbzeit haben wir mental stark gekämpft. Es war ein Sieg des Teams. Der Trainer hat uns in der Halbzeitpause ordentlich zusammengestaucht. Dann sind wir mit voller Wucht in die zweite Halbzeit gestartet, hatten keine Angst und haben ein ganz anderes Spiel gezeigt. Das war der Schlüssel zum Erfolg.»

«Ich mag es, zu sticheln, und es hat funktioniert. Das ist Teil des Spiels», erklärt er seinen Jubel vor der Muttenzerkurve, der zu einem Pfeifkonzert im Stadion führt, auf den TV-Bildern aber nicht vollständig zu erkennen ist. Im Fernsehen ist nur zu sehen, wie er vor den Basler Fans seine gewohnte Jubel-Pose mit einer Hand vor dem Gesicht präsentiert.

Stephan Lichtsteiner (FCB, gegenüber Blue): «Wir haben ein Okay-Spiel gezeigt, hatten die Kontrolle. Klar hat sich mit der Gelb-Roten alles geändert.»

«Die Überlegung war, dass ich etwas ändern wollte, aber nur drei Wechselfenster habe. In der Pause war ich nicht sicher, ob er das ganze Spiel durchhält. Direkt im Anschluss kommt die Rote Karte – sehr unglücklich», erklärt er die frühe Auswechslung von Shaqiri.

Flavius Daniliuc (FCB, gegenüber Blue): «Es ist unglaublich bitter jetzt nach dem Spiel, weil wir das Gefühl hatten, dass wir das Spiel im Griff hatten. Die Rote Karte zerstört irgendwo unser Spiel, aber kein Vorwurf an Moussa. Das hat uns den Matchplan zerstört. Und dann kommen aus meiner Sicht zwei unglückliche Tore hinzu, die wir bestmöglich versucht haben zu verteidigen. Das war am Ende aber nicht mehr möglich.»

Der Beste

Winsley Boteli. Bis eine Viertelstunde vor Schluss fehlt im Joggeli jede Spur vom Sion-Juwel. Dann schlägt er zweimal eiskalt zu. Sein zweites Tor ist eines der Marke Weltklasse.

Der Schlechteste

Moussa Cissé. Schon am Samstag in Bern sackschwach. Mit seinem Platzverweis innerhalb von 44 Sekunden dafür verantwortlich, dass dem FCB das Spiel entgleitet.

Das gab zu reden

Vier Spiele lang hatte Lichtsteiner in seiner Startelf auf den Captain verzichtet. Nachdem er aber sowohl gegen den FCZ (2:1) als auch gegen YB (3:3) als Einwechselspieler mit für die Wende sorgte, darf der Spielmacher gegen Sion endlich wieder von Beginn an ran. Im Joggeli bleibt er aber bis auf eine gute Freitstoss-Vorlage blass. Als ihn Lichtsteiner nach einer Stunde vom Platz holt, ist Shaqiri «not amused».

Die Fans

21’243 Fans weist der FCB aus, in Wirklichkeit dürften es aber schon etwas weniger gewesen sein. Auch der Walliser Anhang trifft erst nach Anpfiff ein.

Die Schiris

Nico Gianforte liefert eine gute Partie ab. Das Handspiel von Sow sehen er und sein Team sofort, lassen den Basler Angriff aber bewusst zu Ende spielen. Auch der Platzverweis gegen Cissé ist richtig. Die Unterstützung von VAR Fedayi San braucht er kurz vor der Pause aber trotzdem, als ihn dieser auf eine ganz knappe Offside-Position von Celar hinweist.

So gehts weiter

Der FC Basel empfängt am Sonntag (16.30 Uhr) den FC Lugano. Sion spielt zeitgleich zu Hause gegen Meister Thun.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
9
20
25
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
9
13
19
3
FC Sion
FC Sion
9
9
19
4
FC Basel
FC Basel
9
0
13
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
9
-3
13
6
FC Luzern
FC Luzern
9
-1
12
7
FC Zürich
FC Zürich
9
-6
11
8
Servette FC
Servette FC
9
-2
10
9
FC Thun
FC Thun
9
-8
10
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
9
-11
8
11
FC Vaduz
FC Vaduz
9
-3
6
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
9
-8
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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